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MAK

Full text : Monatszeitschrift XXIV (1921 / Heft 1, 2, 3 und 4)

nicht mehr erschüttern, das sorgenvolle Gebilde der Sphinx über ihrem

I-Iaupte ihr nichts weiter anhaben; sie hat die Siegesgöttin als deutlichen

Ausdruck ihrer inneren Gemütsstimmung ruhig schwebend auf ihrer gesenkt

vorgestreckten Rechten; ihre Linke ruht gesenkt auf dem Rande des Schildes.

Diese Haltung beider Arme läßt nicht nur die unübertreffliche Geschlossenheit

der formalen Außenlinie der Parthenos entstehen, er verleiht ihrem Wesen

bei aller ihr einverleibten Kraft jene milde bezwingende Macht, die förmlich

suggestiv den vollkommenen Frieden auf den empfänglichen Beschauer

überströmen läßt; es berührt uns unmittelbar wie der pulsierende Rhythmus

der idealen Vollkommenheit. Worte sind nicht imstande, diesen Eindruck zu

fassen; mit Staunen hat man das durchgeistigteste Ideal in vollkommenster

Körperlichkeit vor Augen. - Und diese hohe, logisch zwingend begründete

Freude innerlichsten Friedens mag nun der Cellafries mit seinem Hymnus

an die Freude feiern, wie mit einem unendlichen Dankgesang.

So hat sich die künstlerische Persönlichkeit des Phidias zu erhabenster

Größe vor unserem Geiste erhoben, wie nur je die eines alles in seine Werke

einschließenden Dichters und Denkers. Über allen Raum und alle Zeit

hinweg reicht er uns freundlich seine mächtige Hand, daß wir sie dankesfroh

ergreifen mögen, um immerfort aus dieser vermittelnden Berührung des

heimatlichen Bodens aller wahrhaft menschlichen Kultur stets neuen Lebensmut

 zu schöpfen.

PROBLEME DER ORIENTALISCHEN TEPPICH-GESCHICHTE

 so- VON RUDOLF BERLINER-MUNCHEN

 so- 7



INE wirkliche Geschichte desorientalischen Teppichs

würde sich vor die Lösung folgender zentraler

Probleme gestellt sehen: 1. vor das entwicklungsgeschichtliche

 des Wann und Wo des Werdens,

der Grundlagen, der Ausbreitung, der Ausstrahlung

usw.; 2. vor die technologischen und formalen;

3.vor die systematisch-ornamentalen mit Einschluß

der ethnologischen, endlich 4. vor die kunstkennerlichen

 Probleme, also vor all die Fragen, die mit

der zeitlichen und örtlichen Einordnung des Einzelstückes

 zusammenhängen. In Angriff genommen sind bisher nur Teile dieses

gewaltigen Fragenkomplexes, und es wird weiterer intensivster Kleinarbeit

bedürfen, bis der Hoffnung auf Erkenntnis der Entwicklung Erfüllung winkt.

Ich beschränke hier meine Untersuchungen auf einige wenige Punkte, deren

Erhellung mir besonders wichtig erscheint, da sie sich nicht isoliert betrachten

lassen wollen, sondern immer die Beachtung des Gesamtproblems fordern.
            
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