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MAK

Full text : Monatszeitschrift XXIII (1920 / Heft 7, 8, 9 und 10)

Fischer, ist doch immer am glücklichsten in der Wiedergabe der Eindrücke, wo es sich

um malerische Probleme handelt, welche die Erscheinungswelt bietet.

Der Aufbau großer Figurenbilder, welche aus den einzelnen Ausschnitten der Natur

ihre Wirkung holen, behält den Mangel der Einheit. Sie wirken um so mehr zusammengesetzt,

 je besser manches Detail gelungen sein mag.

Der starke Impuls, der „ein Stück Natur durch ein Temperament" erfallt, bleibt den

Naturstudien selbst gewahrt, den großen Szenen aber nicht.

Eine Unternehmung von erfreulichern Umfang bildet die Abteilung, welche der Baukunst

 gewidmet ist. In einem Augenblick, wo die Ungunst der Zeiten die praktische

Betätigung des Architekten auf lange Zeit hinaus aufhebt und ihn zu Studien, Entwürfen und

Vorarbeiten führt, von denen nur ein geringer Teil zum Leben erweckt werden kann, ist

es von Bedeutung, daß auf die besondere Arbeitsweise und Leistungsfähigkeit unserer Baukünstler

 das Augenmerk gelenkt werde, damit erkannt werden möge, wieviel Energie und

Begabung durch die Lahmlegung verhindert wird, im allgemeinen und öffentlichen Interesse

tätig zu sein. Die Bedeutung der Studien und Entwürfe für die Entwicklung der Baukunst

ist den meisten Freunden der Kunst fast unbekannt; denn so häufig dem Maler, Graphiker

oder auch dem Bildhauer Gelegenheit geboten ist, seine Niederschriften und Ideenkonzepte

bis zur üüchtigsten Strichzeichnung vorzuführen, so selten geschieht dies für den Architekten.

 Und doch ist gerade für ihn der Weg von der ersten Idee bis zum vollendeten

Werk ein besonders langer; und gerade in der Durchbildung eines Baues von Bedeutung

liegt besonders viel wertvolle Detailarbeit von künstlerischem Reiz, die in den Mappen und

Schränken der Ateliers verborgen bleibt und doch so anregend und nutzbringend wirken

könnte, wenn sie ans Licht der Öffentlichkeit gebracht würde. Es ist leider ein Zeichen

der Zeit, daß das Interesse an den Werken und dem Wirken der Baukünstler so gering

geworden ist, obwohl die große allgemeine Umwertung der Begriffe, Betätigungen, Ziele

ihren vornehmsten Ausdruck stets in der Baukunst fand und jetzt auch findet. Die

Wirkung der Bauwerke an ihrem Bestimmungsort ist naturgemäß das Ziel baukünstlerischer

 Betätigung; die Urteilsfähigkeit der Beurteiler hängt aber wesentlich von dem

Verständnis für das Wesen der Baukunst und ihrer Ziele ab und kann nur durch Eindringen

in die Grundlagen der Arbeitsweise, in die Bedingungen der Aufgaben und Örtlichkeiten

und in die Möglichkeiten ihrer Lösung und Beherrschung gewonnen werden.

Daß so viele Bauabsichten mißlingen und scheitern, liegt oft an dem Umstande, daß

diejenigen, welche eine Bauaufgabe zu stellen haben, so unvorbereitet an das Problem

herantreten. Es ist heute leider sehr häufig der Fall, daß Wohnhausbauten begonnen

werden, ohne daß die grundlegende Wohnsitte oder das Wesentliche des Wohnbedürfnisses

 feststeht. Es ist aber auch nicht minder selten, daß große Bauwerke für öffentliche

Zwecke ohne ausreichende Vorbereitung begonnen werden, weil den maßgebenden Personen

 der Korporationen, Organisationen, Behörden die Kenntnis der wesentlichen Zweckforderungen

 und Ausführungsmöglichkeiten gänzlich fehlt. Die bauliche Entwicklung

Wiens hat gerade in dieser Hinsicht leider so viele abschreckende Beispiele aufzuweisen.

Als ein wertvoller Versuch, auiklärend zu wirken, soll diese Architekturausstellung

begrüßt werden. Der kurzen Vorbereitungszeit und den schwierigen Arbeitsverhältnissen

ist es zuzuschreiben, daß das Bild nur ein in gewissem Sinne zufälliges genannt werden

kann, dennoch ist es ein mannigfaltiges geworden. Es sind öffentliche wie private, kirchliche

wie profane, Luxus- sowie Zweckbauten vertreten, die einen frischen Zug nach neuzeitlicher,

 logisch befriedigender und doch formal gestaltungsfroher Arbeit aufweisen. Jene

zwiespältigen Strebungen, einerseits die stark betonte Zweckmäßigkeit und Sachlichkeit

in Konstruktion und Formgebung hervortreten zu lassen, anderseits eine weichere und

empiindungswärmere Anlehnung an historisch Gewordenes zu begünstigen, das dem

heimatlichen Boden entsprungen ist, diese beiden früher einander schroff bekämpfenden

Richtungen sind heute nicht mehr die ausschlaggebenden, unversöhnlichen Gegnerschaften.

 Eine neue Generation wächst heran, der Sachlichkeit und gesunde Klarheit ebenso
            
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