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Full text: Monatszeitschrift XXII (1919 / Heft 3, 4 und 5)

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Durchschnitt gesehen einen ähnlich gedrungenen herzförmigen Körper mit 
der gleichen Sockelbildung auf; diese Vasen gehen oben in einen sich ver- 
jüngenden Hals aus, aus dem ein Blumenbukett fächerförrnig sich entfaltet. 
Ein symmetrisch angebrachtes Figurenpaar bildet die Vermittlung zwischen 
Hals und Körper. Bei Andrea ist von der Verjüngung des Gefäßes nach 
oben abgesehen worden; denkt man sich aber über den Oberteil der Vase 
Stefanos einen längs des Konturs des Blumenstraußes verlaufenden Halb- 
kreis gezogen, so erhält man eine fast kongruente geometrische Form, wie 
sie der Durchschnitt der Urne aufweist." Diese Grundform ist natürlich nur 
mehr in beschränktem Ausmaß erhalten geblieben; das Hamburger Original 
zeigt, daß wegen der geplanten Einfügung des Stückes in einem Altar die 
Rückseite ganz unbearbeitet blieb, die Seitenilächen sich mit einfacheren 
Verzierungen begnügen mußten. 
Es folgen nun Blätter mit Skizzen für Einzelfiguren. Die drei auf einem 
Blatte nebeneinanderstehenden Studien für ein korbtragendes Mädchen 
(F01. 39 verso, Abb. 10) geben uns Gelegenheit, das stufenartige Arbeiten 
Andreas zu verfolgen: wie in der linken Figur nur die Umrisse angedeutet 
sind, dies aber mit großer Sicherheit und Meisterschaft, wie dann durch 
leicht eingezogene Schrafiierungen ohne Veränderung der Pose und der 
Bewegungen die plastische Illusion der Gestalt gesteigertiwurde, und wie 
endlich im letzten Versuch bereits das (noch mehr modellierte) Gegenstück 
angereiht erscheint. Das sind augenscheinlich Entwürfe, wie sie Brustolon 
für seine Vasenständer und Füllhornträger benötigte. In den verkleinernden 
Maßen der Zeichnung nähern sie sich in manchem dem Aussehen von 
Elfenbeinstatuetten, die um dieselbe Zeit Balthasar Permoser (1650 bis 
1732) verfer- 
 
tigte. Ähnli- I ' '- ' eggägjf) 
che, mehr fort- ' ' G? ' f; 
geschrittene 
Skizzen, mit 
nervösen und 
eiligen Stri- 
chen geformt, 
führen drei Fe- 
derzeichnun- 
gen mit Dar- 
stellungen der 
" Man beachte 
die Änderung der Be- 
krönung: die nackten 
Menschengestallen, 
die den Strauß hallen. 
verwandeln sich bei 
Brustolon in Putten- 
figuren, die das Kreuz 
umfassen. Abb. m. A. Brustolon, Das korbtragende Mädchen (Zeichnung) 

	        

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