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MAK

Full text : Monatszeitschrift XXII (1919 / Heft 3, 4 und 5)

förmig gebogen, flach, mit einem erhöhten Längsband. An der höchsten

Stelle der Biegung sitzt, senkrecht gestellt, ein Zapfen von der Breite des

Längsbandes, wie ihn viele Zinnkannen ebenfalls besitzen. Hier dient er als

Träger eines gedrechselten Holzknopfes und ist infolgedessen in seiner unorganischen

 Verbindung mit dem Henkel verständlich; desto störender wirkt

er an dem Henkel der Porzellankanne, wo er in dieser Forrn ganz zwecklos

erscheint. Durch eine leichte Deformation, die in der Abbildung den Eindruck

hervorruft, als ob es sich um ein Art Volute handle, erscheint der Anblick

des Zapfens in der Abbildung nicht einmal so unangebracht wie bei dem

Original selbst.

. Die Masse ist ziemlich weiß, nur der Deckel, dessen Zugehörigkeit nicht

sicher feststeht, hat einen leicht sämischen Ton. Die Glasur ist trotz eines

starken Glasglanzes grießelig und uneben und am Henkel sind einige geronnene

 Stellen.

Die Blumenmalerei in zweierlei Purpurtönen, einem blassen und einem

dunklen, an den dicker aufgetragenen Stellen fast schwärzlich wirkenden,

ist ziemlich roh. Die deutschen Blumen - ein großes Bukett von Tulpe,

Rose, Aster und einem Kugelblumenzweige mit sparsamen Blättern auf der

einen, eine große Wucherblume und Tulpe auf der anderen Seite, außerdem

verstreut kleine Blumenzweiglein _ machen den Eindruck, als ob sie ein

Maler ausgeführt hätte, der gewöhnt war, auf dem saugenden Scherben eines

Fayencegefäßes seine Kunst auszuüben, und lassen die mit flotter Arbeit

verbundene Sorgfalt, wie sie die Muffelmalerei verlangt, gänzlich vermissen.



Wir haben uns nun mit der Frage zu beschäftigen, ob es sich bei

dieser Porzellankanne um ein Erzeugnis der Würzburger Porzellanfabrik

handeln kann oder ob wir über ihre Herkunft eine andere Erklärung zu

suchen haben. Wie ich in meiner schon eingangs erwähnten Arbeit ausgeführt

 habe, steht fest, daß Geiger weiße und rote Kaffeeschalen und anderes

Geschirr hergestellt hat. Über ihre Form ist uns nichts bekannt.

Bei keramischen Erzeugnissen mit dem Rüstzeug stilkritischer Forschung

allein zu arbeiten, ist bekanntlich nicht ungefährlich. Immerhin ist es hier

nicht allzu gewagt, der Meinung Ausdruck zu geben, daß die Form der

Porzellankanne für die Zeit von 1775 bis 1780 reichlich altmodisch erscheint.

Auch die Blumenmalerei kann nicht als ausschlaggebend für die Zeitbestimmung

 herangezogen werden. Im ganzen macht die Kanne den Eindruck,

als ob sie ein Erzeugnis vor der in Frage kommenden Zeit wäre. Wir müssen

doch in Betracht ziehen, daß sich um 1775 in Würzburg die künstlerische

Tätigkeit bereits vollständig in den Bahnen des Louis XVI-Stiles bewegte

und daß gerade damals eine Reihe von tüchtigen Künstlern mit der weiteren

Innenausstattung des fürstbischöflichen Residenzschlosses beschäftigt waren,

daß also um die kritische Zeit für Würzburg und seine Porzellanfabrik keineswegs

 der Gedanke an eine provinzielle Rückständigkeit am Platze ist. Mit

derartigen Arbeiten hätte Geiger sicher keinen Erfolg gehabt und wohl
            
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