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MAK

Full text : Monatszeitschrift XXII (1919 / Heft 3, 4 und 5)

Lieferungen berichten zu können; glücklicherweise tritt trotz des traurigen Geschickes,

dem der hochbegabte Leiter des ganzen Werkes zum Opfer gefallen ist, keine Unterbrechung

 ein, da Professor Dr. A. Brinckmann in Kärlsruhe die Gesamtredaktion übernommen

 hat. E. W. Braun

UR SIEGELKÜNDEÄ" Im xo. Buch des II. Teiles von „Dichtung und Wahrheit"

erzählt Goethe „mit einiger Behaglichkeit" von seiner jugendlichen Passion, einer

Siegelsammlung, die er „nach dem Staatskalender eingerichtet und wie er bei dieser

Gelegenheit mit sämtlichen Potentaten, größern und geringern Mächten und Gewalten bis

auf den Adel herunter wohl bekannt geworden, und meinem Gedächtniß waren diese heraldischen

 Zeichen gar oft und vorzüglich bei den Krönungsfeierlichkeiten zu statten gekommen".

 Und tatsächlich bietet eine systematische, wissenschaftliche Beschäftigung mit

der älteren Sphragistik Anregung genug und reiche Belehrung. Um so merkwürdiger ist es,

daß gerade auf diesem Gebiet relativ wenig gearbeitet wird. Vielen Historikern, Archivaren

und Kunsthistorikern erscheint die Siegelkunde noch häufig als eine quantite negligeable.

Sicherlich mit Unrecht. Wer von Berufs wegen veranlaßt worden ist, für ein geschlossenes

historisches Gebiet die Siegel sämtlicher Dynasten, des Adels, der Geistlichkeit, der Städte,

Dörfer, Zünfte, Korporationen und Bürger zu sammeln, wie es beispielsweise das Troppauer

Museum für die alten I-Ierzogtümer Troppau, jägerndorf, Teschen und die kleineren im

Gebiete des ehemaligen österreichischen Kronlandes Schlesien gelegenen Herrschaften

begonnen hat, wird mit Erstaunen und Freude der zahllosen interessanten Resultate

gewahr, welche eine beglückende Vertiefung in das geschichtliche und kulturelle Leben

des erforschten Landes ermöglichen. Wir gewinnen so auf diese Weise ein lückenloses Bild

von der Tätigkeit der heimischen Goldschmiede vom XIII. bis zum XIX. Jahrhundert im

Siegelschnitt, denn das Schneiden einer Siegelmatrize, eines Typars, gehörte mit zu den

drei Erfordernissen bei der Meisterwerdung, das reichentwickelte Zunftleben früherer

Epochen wird durch die vielseitigen Siegelbilder und Aufschriften illustriert, die Wappen

der Städte und des eingesessenen Adels geben die wichtigsten historischen und kulturgeschichtlichen

 Aufschlüsse und es gilt dies in nicht kleinerem Maße von den einfacheren

Petschaften mit den Wappen und Hausmarken der Bürger und Bauern. Es gibt fernerhin

zahlreiche Abdrücke von adeligen und bürgerlichen Siegeln, deren Namen keine Urkunde

nennt und deren Existenz nur auf diese Weise bezeugt wurde, sicherlich von großer

Bedeutung für die Kunde der alten deutschen Familiennamen und der Besiedlungsgeschickte.



Ein Buch wie das von Berchemsche, so überaus sorgfältig gearbeitet und mit einer

meisterhaften Sicherheit in der Beherrschung des reichen Stoffes konzipiert, ist deshalb

sehr wertvoll und kann auf das Beste empfohlen werden. Es -ist in erster Linie für

den praktischen Zweck des Sammlers gedacht und erfüllt denselben vollkommen. Wer

dieses Buch mit seiner klugen, praktischen Anordnung gelesen hat, wird sich mit

Erfolg an der Hand der von Berchem mitgeteilten einschlägigen Literatur leicht in die

Sphragistik einarbeiten. Den reichsten und befriedigendsten Genuß wird aber dann eine

möglichst eindringliche und umfassende Spezialisierung auf ein bestimmtes gewähltes,

am besten lokal naheliegendes Gebiet gewähren. Und auch die Wissenschaft selbst wird

dadurch entsprechend gefördert werden. E. W. Braun

KARL AUGUST ARTARIAT. Durch den am 29. März d. j. jäh erfolgten Tod

K. A. Artarias ist das Österreichische Museum eines seiner besten, wohlwollendsten

und werktätigsten Freunde und Mitarbeiter beraubt worden. Schon unter Eitelberger, der

mit dem hochsinnigen Vater des Verstorbenen in lebhaftem Verkehre stand, war das

Museum der altberühmten Kunstfirma nahegetreten. Seither wurden diese Beziehungen

1 Egon Freiherr von Berchern, „SiegeW, „Bibliothek für Kunst- und Antiquirätensammler", Band u,

Berlin m18, Richard Carl Schmidt und C0.
            
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