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Full text: Monatszeitschrift XX (1917 / Heft 11 und 12)

niederländischer Bilder zwei an wirklichen Qualitäten arme Abteilungen der 
Domenico Ghirlandajo, Der heilige 
Stephanus 
Gemäldegalerie alter Meister eine wirk- 
same Bereicherung erfahren haben, war 
die Museumsleitung mit Recht bestrebt, 
auch gerade jene Bestände, deren aller- 
dings ein wenig ungesichteter Reichtum den 
besonderen Stolz des Museums ausmachen, 
die frühen Italiener und die Holländer des 
XVII. Jahrhunderts, durch gelungene An- 
käufe zu vermehren. 
In der Vita des Domenico Ghirlandajo 
berichtet Vasarif daß der Künstler die 
Tornabuoni-Kapelle von Santa Maria No- 
vella zu Florenz nicht nur mit Fresken ge- 
schmückt, sondern auch die Altartafel der 
Kapelle mit sechs Flügelbildem in Tempera 
ausgeführt hätte. Von diesem Werke sei ein 
Teil, nämlich einige Gestalten der Rückseite 
und drei Flügelbilder, bei dem Tode des 
Meisters (1494) unvollendet gewesen und von 
seinen Brüdern Benedetto und David Ghir- 
landajo in Öltechnik fertiggestellt worden. 
Als der Altar im Jahre 1804 abgebrochen 
wurde, gelangte kurz darauf das Mittelbild 
mit der thronenden Madonna in der Engels- 
glorie und zwei Flügelbilder mit dem heiligen 
Laurentius und der heiligen Katharina von 
Siena in den Besitz des Kronprinzen von 
Bayern und 1850 in die Münchner Pina- 
kothek. Die Rückseite mit der Taufe Christi 
und zwei andere Flügelbilder, auf denen die 
Heiligen Vincentius Ferrerius und Antonius 
dargestellt sind, bildeten einen Bestandteil 
der Sammlung Solly und hängen heute im 
Kaiser- Friedrich - Museum. Die restlichen 
beiden Tafeln, auf die nach Vasaris Bericht 
die Heiligen Stephanus und Petrus Martyr 
gemalt waren, wurden 1809 von Lucien 
Bonaparte erworben und waren dann ver- 
Schollen. Kurz vor Kriegsbeginn tauchte 
eines dieser Flügelbilder mit dem heiligen 
Stephanus im Pariser Kunsthandel auf und 
1' Deutsche Ausgabe von jaeschke, II, Straßburg 1904, 
Seite x62.
	        
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