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MAK

Full text : Monatszeitschrift XXIII (1920 / Heft 11 und 12)


Abb. g. Holzkrippe von Hitzl, Anfang des XIX. Jahrhunderts

zum Schein ein Bretterdach angehängt ist, an dem eine Säule fehlt - kaum

bemerkbar- und Ruinenstücke den Verfall andeuten sollen. An den Wänden

und auf der Höhe schweben Wolken und Engel im Triumph. Über den

Berg führt der Blick weit zurück in eine morgenländische Palmenlandschaft.

Wie rechts der Fels, so vermittelt links die große Palme den Übergang. Die

Formen der gemalten Landschaft sind naturalistisch im Sinne des XIX.]ahrhunderts,

 die Auffassung gehört der Romantik an. Die Verbindung so verschiedener

 Bestandteile ist höchst phantasievoll gestaltet. Die Barocklandschaften

 sind mehr Phantasien als Erinnerungsbilder. Nun wird man

historisch, zeichnet die Gegend getreuer nach der Wirklichkeit, baut davor

Felsen und Schluchten mit hohen Brücken aus der heimatlichen Bergwelt

und setzt mitten hinein einen rauschenden Barockaltar. Zugleich ist diese

Landschaft ein Bild der frühen Romantik.

Die Krippe von 1850 (Abb. 10) zeigt eine idealisierte Naturlandschaft

im Sinne der religiösen Malerei des vergangenen ]ahrhunderts. Das Motiv

hat sich ein wenig geändert. Die Verbindung von wirklicher und gemalter

Landschaft ist geblieben; aber der Krippenberg ist anders gebaut: die vortretenden

 Flügel, die einen Hof einschlossen, sind weggefallen, vielmehr ein

Teil des Ganzen geworden. Der Berg erstreckt sich nur nach einer Richtung,

gleichlaufend mit der Bildebene, und die Figuren bewegen sich in der Landschaft

 selbst. Die Bühne ist - wie die Seiteniiügel - in den ganzen Raum

miteinbezogen. Denn es entspricht nicht der Naturauffassung des XIXJahrhunderts,

 bloß einen Hintergrundsrahmen für die Figuren zu bilden, sondern

sie wollte die enge Verbindung von Menschen und Landschaften herstellen,

die Figuren als einen Teil der Natur auffassen. Die Natur ist vereinfacht,

einzelne Erinnerungsbilder sind zu einem neuen Naturbild zusammengestellt.

Die Anordnung ist dreiteilig, der mittlere Teil als Hauptstück betont. Die
            
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