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Volltext: Monatszeitschrift XXI (1918 / Heft 5, 6 und 7)

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Mitau in Kurland das Nürnberger Rot- 
schmiedmeisterrecht gleichsam wie der 
EhrendoktoreinerberühmtenUniversität 
gesucht war - der dortige Stück- und 
Glockengießer Friedrich Fechter" läßt 
sich 1736 eine solche Promotion in ab- 
- sentia ein schönes Stück Geld kosten -, 
dürfte der norddeutsche oder gar nieder- 
ländische Ursprung des gesamten han- 
seatischen Materials nicht über jeden 
Zweifel erhaben sein. Es wäre insbeson- 
dere zu prüfen, ob die zahlreichen Kron- 
leuchter der Nikolaikirche in Reval 
(datiert 1615, 1645,1648, 1652, 1691, 1692 
Abb. 73. Epitspb des Rotschrniedes Peter Schletz, etcq als Verfertigel- zweier Luster vom 
m5 ' Jahre 1580 in Thom wird ein dortiger 
Gießer namens"Andres Kugelhan angegeben)" wirklich baltische Arbeit sind. 
Der Danziger Marienleuchter von 1517 („Formenschatz", 1909, Nr. 69, 70) gilt 
als solche. Einer Urkunde des XVI. Jahrhunderts, die uns von dem Aufenthalt 
zweier Nürnberger Rotschrniede in Danzig berichtet, wurde bereits gedacht, 
ebenso des Nürnbergischen Handels mit dieser Metropole des Ostens und 
ihrem Hinterland. _ 
Auch zwischen Lübeck und Nürnberg gingen manche Fäden hin und 
her. Als das Lübecker Handwerk Neugestaltung seiner Organisation an- 
strebte, wandte es sich um Auskunft an die Kollegen in Nürnberg, wo man 
übrigens auch von Wien und Köln aus gelegentlich interpelliert wurde. Auf 
die Frage des Verhältnisses der hanseatischen Kronleuchter zu Nürnberg 
kann ich heute nicht näher eingehen, doch sei soviel hier schon gesagt, daß 
stilistische Beziehungen da sind. Der bekannte Kronleuchter der Lübecker 
Katharinenkirche""" zum Beispiel hat manche Verwandtschaft mit einem 
Exemplar, das früher in der Sammlung Bergau in Nürnberg war und 
dann in das South-Kensington-Museum in London gekommen ist. Die 
Bekrönung bildet in Lübeck 1665 wie 1710 in Reichenau bei Zittau ein 
Engel mit Palmzweigsl- 
Wie der Preiskurant beweist, gehörte noch am Ende des XVIII. Jahr- 
hunderts der Hängeleuchter zu den Hauptartikeln des Nürnberger Gewerbes. 
Besonderes Interesse bieten die Teilstücke, wie Lilien und Röslein, die da 
aufgeführt sind. Unsere Abbildung 63 zeigt, daß die gleichen Details bei 
Bügeleisen Verwendung fanden. Diese Geräte wurden denn auch in älterer 
 
' Friedrich Fechter läißt sich in gleicher Weise noch 1754 durch die Nürnberger Meisterschaft den aus 
Riga gebürtigen Friedrich Karl Koblach als Lehrling in Mitau aufdingen und denselben dann 1158 ebenso aus- 
schreiben und zu einem Gesellen machen. 
"t Vgl. Lller-Creutz, a. a. O. 
"H Abgebildet bei Lüer-Creutz, s. a. 0., Seite 494, und „Kunstgewerbeblatfß N. F. g (1898), Seite 115. 
1- Solche Bekrönungstigur auch in Forchheim.
	        

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