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Full text : Monatszeitschrift XXI (1918 / Heft 3 und 4)

heit durchaus einfach behandelt; er erinnert an den Erzherzog Maximilian.

Das Werk hat mit Recht stets für eine Arbeit Gerhards gegolten, nur irrt

man wohl in der Annahme, daß es bereits 158g bei Errichtung der Kapelle

des herzoglichen Palastes entstanden sei, als Ferdinand 39 Jahre zählte.

Das Relief scheint vielmehr für einen Saal des Palastes bestimmt gewesen

zu sein, in dem der Herzog seine kriegerischen Taten verewigen ließ. Hainhofer,

 der in allen Residenzen herumstieg, hat das Bildnis im Jahre 1611

offenbar dort gesehen." Später mag es dann in die Grabkapelle versetzt

worden sein.

Die gleiche schlichte Wahrheitsliebe, der es fernliegt, dem Fürsten auch

den Stempel überragender geistiger Bedeutung aufprägen zu wollen, spricht

aus den beiden Bronzestatuen der I-Ierzoge Wilhelm IV. und Albrecht V. am

Ludwigs-Mausoleum (siehe Abb. 6), die von Dionys Frey, dem Sohn des

Martin, angeblich 1605 gegossen worden sind." Und wie in der Auffassung,

so entsprechen diese Standbilder auch in der geschmackvollen Ornamentierung

 ganz dem Herzog Ferdinand. Nur wenige Bronzen in Deutschland

aus dieser Zeit lassen sich den Münchner F ürstenbildnissen zur Seite stellen.

Am meisten verwandt sind die beiden Grabmäler in Regensburg und Eichstätt,

 die wir Hans Reichel zuschreiben möchten. Die sächsischen Kurfürsten

mit ihren Frauen von Carlo de Cesare im Freiberger Dom wären etwa zu

nennen. Auch hat de Vries einige Büsten verfertigt, die eine schärfere Individualisierung

 auszeichnet, als sie Gerhard eigen ist. Das sichere Ebenmaß

der Proportionen, die Vornehmheit der Auffassung, schließlich die technisch

brillante Ausführung stellen diese Wittelsbacher Fiirstenbildnisse Gerhards

weit über die Erzeugnisse der deutschen Porträtplastik in Stein, wie sie etwa

durch die grobschlächtige Stuttgarter Ahnenreihe des Sem Schlör oder die

bei aller technischen Gewandtheit im Vergleich zu Gerhard schwerfälligen

Figuren der Werkstatt des Hans von Trarbach oder des Hans Werner,""""'i

um einige der besten zu nennen, repräsentiert wird. Die berühmten

Pfälzer Standbilder des Sebastian Götz am Friedrichsbau des Heidelberger

Schlosses, die hier heranzuziehen wären, sind nicht ohne Einwirkung der

Gerhardschen und Reichelschen Plastik - man vergleiche des letzteren

Habsburger-Statuen an der Brixner Residenz - denkbar, denn Götz hat.

i" „Sein statua ist auch nach dem leben allda, stehet in ainem küriss mit sein schwert umbgürtet

und mit seinem schönen feldzeichen behengt, so er dazumal gebraucht hat. Neben ihm stehet sein helrnlin

und großer federbusch sambt dem schilt, den sein spißjung geführet hat": Häutle in der „Zeitschrift des

Vereins für die Geschichte von Schwaben und Neuhurg", VIII, 188i, Seite m6. Die Erwähnung des auf

dem Relief nicht vorhandenen Helrnbusches kann leicht auf einem Gedäehtnisfehler Hainhofers beruhen. -

Herzog Ferdinand hatte auch einen figurenreichen Brunnen errichten lassen, der 161i der schönste der Stadt

genannt wird.

'" Nach Ttaurmann und andern wären sie schon für das Wilhelms-Grab bestimmt gewesen. - Dionys

Frey nennt sich als Gießer in einer Supplikation des Jahres r62o: Heigel, „Das Grabmal Kaiser Ludwig des

Bayern in der Münchner Frauenkirche", in "Geschichtliche Bilder und Skizzen", München 1897. Seite 359. Die

Jahreszahl r6o5, die Weese „München", rgoß, Seite IUQ, und Baum in Thieme-Beckers „Kiinsderlexikon", V,

Seite 494, angeben, vermag ich weiter nicht zu belegen.

i" Das Grabdenkmal des Hieronymus Kreß in Kraftshof bei Fürth (nach 1596) erinnert an den Hai-wg

Ferdinand Gerhards: Abbildung bei F. T. Schulz, „Hans Werner", in den „Mitteilungen aus dem Germanischen

Nationalmuseum", rgug, Tafel XXXI.
            
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