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MAK

Full text : Monatszeitschrift XXIV (1921 / Heft 1, 2, 3 und 4)

Figur kehrt den Folgenden den Rücken zu, bildet also kompositionell den

klaren Abschluß der Gruppe. Nun empfindet man die erste Figur dieser

Gruppe, zugleich die erste des West- und überhaupt des ganzen Cellafrieses,

als wunderbar für diesen Ort- und Zeitpunkt durchgebildet: der Jüngling

scheint sich, indem er den Mantel auf dem erhoben ausgestreckten linken

Arm zurecht legt, noch zu dehnen, zu recken, wie um die letzten Reste des

Schlafes aus seinem Körper zu verdrängen - Morgenstimmung! Dann die

beiden ruhig stehenden Pferde; sie entsprechen den beiden auch nahezu

ruhig dargestellten am Ende dieser Gruppe. Und nun in der Mitte der

fast streng symmetrischen Komposition die beiden sich bäumenden Tiere!

Welcher formal kunstreiche, prachtvoll wirkende Kontrast! Nur angesichts

der Originale mit ihrer ursprünglichen Bemalung, mit allen Metallzusätzen

konnte einstmals diese kraftvolle Schöpfung recht gewürdigt werden: der

Künstler wollte hier sichtlich Bedeutsames so klar als möglich in seiner

Sprache stumm zum Ausdruck bringen; nicht nur formalen Kontrast, nicht

nur inhaltlich Neues, indem er die Unruhe zeigt, die vielleicht beim Versuch

des Besteigens der Pferde entstanden war; er wollte vielleicht auch in dem

einzigen, entgegen der Richtung des ganzen Frieses sich aufbäumenden, unbändigen

 Pferde mehr sagen -, worauf noch zurückgekommen werden wird.

Man hat auch gemeint," daß durch diese markante Pferdel-igur die

Richtung des Cellafrieses an der Südseite, von links nach rechts, angedeutet

werden solle; das scheint mir nicht zuzutreffen, wie sich sofort ergeben wird,

wenn wir etwas länger bei dieser interessanten Pferdegruppe allein verweilen.

Auch Michaelis bespricht 1871 die einzelnen „Platten" des Westfrieses

noch entgegen dem Sinne der Komposition von Norden nach Süden, von

links nach rechts fortschreitend?" dadurch wurde auch er genötigt, dem

Gedankengang widersprechende Wendungen zu gebrauchen, wie bei „III"

„hier stocken die Zurüstungen", bei „XII" „mit Platte XII beginnen Szenen

der Vorbereitung, welche durch keine fertig gerüsteten Reiter mehr unterbrochen

 werden", und gar - wirklich auch „contraire a l'ordre logique" k

bei „XV" „hier beginnt der Stillstand!" So gelangt er, entgegen dem Wollen

des schaffenden Künstlers von Norden her zu dem sich bäumenden, unbändigen

 Pferd, und konnte schreiben: „die ganze Platte ist nicht nur für die

Verbindung der Gruppen dieser Friesseite interessant, sondern auch deshalb

bedeutsam, weil hier die erste Andeutung jener rechtsläufigen Bewegung

auftritt, welche sich im ganzen Südfries fortsetzt." Gewiß, die Figur dieses

Pferdes ist „bedeutsam": sie bildet mit dem sich ebenfalls bäumenden vierten

Pferd eine streng symmetrische, geradezu wappenartig komponierte Gruppe,

die sich trefflich für die Mitte dieser ersten neun Figuren eignete - sich

trefflich für die Mitte des ganzen Westfrieses geeignet hätte, wenn dergleichen

im Plane des großen Künstlers gelegen gewesen wäre. Wie leicht wäre es

gewesen, von einer solchen Mittelgruppe aus, die nördliche Hälfte des West-)"

 „Der Panhenon", Seite 232.

1" „Der Panhenon", Seitezzg H.
            
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