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Full text: Monatszeitschrift XXII (1919 / Heft 1 und 2)

den Donner ein Jahrzehnt später schuf (Abb. 4). Beide Gestalten haben die 
nämliche Funktion, nämlich das Mittelstück zu rahmen. Beide Gestalten 
haben bis ins letzte Detail die nämliche Stellung: Der Kopf ist leicht geneigt 
und ganz ins Profil gedreht, die linke Schulter ist nach vorne gewendet, 
dieser Wendung folgt der ganze Körper, allmählich in die Facestellung 
übergehend; der Körper balanciert in der rechten Hüfte aus, das rechte Bein 
ist Standbein, das linke Spielbein; die Stellung des Spielbeines ist an beiden 
Figuren frappierend gleich. Das Gewand, welches an beiden Statuen trotz 
der Verschiedenheit des Materials - die Passauer Kanzel ist aus Holz, die 
Preßburger Figuren sind aus Marmor gearbeitet - in recht ähnlicher 
Weise gebildet ist, wird vom Meister hier und dort völlig gleich drapiert; 
es läuft von der linken Schulter aus in langen zügigen Falten nach rechts 
abwärts, kreuzt das vortretende Spielbein am Oberschenkel, das Bein frei- 
lassend, und hüllt sich dann um das Standbein, dasselbe bis unter den Waden 
bedeckend; links des Spielbeins fällt das Gewand in geraden schweren 
Falten herab. E. Tietze-Conrati" hat als Charakteristikum Donnerscher 
Figurenbildung ein Konstruktionsschema sich kreuzender Diagonalen fest- 
gestellt und dies an den Figuren des Aschacher Altars nachgewiesen. Ein 
solches Konstruktionsschema können wir auch an der Passauer und Preß- 
burger Figur 
finden, und 
zwar für beide 
Figuren das 
absolut glei- 
che. Die Fi- 
guren sind mit 
Rumpf und 
Beinen in ein 
schmales 
I-Iochrechteck 
gestellt; Ach- 
selnundgroße 
Zehen markie- 
ren die Ecken. 
Dieses Recht- 
eck wird durch 
ein System von 
Diagonalen 
" "Georg Ra- 
phael Donners Ver- 
hältnis zur italieni- 
schen Kunst" in 
„Kunstgeschichtli- 
ches Jahrbuch der 
Abb. 3. Passau, Domkanzel, weibliche Zentralkommissiontt, Abb. 4. Preßburg. Engel aus der Eleme- 
Figur xgo7, Seite 88. synarius-Kapelle 
 
	        
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