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Full text: Monatszeitschrift XXIV (1921 / Heft 1, 2, 3 und 4)

Festzugsgedankens: dreißig, die letzte Figur links, schon in voller förmlich 
paradierender Sammlung, eins erst im Begriffe sich zu sammeln, noch ganz 
Morgen. 
Und wie herrlich ist das Ganze dreigeteilt; eine untrennbare Dreieinig- 
keit! Phidiasisch, wie sich uns die Südmetopenreihe erwiesz" dreißig Figuren 
waren auf drei Gruppen zu verteilen! Das geschah nun nicht nach trockenem, 
symmetrischen Schema 3 X 10, oder I 1 + 8 + I I, 9 + I2 + 9, oder dergleichen, 
auch nicht n + IO-I-Q, wie es nach der bisher üblichen Betrachtungsweise 
widersinnig erscheinen würde, sondern, voll befriedigend, glücklich vorwärts- 
schreitend im Sinne des hohen Meisters: 9+ 10 + u! 
Auf diese Gesamtkomposition des Westfrieses wird noch zurückgewiesen 
werden; nur ein Detail dieser Seite sei hier besonders hervorgehoben, weil 
es, soviel ich sehe, bisher fast unbeobachtet blieb und doch kunsthistorisch 
für die Stellung der Parthenonskulpturen in der ganzen Entwicklung der 
griechischen Kunst und zueinander, Friese, Giebel und Parthenos, wichtig 
ist. Der Reiter 23 (Fig. 5 rechts), nach der bisherigen Zählung 8, hat einen 
auffallend verzeichneten Oberkörper: dieser erscheint bis zur Mitte der 
Brust ganz richtig im Profil von links gesehen, dann aber schiebt sich die 
rechte Hälfte der Brust und die rechte Schulter ganz unnatürlich vor, was 
auch durch die Armhaltung nicht ausreichend begründet würde; das ist ein- 
fach ein Rest von „rudis antiquitas", der sich ähnlich noch bei einem der 
Reiter des Nordfrieses" und beim Poseidon des Ostfrieses Endet, der an den 
Atlas der Olympiametope erinnert. Nur „Carrey", Dalton und Lüders haben 
bisher, soweit ich das hier feststellen kann, darauf hingewiesen: Lüders 
schreibt in der „Archäologischen Zeitung" (XXX, 1873), Seite 32, über „die 
verzeichnete Figur des Reiters" und kann damit wohl nur diesen einzig und 
allein aus der damals eben noch nachwirkenden Tradition erklärbaren „Stil" 
meinen; „Carrey" hat diesen „Fehler" einfach „verbessert"; ebenso Dalton;""'"' 
er ist, wie manches andere - die starke en face Zeichnung mancher Augen, 
der Zopf des einen der Männer des Nordfriesesi- - nur ein beredtes Zeugnis 
für das Alter auch dieses Teiles aller Parthenonskulpturen. Daß Cellafries und 
Giebel zusammengehören, wurde schon oft erkannt; aber alle Skulpturen 
lassen sich eben in einem so engen Zeitraum entstanden verstehen, daß sie nur 
einen Teil des Lebenswerkes eines großen Künstlers ausfüllen können, nicht 
auf verschiedene Schulen, geschweige denn Künstlergenerationen verteilt 
zu werden brauchen. Am Faust wurde an 60 Jahre gearbeitet; die „Neunte" 
beschäftigte Beethovens Geist durch seine ganze reife Lebenszeit! 
„So viel aber steht ganz fest: mögen auch noch so viele Hände daran 
gearbeitet haben, erfunden hat diese Komposition nur ein einziger, so reich 
und wunderbar gleichmäßig strömt der Fluß der Erfindung, so prachtvoll 
i" Jahrbuch des deutschen archäologischen Institutes XXXII (1917). 
" „The P." pl. 57, Nr. 1x5. 
f" Seine auf den Parthenon bezüglichen Blätter sind außer dem „vergessenen Panhenonbild" und der 
„Wesrfassadeß wie ich jetzt neuerdings feststellte. für die Wissenschaft wirklich nahezu wertlos. 
"i" „The P." pl. 44, Nr. 4x.
	        

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