MAK

Full text: Monatszeitschrift XXIV (1921 / Heft 1, 2, 3 und 4)

günsügte auch 
hier das glück- 
liche Ausreifen 
eines Gedan- 
kens, wie er in 
ähnlicher Voll- 
endung sich an 
keinem gro- 
ßenTempelbau 
nachweisenläßt. 
Die West- 
seite zeigt in ein- 
fach abwech- 
selndem Sche- 
ma durchaus nach Süden, rechtshin bewegt, x4Amazonomachiedarstellungen. 
Wie wunderbar die Kentaurensage von Phidias in allen 32 Metopen der 
Südseite behandelt wurde, haben wir schon früher gesehen; hier sei nur, was 
heute besonders in Betracht kommt, daran erinnert, daß trotz aller zentralisti- 
schen Durchführung der Gesamtkomposition dieser Seite ein deutliches 
Überwiegen der Richtung nach Osten hin erwiesen werden konnte; die letzten 
sechs Metopen bilden mit ihren rechtshin sprengenden Kentauren eine klar 
zu- empiindende Parallele zu den sieben letzten Blöcken des Südfrieses mit der 
mächtig nach Osten drängenden Rinderschar. Nun sollte, wie man wohl bereits 
fühlt, folgerichtig in kunstreicher Umkehrung des Innenfrieses, die Nordseite 
betrachtet werden; bei ihrem Erhaltungszustand muß sie aber zunächst über- 
gangen werden, um erst alle ganz zum Vergleich sich darbietenden Glieder 
des Außenfrieses zu Ende zu besprechen. Da zeigt sich nun, daß die 
14 Gigantomachiemetopen der Ostseite ganz in der Art des Phidias zentral 
durchkomponiert sind, von Süden, und Norden her die Gespanne als das 
augenfälligste schieflinige Glied der Linienführung gegen die Mitte bewegt 
sind, formal exzentrisch das Flügelgespann der siebenten Metope knapp der 
Mittellinie ohne unmittelbares Gegengewicht ausweicht, inhaltlich dieser 
Streitwagen mit seinem Inhaber Zeus auf der achten Metope den Mittelpunkt 
des Ganzen fest umschließt. 
Das entspricht alles ganz dem Prinzip des Cellafrieses und nötigt logischer- 
weise nun auch für die Nordseite anzunehmen, daß ihre „Kampfdarstellungen", 
im weitesten, größten Sinne, mögen sie episodenhaft in Einzelgruppen auf- 
gelöst eine Sage geschildert haben, bei streng in sich abgeschlossener Kom- 
position der einzelnen Glieder, die Abschnitte der Dichtung von Westen nach 
Osten, von rechts nach links, wie der Cellanordfries entwickelten. Wenn also 
wirklich die Kämpfe um Helena das menschlich tief ergreifende Thema der 
Nordseite bildeten, dann weist die Vermutung," daß auf den drei westlichsten 
" Schrader in jahreshefte XIV (xgu), Seite 56 f. 
 
Fig. 7. westlichste: Block des Nordfrieses, nach „The P." pl. 6c
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.