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Full text: Monatszeitschrift XXII (1919 / Heft 3, 4 und 5)

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heiligen Könige vor (Fol. 27). Der Mohrenkönig ist zweimal in verschiedener 
Stellung auf das anmutigste wiedergegeben. 
Drei Blätter des Skizzenbuches sind der Darstellung von stehenden, 
auf Konsolen ruhenden Engelstatuen gewidmet)" von denen zwei als Ampel- 
träger (Fol. 34 und I7) fungieren (Abb. n); also auch hier, da die Gelegenheit, 
die Freiiigur zu bilden und sie als solche allein wirken zu lassen, geboten ist, 
wird das kunstgewerbliche Moment, der häusliche, untergeordnete Dienst, 
nicht unterdrückt. Aber gerade in den beschränkten Grenzen, in deren Bezirk 
diese Kunst eingedämmt wird und 
die sie selten zu überschreiten wagt, 
liegt viel von der Anziehungskraft 
und der Anmut, die sie ausstrahlt. 
Wir sind in der glücklichen 
Lage, rnit der Abbildung eines un- 
veröffentlichten Werkes Andreas, das 
sich mit seinem Gegenstücke in der 
Kirche Santo Stefano zu Belluno 
befindet, den Vergleich zwischen 
Entwurf und Original zu ermöglichen 
(Abb. 12). Der Meister scheint diesen 
Vorwurf häufig dargestellt zu haben 
(Venedig, Frarikirche); denn die Auf- 
schrift auf der einen Zeichnung be- 
weist, daß ein solcher Engel für eine 
Kirche San Giovanni Grisostomo" 
geplant war. Die beigefügte Bemer- 
kung „la testa piü drita (dritta)" läßt 
uns aber erkennen, mit welcher 
Sorgfalt Andrea das zukünftige Aus- 
sehen der Figur schon in der Skizze 
genau vorausbestimmte. Wir ver- 
säumen nicht zu bemerken, wie die 
Konsolen, die den Engeln als Basis dienen, noch gotischen Formen ent- 
sprechen und wie dies an der Holzstatue von Santo Stefano wiederkehrt. 
Die Anpassung an die gotische Struktur dieser Kirche ist einleuchtend, 
ebenso wie der Widersinn, der in der entsetzlichen Form der pseudo- 
gotischen Ampel zutage tritt, deren Kettenring ein kunstfremder Restaurator 
dem Engel in die Hand gab. Die Wirkung der Statue ist eine vortreffliche. 
Der Schwung der Bewegung, die gelungene Bewältigung des Gewandes, 
dessen Falten sich in einem quer über den Schoß laufenden Bande mit zahl- 
reichen Radienstrahlen vereinigen, das Aufflattern der Stoffzipfel, die freie 
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Abb. n. A. Brustolon, Entwurf für eine Engelfigur 
"' Fol. 4, Engel mit Leuchter auf einer schlanken, einem gotischen Dienste ähnlichen Säule; diese sollte 
entfernt werden; „qui va levam" lautet die nebenstehende Notiz. 
N Die bekannte venezianische Kirche scheint hier nicht gemeint zu sein (?).
	        

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