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Full text: Monatszeitschrift XXIV (1921 / Heft 1, 2, 3 und 4)

Nordfriesblock (Fig. 7) ist längst als solches Zwischenglied bekannt; aber auch 
Südfries I enthält klar erkennbare Vorbereitungsstadien: da ist vor allem der 
ruhig aufrecht stehende Ordner an erster Stelle zu bemerken, dann der erste 
Reiter, ruhig sitzend auf seinem, soweit die erhaltenen Reste und Stuarts Zeich- 
nung es noch erkennen lassen, ruhig auf allen vier Füßen stehenden Pferde. 
Nun aber folgt ein Reiter (Fig. 8), dessen Mäntelchen, wie von einem heftigen 
Luftzuge bewegt, in der Höhe des Pferdekopfes flattert. Nach allem, was wir 
vomWestfries her wissen, kann es sich nur um einen Reiter handeln, der sich 
eben energisch mit seinem Pferde in Bewegung setzt, oder, noch wahrschein- 
licher, gerade erst auf seinen Rücken aufspringt, was ohne Steigbügel immer 
in schwungvoller Weise ausgeführt worden sein mag von jugendlich elasti- 
schen Reitern, wie sie unser Festzug immer zeigt. So sind diese beiden Blöcke 
wie Schamiergelenke eingefügt in den Aufbau der ganzen Frieskomposition! 
Das erinnert uns deutlich an die Art, wie bei den Parthenon-Südmetopen 
die beiden Außengruppen an ihren von ihnen untrennbaren inneren Kern 
angeschlossen sind: dort sind die Metopen XII und XXII unverkennbar 
absichtlich als solche Schamiergelenke durchgebildet. Niemand wird sich 
hier der Einsicht verschließen wollen, daß in beiden Teilen das gleiche 
Kompositionsprinzip waltete, die gleiche Art, derselbe Künstler auf seine 
Weise schöpferisch tätig war und allen Teilen seines Werkes eben unleugbar 
den Stempel seiner Persönlichkeit aufdrückte. 
Auch die beiden Langseiten, auf die wir so aus der „Introduktion" des 
Westfrieses leicht herübergeleitet wurden, lassen in allem oft tumultuarischen 
Vorwärtsdrängen nach der Ostseite hin deutlich die bändigende Hand des 
großen Bildhauers fühlen, der allein alles beaufsichtigte, was nach seiner voll- 
kommenen Idee da ausgeführt wurde. Zunächst kommen - gut drei Viertel 
jeder Langseite füllend - die weiteren Reiter und die je 10 Viergespanne 
mit den in schier unerschöpflicher Abwechslung geschmack- und prachtvoll 
geschilderten Rossen das echte griechische Original für das römische: 
„quadrupedante putrem sonitu quatit ungula campum"! 
Im Norden bis einschließlich Block XXXVII, im Süden fast genau eben- 
soweit bis in die Mitte des XXXVI. Blockes. Das war entschieden Absicht, 
sollte bei aller notwendigen Unterteilung und rhythmischen Gliederung 
hauptsächlich das Tempo des Festzuges heiter hinströmen lassen. Und wie 
waren diese vielen Blöcke im Norden und Süden unter Reiter und Wagen 
verteilt? Michaelis hat es 1885 klar dargelegt, unser „Plan" läßt es leicht 
abmessend überschauen: im Norden folgen auf 20 Blöcke mit Reitern, I7 mit 
Viergespannen, im Süden erst auf 26 nur 10' 1,! Wodurch wurde dieser Unter- 
schied verursacht? Man dachte einst" wirklich, mehr antiquarisch, an eine 
inhaltliche Differenz zwischen beiden Seiten. Das läßt sich nicht zwingend 
erweisen. Wenn man die I-Iaarbehandlung an Reitern, wie Südfries 33 bis 36, 
betrachtet - 33 mit längerem Haar, 34 ein kurzgeschnittener Krauskopf, 
35 bekränzt, 36 wieder länger gewelltes Haar -, so paßt das kaum zu 
4' Siehe auch noch „Der Parthenon", Seite 215 f.; aber schon Petersen „Kunst des Pheidias" (1873), Seite 195.
	        

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