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MAK

Full text : Monatszeitschrift XXIV (1921 / Heft 7, 8, 9 und 10)

1.1

Wir können das Dürersche Blatt also geradezu als Baudokument ansehenfi

Auf keinen Fall können wir uns aber vorstellen, daß all die, oft überraschend

 genauen Übereinstimmungen der Dürerschen Blätter mit dem Bilde,

das wir uns nach den -alten Urkunden und Plänen von der Innsbrucker Burg

machen müssen, nur Zufall sein und auch bei irgendeinem anderen Gebäude

zutreffen könnten."

Im übrigen wird es vorteilhaft sein, wenn wir hier gleich die Darstellung

des Bergwerksbuches vom Jahre 1556 zum Vergleiche heranziehen. Wir

bieten den für uns wichtigsten Teil hier als Abbildung 22. Es ist sofort

kenntlich, daß die Darstellung hier von einem mehr östlichen Standpunkte

aufgenommen ist, als Dürer ihn innehatte; dadurch geht die Wiedergabe der

Nordseite der Stadt hier mehr ins Breite und kann manches zeigen, was bei

Dürer vielleicht schon infolge der starken Verkürzung verloren gehen mußte.

Nach Schönherfh" ginge die Zeichnung auf eine ältere Aufnahme zurück,

da die nordwestliche Seite der Stadt, beim späteren Ursulinengraben, noch

nicht verbaut erscheine; anderseits könne die Vorlage nicht vor das Jahr 1 5 36

zurückreichen, da bereits die vorher nicht vorhandene „I-Iechtenburg" (auf

dem hier fehlenden Teil des Blattes) dargestellt sei. Sicher ist wohl, daß die

Zeichnung des Bergwerksbuches nicht wenige Irrtümer enthält, die sich

durch Verarbeiten verschiedener Vorlagen und Erinnerungen erklären mögen.

Deutlich erkennbar ist die Pfarrkirche mit ihrem Turme. Über dem Kirchendach

 selbst ist rechts der „Wappenturm" sichtbar. Die Lage und die vier

Dachhelme an den Ecken lassen die Bestimmung zweifellos erscheinen.

Der Umstand, daß das Dach fehlt, spricht gleichfalls dafür, da, wie wir

wissen, das Dach des Turmes nach dem Blitzschlag des Jahres 1522

tatsächlich abgetragen und eine Zeitlang offenbar nur durch ein niedriges

Notdach ersetzt war. Irrtümlich ist allerdings die Umwandlung der oben

Übergabe der Landesherrschaft an Maximilian. Wir haben aber keine Urkunde darüber gefunden. Der Name

„Wappenturm" ist damals übrigens unmöglich. Vielleicht handelt es sich um das spätere „Wappenhaus" oder

den alten Turm an Stelle des späteren Wappenturms. Auch kann ein Irrtum oder eine Ungenauigkeit Schönherrs

vorliegen, wie wir solche ja auch sonst nachweisen können.

ü Die bauliche Entwicklung der Pfarrkirche ist leider noch fast gar nicht erforscht; auch Jos. Weingartners

wertvolle Abhandlung über „Die alten Kirchen lnnsbrucks" (jahrb. der Kunsthistor. Samml. in Wien, 1920)

enthält fast nichts über die ältere Zeit, so daß wir nicht sagen können, ob zur Zeit einer der Dürerschen Reisen

auch eine Erneuerung (oder vielleicht vorübergehend niedrigere Form) des Pfamurmes vorauszusetzen ist.

jedenfalls würde nicht erschüttert, was sonst für den Wappenturm spricht. - Eine Erneuerung der Pfarrkirche

scheint nach Dürers zweiter Italienreise zu fallen; vgl. Primisser „Denkwürdigkeiten von Innsbruck" 1816,

Seite 37 und Gedenkbuch Maximilians aus den Jahren 1508-1515 (Reg. 4023, zu Anfang).

"i" Wir haben deshalb auch darauf verzichtet, mit der Veröffentlichung unserer Studie noch länger zuzuwarten,

 trotzdem die „Kunstchronilw (Leipzig, Febr. zgzr, Seite 377), die Ankündigung enthält: „Nach Feststellung

von Dr. O. Mitius, deren Begründung demnächst erfolgt, hat den beiden Ansichten eines Schloßhofes von Dürer

in der Albertina zu Wien der Schloßhof der Kadolzburg, die drei Stunden nordwestlich von Nürnberg liegt, als

Vorbild gedient". - Nach den Aufnahmen bei Bodo Ebhardt „Deutsche Burgen" (Berlin, Wasmuth) x89; ff.

(xgoö) Seite 422 ff. muß es übrigens als ausgeschlossen erscheinen, daß die Dürerschen Blätter die Kadolzburg

darstellen. - Der Hof dieser Burg war offenbar nie geschlossen; das Haupttor liegt ganz anders; die Fortsetzung

des einen Flügels über den Hof hinaus, stimmt weder in Richtung noch in Form mit der bei Dürer erkennbaren

Anlage; der Querbau ist ganz anders gestaltet usw. Beinahe die einzige Ähnlichkeit ist, daß an den Längsfiügel

ein vorspringender, achteckiger Treppenturm ansetzt; dieser ist aber so gebüdet, daß sieben Seiten frei heraustreten

 und nur eine an oder in der Längsmauer liegt. Auch die (eine) Freitreppe daneben hat eine ganz andere

Lage. Selbst, wenn hier (spätere) Änderungen vorliegen sollten, blieben noch immer gewaltige Unterschiede.

' x" Ges. Schr. 1., Seite ms.
            
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