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MAK

Full text : Monatszeitschrift XXIV (1921 / Heft 5 und 6)

CHÜLAUSSTELLÜNG CIZEK. Unter den Schulausstellungen von Arbeiten

der Kunstgewerbeschüler in Wien üel eine Gruppe von graphischen und plastischen

Arbeiten besonders auf. Sie wirkte wie eine Illustration zu den ernsten Worten, welche von

berufener Seite zur Kennzeichnung der kubistischen und expressionistischen Bewegung

wiederholt in letzter Zeit veröffentlicht wurden. Die ursprünglich zu hoch gespannten Er-Wartungen

 sind überwunden. Die neuen Wirkungsmittel koloristischer und optischer Art,

welche der großen Kunst nicht warmes Blut zuführen konnten, sind dem Ornament, der

Illustration ein wertvoller Apparat geworden. Professor Ciiek hat es verstanden, auf dem

Boden der Flächenkunst und der Graphik die wertvollen Ergebnisse zu nützen. Plastische

Versuche, in bescheidenem Umfang geübt, ergänzen diese sehr interessanten Bestrebungen.

Seelenvorgänge, Emotionen, denen mit unseren bisherigen Ausdrucksmitteln nicht näher

zu kommen war, können durch weitergehende Ausschaltung naturalistischer Anlehnungen,

durch feine Beobachtung geometrischer Gesetzmäßigkeit, optischer Licht- und Farbenwirkungen,

 einen merkwürdig fesselnden Ausdruck erhalten. Besonders ist es das Motorische,

 die Bewegungserscheinung, welche im Flimmern und Schillern farbiger Kombinationen,

 im Strahlen und Schießen linearer Systeme mitwirkt. Hier gelangt das Triebhafte,

die Spannung und ihre Auflösung oft zur überraschenden Wirkung. Andere Gebiete von

Natur-Vorgängen als sie bisher für Farbe und Form der Darstellungskunst zugänglich

waren, sind neu geöffnet worden. Daß sich eine kleine Gemeinde um den stets neuen

Anregungen zugänglichen, stets neue Wege erschließenden Lehrer sammelte und so bald

tüchtige Arbeiten von überraschender Mannigfaltigkeit zeigen konnte, beweist die Lebenskraft

 seiner Lehren und die Zahl vorhandener Talente.

Es ist interessant festzustellen, daß das Ergebnis auch seinen Weg in das Gewerbe

fand, daß viele Entwürfe für textile Zwecke, für Tapeten und andere dekorative Aufgaben

von Industriellen erworben wurden. Man darf diese Tatsache nicht unterschätzen. Wir

sind heute so weit von den Zeiten großer Kunst entfernt, daß uns jeder Gewinn erfreuen

muß, der den uns erreichbaren Kunstgebieten zuiließt. Wie sehr das Ornament, der Flächenschmuck

 einfiußreich auf das Kunstempfinden einer Generation zu werden vermag, das

hat die letzte kunstgewerbliche Bewegung gezeigt.

Wenn heute auf demselben Boden neue Blumen sprießen, sind sie hoch willkommen.

USSTELLUNG KRAMPOLEK. Die graphische Kunstanstalt A. Krampolek

hat anläßlich ihres 25 jährigen Bestandes in den Ausstellungsräumen des Österreichischen

 Museums einen Überblick über ihre Entwicklung und eine reiche Auswahl ihrer

jüngsten Leistungen geboten. Sie hat die photochemischen Resultate auf dem Gebiete der

graphischen Reproduktionstechniken mit so großer Vollkommenheit verwertet, daß die

Arbeiten dieser Anstalt weit über die Grenzen Österreichs Ansehen und Ruf genießen.

Man kann dies insbesondere aus den zahlreichen Publikationen erkennen, welche sich

mit Farbentafeln schmücken. Die ausgezeichnete Präzision und Richtigkeit der Wiedergabe

 auch sehr komplizierter farbiger Originale, wie sie etwa Teppiche oder Gobelins und

Stickereien bieten, macht den mit vier Farbenplatten hergestellten Druck zu einer ungemein

wertvollen Unterstützung wissenschaftlicher Publikationen und zu einer sehr wirkungsvollen

 Beigabe zu illustrierten Büchern jeder Art. Auch der Wiedergabe von Bildern zum

Zwecke des Wandschmuckes kommt die vollendete Technik der Firma sehr zu statten.

Die Wände des Vortragsaales waren geziert mit Wiederholungen bekannter Werke, unter

denen insbesondere jene, die der Größe des Orig-inales nahe kamen, oder sie erreichten,

einen ansehnlichen Wert als Bildungsmittel und als Wandschmuck besitzen.

Daß man heute Aquarelle, Ölbilder, Pastelle so getreu wiedergeben kann, bildet einen

Erfolg der technischen Hilfsmittel und der geschmackvollen Einfühlung in künstlerische

Absichten. Die vortrefflich geleitete Anstalt trägt so zur Verbreitung österreichischer Kunst

im Ausland wesentlich bei, denn die Kunstbeilagen der großen Zeitschriften, die Bildbeigaben

 kostbarer Bücher tragen den guten Ruf österreichischer Arbeit in die weite Welt."
            
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