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Full text: Monatszeitschrift XX (1917 / Heft 11 und 12)

wird sich an den um soviel maßvolleren Zeichnungen aus dem Wiener Stadtbild oder 
aus der südlichen Landschaft, wie sie einerseits Steiner, anderseits Andersen bringen, zer- 
streuen. Tritt man dann vor Faistauers gesammelte Farbenkraft, so mag man sich wohl 
von der Fülle und auch von mancher Feinheit in den Tonarten befriedigt fühlen. Es ist so 
recht eine Kunst der Farbenilächen, die Faistauer anstrebt, ohne um Form und Darstellung 
viel besorgt zu sein. Manchmal gelingt ihm eine ganz prächtige Wirkung, manchmal 
versagt seine Art wieder ganz. Wer die Form zu sehr mißachtet, wird mit der Farbe 
allein nicht immer verständlich wirken. Die Illusion verlangt den richtigen Fleck an 
richtiger Stelle, die Schönheit oder Leuchtkraft der Farbe genügt nicht allein. 
Alles Kleinliche fehlt diesen Arbeiten, aber manchmal leider auch der Sinn für das 
Gegenständliche, ohne den auch ein Meister der Farbe nicht schaffen kann. Abgestimmte 
Stilleben, brillante Blumenbüsche, breit gemalte Porträts: sind wohl prächtig in der farbigen 
Wirkung, aber schwer und körperlos dargestellt. Der duftige Reiz der Blüten, der Formen- 
reiz von greifbaren Körpern wird stark vernachlässigt und geht in der Zufallsfläche des 
Pinsel- oder Spachtelsltriches unter. Darum kann man sich wohl über Einzelnes, nicht über 
das Ganze wirklich freuen. 
KLEINE NACHRICHTEN 54' 
ERLINER EISENKÜNSTGUSSÖ" Die Geschichte des Berliner Eisenkunst- 
gusses behandelt eine schlichte und gerade darum besonders eindrucksvolle Fest- 
schrift zum halbhundertjährigen Bestande des Berliner Kunstgewerbemuseums. Sie 
kommt gerade zur rechten Zeit. Ähnliche furchtbare Erschütterungen des Völkerlebens wie 
vor xoo Jahren, da die Not der Zeiten den Eisenguß zu künstlerischer Auswertung drängte, 
haben auch unsere Blicke wieder auf dieses für monumentale und vor allem für hand- 
werkliche Arbeit besonders geeignete, bildsame, sinnvolle Material gelenkt, dessen Kunst- 
sprache und Gestaltungsfahigkeit gerade damals in Vergessenheit geriet, als man durch 
die Errichtung der Kunstgewerbemuseen die Kunst im Handwerk wieder neu aufzubauen 
unternahm. 
Otto von Falke hat in der knappen Einleitung zu dieser Festschrift mit Recht darauf 
verwiesen, daß die Kunstgewerbemuseen in einer Zeit entstanden, „die schon längst 7 
und nicht bloß in der bildenden Kunst - von antiquarischen Neigungen erfüllt war. 
Als Kinder ihrer Zeit sind sie der herrschenden Strömung gefolgt, welche die alten 
Kunstwerke als nachahmenswerte Vorbilder ausnützte. Diese Art der Museumsbenützung 
hat das kunstgewerbliche Übel jener Jahre, die zweckwidrige Überladung mit entlehnten 
Zierformen, zwar nicht hervorgerufen, aber ihm doch Vorschub geleistet. Seit der Jahr- 
hundertwende hat das Ringen um eine selbständige und zeitgemäße Formensprache 
die rückblickende Entwicklungsstufe überwunden und die höheren Bildungsaufgaben der 
Kunstgewerbemuseen sind wieder in den Vordergrund getreten." Die Vorlagensammlungen 
sollen nicht zur Nachbildung dienen, sondern im Sinne Sempers, dessen weise Mahnungen 
erst jetzt verständnisvoll beherzigt werden, die wahren Lehrer eines freien Werkes sein. 
Man kann dem hochverdienten Direktor der jubilierenden Anstalt, der gewiß nicht im 
Rufe eines Stürmers und Drängers steht, nur lebhaft danken, daß er diese Worte gerade 
jetzt gesprochen hat. 
Wir werden die aufs reichste mit Anschauungsmaterial ausgestattete Schrift von 
H. Schmitz, der sich um die Veranstaltung der Ausstellung „Gußeisen" (Kunstgewerbe- 
museum Berlin 1916) hervorragend bemüht hat, richtig einschätzen, wenn wir ihr die 
Absicht zuschreiben, den Eisenkunstguß unseren Zeitforderungen gemäß nicht durch 
sklavische Nachbildung, sondern durch freie Neuschöpfung zu neuem Leben zu erwecken, 
4' „Berliner Eisenkunstguß", von Hermann Schmitz. Festschrift zum 5ojährigen Bestande des könig- 
lichen Kunstgewerbemuseums, 1867 bis 1917. Verlag F. Bruckmann A. G., München.
	        

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