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MAK

Full text : Monatszeitschrift XXII (1919 / Heft 1 und 2)

Reichels deuten. Weiter erfahren wir noch, daß im Jahre 1636 der Künstler

für das Spital zum heiligen Geist in Brixen 1000 H. zum Besten der Waisenkinder

 gestiftet habe." Da um diese Zeit die Pest in Tirol wütete, so mag

Reichel seine Stiftung nicht lange überlebt haben. Daß wir aus der letzten

Lebensperiode Reichels so wenig wissen, ist wohl kein Zufall. Es ist die

Zeit des dreißigjährigen Kriegselends. Das erklärt, warum ein so kraftvolles

Talent wie das Reichels brachliegen mußte oder doch nicht zu den seinen

Fähigkeiten angemessenen Leistungen gebraucht werden konnte.

Reichel entstammt einem alten Schongauer Künstlergeschlecht, das

seine hervorragenden Schreiner- und Bilhauerarbeiten weit über die engere

Heimat hinaus bis nach Tirol versandt hat." So wurzelte seine handwerkliche

 Fertigkeit in dem alten kulturgesättigten Boden Schwabens, das den

deutschen Landen so manchen gotischen Bildner geschenkt hatte. Mit den

heimischen Traditionen hat jedoch Hans Reichel vollständig gebrochen.

Italien erst gab seiner Anlage Wesen und Form, doch ist nicht zu vergessen,

 daß er die italienische Kunst aus den Händen eines stammverwandten

 Niederländers empfing. In Bolognas Werkstatt wurde er der handfeste

 Virtuose, der mit Leichtigkeit große dekorative Aufgaben bewältigte.

Neben den andern Bologna-Schülern, insbesondere dem gleichzeitig mit ihm

in Deutschland und Österreich tätigen eleganteren Adrian de Vries, kann

Reichel als einer der ersten deutschen Barockbildhauer mit seiner wuchtigen,

Geschlossenheit, seiner technischen Meisterschaft, wohl bestehen.



ZWEI WANDTEPPICHE AUS DER PÄPST-LICHEN

 MANUFAKTUR ZU SAN MICHELE IN

ROM Sie VON HERMANN V. TRENKWALD-WIEN

ASS der Einiiuß Raffaelscher Kunst auf die Bildwirkerei,

vom kunstgewerblich-dekorativen Standpunkt

aus angesehen, kein günstiger gewesen, darüber

ist man sich heute klarfbh" Die Tendenz nach

bloßer Nachahmung von Gemälden ohne Rücksicht

 auf technische und künstlerische Eigenart

des kunstgewerblichen Sondergebietes hatte

gleichsam ihre autoritative Stütze gefunden.

Kunstgeschichtlich aber wird jede Bildwirkerei,

die direkt oder indirekt auf Raffael zurückgeht,

von Bedeutung sein, insbesondere wenn es sich

um die ausgezeichnete Arbeit einer weniger bekannten Manufaktur handelt.

Das Österreichische Museum konnte 1916 zwei Wandteppiche mit Darf

 Sinnacher, a. a. 0., VIII. Seite 480.

"i Es sollen gelegentlich einige noch erhaltene Werke dieser Vorfahren des Hans Reiche] nachgewiesen

werden.

"f" Vgl. Dreger, bei Besprechung des Kumschschen Werkes über die Wandteppiche mit der Apostelgeschichxe

 in „Kunst und Kunsthandwerk", XVXIX, 1915, Seite 98.
            
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