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MAK

Full text : Monatszeitschrift XXIII (1920 / Heft 4, 5 und 6)

sorgfältige Vorarbeit eines Fachmannes, der sich durch lange Zeit mit dem Gegenstande

befaßt hat. Er betont selbst, daß die Altertumsforschung ihm fernerlag und berechtigterweise

 auch knapper behandelt ist, während gewisse andere Gebiete, wie das rheinische

Steinzeug, die deutschen Fayencen kleinerer Fabriken sowie das englische Steingut zu

seinen Spezialgebieten gehören und breiter behandelt sind, was immerhin auch mit dem

allgemeinen Sammlerinteresse der letzten Zeit zusammenfallen dürfte.

Leider betont der Verfasser ausdrücklich den Standpunkt, der von vielen Leitern

von Kunstindustriemuseen geteilt wird, daß die prähistorische und primitive Keramik,

diejenige der Naturvölker und die volkstümliche Keramik unserer Bauembevölkerung

nicht in das Sammelgebiet einzubeziehen wären, welches er behandeln will. Er verweist

diese vom künstlerischen Standpunkt so ungemein wertvollen und anregenden Arbeiten

einerseits in die ethnographischen Sammlungen, wo sie sich ja leider auch heute noch oft

befinden und eine abgesonderte, für die inneren Zusammenhänge der Kunstentwicklung

unfruchtbare Stelle einnehmen; anderseits verweist er sie in die Sammlungen für Volkskunde,

 die erst im Entstehen begriffen sind. Aber gerade hier zeigt sich ja bei jeder

Neuordnung, wie eine solche erst kürzlich in Wien stattfand, die hohe Bedeutung der

volkstümlichen Keramik, die von der einfachen Töpferware bis zur Baukeramik und

Ofengestaltung eine ungemein reiches und lebendiges Material zu geben vermag. Überall

greifen die Entwicklungsreihen sowohl in formaler wie in technischer Hinsicht, sowohl in

farbigem als omamentalem Sinne in die grundlegenden und wesentlichen Gestaltungsgrundsätze

 der Keramik ein und bilden das anregendste, belehrendste Material, das sich

denken läßt.

Auch die prähistorische und die Keramik primitiver Perioden bilden ein unentbehrliches

 Glied in der Entwicklung eines handwerklichen Gebietes, in dem die Grundformen,

die Schmuckmittel, die Arbeitsprozesse und Materialien seit den ältesten Zeiten bis heute

so unverändert erhalten sind.

Wenn auch manche Sammlungen mit Rücksicht auf ihre Entstehungsbedingungen

und Aufgaben noch an die Weiterführung älterer Prinzipien gebunden sind, so gilt dies

nicht für eine literarische Bearbeitung des Gegenstandes in einer Zeit, die der künstlerischen

 Entwicklung der Keramik soviel Spielraum gewährte. Gerade Österreich bietet

glänzende Beispiele für die mannigfaltigsten und reichsten Erscheinungsformen, welche

aus dem Nebeneinander vieler Völkerstämme entsprangen, wo Orient und Okzident sich

berühren, wo der Süden Europas und der germanische Norden einwirkten, wo Slawen,

Magyaren auf römische und keltische Völkerzüge folgten.

Die blühende Entwicklung der modernen Keramik in Wien, bei der älteste und primitive

 Leistungen neben jüngeren volkstümlichen von starkem anregendem Einiiuß waren,

zeigt schlagend die Wichtigkeit dieser Gebiete und läßt es für geboten erscheinen, daß

auch Publikationen wissenschaftlicher Art, die parallel mit der Kunstentwicklung einherschreiten,

 auf diese inneren Zusammenhänge Rücksicht nehmen. Kunstgewerbliche

Sammlungen sind ebenso für weite Kreise, für Sammler und Kunstfremde wie für die

schaffenden Kräfte des Kunstgewerbes die wichtigsten Bildungsstätten, darurn sollten auch

die Veröffentlichungen über die Entwicklungsgeschichte nicht nur einen traditionellen

wissenschaftlichen, sondern auch einen modernen kunstfreundlichen Standpunkt einnehmen.

 Dies wird hier besonders hervorgehoben, weil das schöne Buch Hannovers

gerade durch seine Aktualität und Nützlichkeit eine Lücke ausfüllt und weil in diesem

Buche trotz der theoretischen Verwahrung des Verfassers im Abbildungsmaterial und

Text ja doch als unvermeidliche Folge der künstlerischen Auslese so vielerlei volkstümliche

Arbeiten aufgenommen werden mußten.

Sehr bedauerlich erscheint dem warmen Freund österreichischer Leistungsfähigkeit

die geringe Beachtung unserer heimischen Arbeit in jenem Buche. Eine keramische Karte,

die es enthält, führt neben vielen kleinen deutschen Arbeitsstätten für Österreich nur das

eine Holitsch an und auch der Text läßt nur Habauer Ware gelten, obwohl aus dem
            
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