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MAK

Full text : Monatszeitschrift XXI (1918 / Heft 3 und 4)

und die ihm manchmal überraschend gut gelingt, wo der Kontakt mit der Natur nicht

völlig abgeschnitten wurde. Aber so ganz über das Naturstudium hinweg zur Willkür

überzugehen, wie es einige Arbeiten tun, bei denen nur wenige Teile erträglich sind, das

fordert zu einer Kritik heraus, die auch den guten Seiten dieser Arbeit schädlich wird.

Es ist die höchste und schwierigste Aufgabe, die sich der Künstler stellte. DaB er ihr

manchmal gerecht werden konnte, ist genug, um sein Schaffen in gutes Licht zu rücken.

Man kann ihm nur wünschen, daß er den Boden nicht verliert, den aller Plastik und aller

Malerei die Kenntnis der Natur allein zu schaffen vermag.

ERKBUNDVERKAUFSTELLE. Die anziehenden kleinen Schaustellungen

in der Verkaufstelle des Österreichischen Werkbundes am Kärntnerring haben sich

erfreulicherweise schon eingelebt und bilden durch häulig wechselnden Inhalt und gute

Auswahl einen wichtigen Anziehungspunkt künstlerischer Art. Kürzlich wurde auch damit

begonnen, in kleinem Rahmen Mitgliedern eine gesonderte Vorführung ihrer Leistungen

zu ermöglichen. Katharina Schaffner zeigt Textilarbeiten und graphische Werke. In den

ersteren liegt eine Anwendung der in den letzteren niedergelegten Gedanken. Diese haben

einen ornamentalen Grundcharakter, der eine Neigung zur Mystik und manchmal auch

eine humoristische Spitze besitzt. Namentlich die Tonätzungen mit ihren weichen Linien

und Flächenbewegungen, die als Buchschmuck und Illustration gedacht sind, bilden den

Ausdruck eines feinen rhythmischen Empfindens. Humorvolle Federzeichnungen mit

paraphrasierten Tiergestalten bringen die andere Seite der Begabung zum Ausdruck. In

Modeldrucken auf Samt wirken diese Schmetterlingsilügelsymphonien reizvoll und fein.

Sicherlich wird die Absicht, dem Wiener Publikum einzelne Talente unter den

Bundesmitgliedern eindringlicher vorzuführen, besonders dann wohltuende Wirkungen

hervorrufen, wenn dadurch Persönlichkeiten gefördert werden, deren Begabung vor dem

Lichte der ÖHentliehkeit bisher verborgen war und zu demselben auch nicht leicht gelangen.

KLEINE NACHRICHTEN Sh

LEINSIEDELÜNGEN. In seinem neuen Buch „Ausblicke für die kunsttechnische

 Zukunft unseres Volkes" (Weimar r9i6) schreibt der Oberbaudirektor der

Hansestadt Hamburg, Fritz Schumacher, den tiefdurchdachten Erfahrungssatz: „Überall,

wo heute das innere Wesen der Organisation einer Kulturforderung voll ausgereift ist, hat

sich bald eine künstlerische Form dafür gefunden." Eine solche Kulturforderung ist zweifellos

 das Verlangen unserer Volksmassen, vor allem der industriellen Großstädte, nach

besseren Wohnungen. Die Mietkaserne, wie sie die neue weltwirtschaftliche Entwicklung

Deutschlands in den vier Jahrzehnten zwischen dem Siebziger- und dem jetzigen Krieg

geschaffen hat, wird in weiten Kreisen als unerträglicher Komplex von technischer und

hygienischer Unzulänglichkeit, wirtschaftlichem und rechtlichem Zwang und ästhetischer

l-Iäßlichkeit empfunden. Doch wo ein Wille ist, da ist auch stets ein Weg: der Krieg hat

rnit so vielen Vorurteilen, inneren und äußeren Hemmungen aufgeräumt, er hat die Macht

organisierter Bestrebungen gezeigt, er hat die Utopie auf den realen Boden tatsächlicher

Ausführbarkeit gestellt. Wie die von wirtschaftsphilosophischer Ideologie zu praktischer

Volksarbeit fortschreitende deutsche Sozialdemokratie sich in dieser Entwicklung ganz dem

Wirklichkeitssinn der englischen „Labour party" genähert hat, so hat auch unser Kleinsiedelungswesen

 die englischen und nordamerikanischen „Gartenstädte", ursprünglich

unsere Vorbilder, heute längst erreicht oder sogar überilügelt: dessen sind Zeuge viele,

sich stets noch mehrende Anlagen, wie sie nicht nur für Industriearbeiter, sondern auch

für Beamte, Kleinbauern, wohlhabender: Mitglieder freier Berufe usw. Baukünstler wie

Hermann Muthesius, Heinrich Tessenow, Richard Riemerschmied, Georg Metzendorf,

Paul Schmitthenner, Theodor Fischer und Peter Behrens errichtet haben.
            
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