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Full text: Monatszeitschrift XXI (1918 / Heft 8, 9 und 10)

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r r " "  schonvorliegt, 
auf dem es 
in Zukunft für 
die westeuro- 
päische Zivili- 
sationzufußen 
und aufzu- 
bauen gilt. 
Die Grundla- 
ge und Vor- 
aussetzung 
jedweder ge- 
deihlichenkul- 
turellenArbeit 
und Verwal- 
tung ist die ge- 
naue Kenntnis 
 
Leopold Forstner, Wohnhaus aus Skutari (Österr. Museum) 
r der betreffenden Bevölkerung, ihrer angestammten Eigenart in leiblicher 
und geistiger Hinsicht, ihrer Arbeit und Kunstfertigkeiten, ihres Handels 
und Wandels, kurzum ihrer ethnographischen Besonderheiten. In Österreich 
und speziell in Wien ist die Aufgabe, an der Erschließung der Balkan- 
gebiete mitzuarbeiten, eine allgemeine Aufgabe aller in Betracht kommenden 
Anstalten, daher ersuchte mich die Direktion des Österreichischen Museums, 
auch für dieses Institut einiges typisch Kunstgewerbliches der Balkanländer 
zu erwerben. 
Meine Sammlungsreisen erstreckten sich über Montenegro, Albanien 
und einen Teil Mazedoniens, und zwar den Teil Mazedoniens, der haupt- 
sächlich noch von Albanern bewohnt ist. Es ist dies der Teil westlich der 
Linie Üsküb-Veles-Prilep-Ochrida-Brens. Die Erwerbungen geben 
kein abschließendes Bild, es treten aber doch die hervorstechendsten Züge 
künstlerischer Artung deutlich hervor. 
Ich nenne hier besonders die Textilarbeiten; die prächtigen Seidenstoffe, 
die gemusterten Baumwollgewebe sind gleicherweise ein Zeugnis der 
blühenden Zucht der Seide in Albanien wie der künstlerischen Höhe ihrer 
Verwertung. 
Wie reiche Anregung ich als Künstler in jenen Ländern empfangen 
habe, zeigen die vielen Zeichnungen, die sich teilweise im Kaiser Karl- 
Museum und im Österreichischen Museum befinden. Sie sollen vor allem 
dartun, daß trotz aller Ungebundenheit in der Lebensführung, in der Arrn- 
seligkeit der Bevölkerung, in jedem Einzelnen ein kräftiges Können steckt. 
Für die Zukunft rnuß letzteres gefördert werden, um diese Bevölkerung 
einer neuen und höheren Entwicklung zuzuführen. 
Um ein Volk xkennen zu lernen, muß man seine Sitten und Gebräuche 
näher studieren, sein Wohnen, seine Lebensauffassung und so weiter. Es
	        
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