Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatszeitschrift XXIV (1921 / Heft 5 und 6)

120

in Frankreich bemerkt, daß es sich empfiehlt, die Antike zu studieren; wäre

ihre Einstellung zur Antike nicht von vornherein eine eigene gewesen, wären

ihre Arbeiten nicht so ausgefallen: so ganz anders gerichtet als die französischen.

 Auch für die Zeit um 1400 wird man immer vorsichtiger werden

mit Beziehungssetzungen. Für die Plastik ist bereits gezeigt worden - von

Ernst --, daß es nicht zum Ziele führt, immer dem

„Bedürfnis nach Zusammenhang mit möglichst

klangvollen Namen" nachzugebenf

Unsere beiden Figuren haben etwas an sich,

was noch von einer andern Seite auf diese Gedanken

 bringt. Bei beiden ist das Untergewand

zu sehen. (Bei Eins etwas mehr und ähnlich wie

öfters im Braunschweiger Skizzenbuch; bei Zwei

weniger, der Mantelsaum ist hier so beiseitegeschoben

 wie bei der Krumauer und bei der

Wittingauer Madonna; übrigens kein seltenes

Motiv.) Das Untergewand ist nun nicht glatt

gelassen, es liegt in wagrechten Spannfalten.

Das erinnert daran, wie im vierten Fünftel des

XIV. Jahrhunderts der Stoff auf dem Oberkörper

gestrafft wurde; der Körper drängte stärker vor

und brachte das Tuch in Spannung, und das Tuch

wurde mit starkem sinnlichem Empfinden für

Eigenheiten verschiedenen Materialcharakters

behandelt. Besonders einige Gruppen mitteldeutscher

 Arbeiten waren stark darin, das wurde

an Bischofskaseln gemacht, an Umhangtüchern,

Mänteln, und auch bei Frauen mit enganliegendem

 Unterkleid; Erfurter Arbeiten haben es ganz

ähnlich, aber noch stärker wie die Freisingerfiguren:

 einige Frauen am Severisarkophag, die

Pietä im städtischen Museum vom gleichen

Meister und die Frauen auf den Kreuzigungsreliefs

im Museum und an der Andreaskirche." - Das

war nicht auf mitteldeutscheDenkmäler beschränkt.

Vor allem war es sachlich nichts Vereinzeltes

oder Sekundäres, sondern es war die Äußerung eines damals neueinsetzenden

Empiindens für modelltreue Darstellung. Eine zusammenhängende Auseinandersetzung

 könnte zeigen, daß sich damals in der deutschen Plastik ganz

dasselbe zutrug wie in der französischen (wenigstens in der Gewandung);

grundsätzlich dasselbe, aber in anderer und sicher unabhängiger Äußerung.

i" i wie Rudolf Kautzsch das genannt hat in seinen „Einleitenden Erörterungen", die damals, vor

27 Iahren, bahnbrechend waren (es sind aber nicht viele auf der Bahn weitergegangen) und noch heute höchst

lesenswert sind.

"i Overmanmkunstdenkmäler der Stadt Erfurt, Seit: 395, 44, 37, und Greinert, Erfurter Steinplastik, 18, 29.

Statue Zwei
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.