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MAK

Full text : Monatszeitschrift XXI (1918 / Heft 8, 9 und 10)

Es mochte für die Auftraggeber selbst etwas Verführerisches haben,

ihre gewaltigen Pläne so im romantischen Zauber einer großen Vergangenheit

 zu sehen und ihre eigenen Absichten gewissermaßen durch schon

Dagewesenes und nur Wiedererwecktes gerechtfertigt erscheinen zu lassen.

Daß der romantisch-klassizistische Gedanke aber auch für den Künstler

einen besonderen Reiz hatte, zeigt uns der Umstand, daß Quarenghi eben

einen solchen Entwurf selbst radiert hat; diese Tafel ist eine der ganz

seltenen Sachen, die der Autor zum bloßen Vergnügen gestochen hat, heißt

es in dem Werkef" es ist also gewiß eine Arbeit, die dem Künstler mehr von

Herzen gekommen ist als manche andere.

Wir glauben, daß man den ganzen Klassizismus (auch innerhalb der

eigentlichen Renaissance und Antike) falsch beurteilt, wenn man ihn nicht

auch von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet. Das bloße Einanderentgegensetzen

 von Klassizismus und Romantik, wie es gewöhnlich geschieht,

trifft die Sache gar nicht. Warum konnten sonst auch eine gotische und eine

antike Romantik nebeneinander, ja ineinander, bestehen? Es waren nur

verschiedene Ausdrucksweisen desselben Gefühles. Quarenghi ist aber in

den Einzelformen von vornherein auf die Antike eingestellt, und es wird im

Texte des Werkes" besonders hervorgehoben, daß er nicht etwa eine

gotische Ruine entworfen habe, sondern eine im Geschmack der besten

Zeit der Griechen und Römer. Natürlich ist sie das nicht. Und dann tritt

ein ganz romantischer Rundturm dazu, der wohl den Wechsel der Zeiten

andeuten und die Vergangenheit mit der Gegenwart gefühlsmäßig verbinden

 soll.

Vielleicht ist der Maler Quarenghi aber überhaupt auf dem Wege

der Ruinenbegeisterung, die in Rom ja so nahe liegt, zum Architekten

geworden.""""

Kehren wir jedoch zu den Zeichnungen Quarenghis zurück. Wir glauben

allerdings, daß die scheinbare Abschweifung nötig war, um seine Kunst, ja

zum Teile die seiner ganzen Zeit, zu verstehen.

Betrachten wir die Zeichnungen aber auch ohne alle Nebengedanken,

so möchten wir sagen: schon der bloße Umstand, daß sie überhaupt im Besitze

des Wiener Hofes, dem ja auch der von Modena angehörte, vorhanden

sind, ist nicht ohne Bedeutung. Denn man sammelte damals gewiß nicht

Quarenghi-Zeichnungen an sich; sondern man verlangte und verwahrte sie

gewiß nur, wenn man bestimmte praktische Zwecke damit verband. Was

liegt aber näher, als anzunehmen, daß sie durch Quarenghi selbst als Proben

" Seite 46. La presentz tavnla e una delle pocchissime cose per semplice intrattenimento dalP autore

intagliata, e sotto questo riguardo du giudicarsi come lavoro di un dilettnnti '(. . . und ist in dieser Hinsicht

als Arbeit eines Liebhabers aufzufassen, was eine - gar nicht nötige - Entschuldigung der technischen

Durchführung sein soll).

i" Seite 46. _

"H: Man vergleiche dazu im Text des Werkes Seite ro über den „portico della Rotondu e il tempio di Sempide

 a Pozzoli", die als Muster des Einfachen und Grandiosen angeführt werden. Auch der Ponicus des Pantheons,der

 ist wohl gemeint, wirkte mit dem ganzen Hintergrunde (damals auch noch mit den Türmen) vor allem

romantisch.
            
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