den Donner ein Jahrzehnt später schuf (Abb. 4). Beide Gestalten haben die
nämliche Funktion, nämlich das Mittelstück zu rahmen. Beide Gestalten
haben bis ins letzte Detail die nämliche Stellung: Der Kopf ist leicht geneigt
und ganz ins Profil gedreht, die linke Schulter ist nach vorne gewendet,
dieser Wendung folgt der ganze Körper, allmählich in die Facestellung
übergehend; der Körper balanciert in der rechten Hüfte aus, das rechte Bein
ist Standbein, das linke Spielbein; die Stellung des Spielbeines ist an beiden
Figuren frappierend gleich. Das Gewand, welches an beiden Statuen trotz
der Verschiedenheit des Materials - die Passauer Kanzel ist aus Holz, die
Preßburger Figuren sind aus Marmor gearbeitet - in recht ähnlicher
Weise gebildet ist, wird vom Meister hier und dort völlig gleich drapiert;
es läuft von der linken Schulter aus in langen zügigen Falten nach rechts
abwärts, kreuzt das vortretende Spielbein am Oberschenkel, das Bein frei-
lassend, und hüllt sich dann um das Standbein, dasselbe bis unter den Waden
bedeckend; links des Spielbeins fällt das Gewand in geraden schweren
Falten herab. E. Tietze-Conrati" hat als Charakteristikum Donnerscher
Figurenbildung ein Konstruktionsschema sich kreuzender Diagonalen fest-
gestellt und dies an den Figuren des Aschacher Altars nachgewiesen. Ein
solches Konstruktionsschema können wir auch an der Passauer und Preß-
burger Figur
finden, und
zwar für beide
Figuren das
absolut glei-
che. Die Fi-
guren sind mit
Rumpf und
Beinen in ein
schmales
I-Iochrechteck
gestellt; Ach-
selnundgroße
Zehen markie-
ren die Ecken.
Dieses Recht-
eck wird durch
ein System von
Diagonalen
" "Georg Ra-
phael Donners Ver-
hältnis zur italieni-
schen Kunst" in
„Kunstgeschichtli-
ches Jahrbuch der
Abb. 3. Passau, Domkanzel, weibliche Zentralkommissiontt, Abb. 4. Preßburg. Engel aus der Eleme-
Figur xgo7, Seite 88. synarius-Kapelle