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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe I (1866 / 5)

zeigte als bei den antiken Originalen, so gerieth man doch in Verlegenheit

bei der Frage nach dem Zweck derselben. Von diesem Gesichtspuncte

aus waren sie nichts als Raritäten, die allenfalls auf Oredenzen und Coneolen

 als Zimmerscbmuck dienen konnten.

Ueber die blosse Copirung ging eine andere Oollection hinaus, die

dem Museum ebenfalls aus Thüringen von Saelzer in Eisenach zukam.

Diese hatte nur die Formen entlehnt und statt der original antiken Vasengemälde

 mythologische Compositionen der neueren Zeit, wie sie Flaxman,

Cornelius und andere gemacht haben, zur Verwendung gebracht. Auch

die Farben der antiken Vasen hatte sie erweitert und ein Grün, Violett

und verschiedene andere Farbentöne, doch keineswegs glücklich, damit

verbunden. Die Zweckbestimmung war aber auch hier ganz dieselbe, nämlich

 ein blosses Zier- und Luxusgeriith zu sein. "

Wirklich zum praktischen Gebrauch, als Blumenvasen und Blumentöpfe,

 Ampeln, Wassergefasse u. s. w., wenn auch nicht durchgehends, hat

eine dritte Fabrik, eine österreichische, die von Brausewetter in Wagram

bei Leobersdorf, ihre Thongefasse eingerichtet, und damit ist ein grösserer

Schritt zur Wiederbelebung der antiken Formen geschehen. Aber für diese

selbst zeigt sie doch wenig feiueres Verständniss und vermischt sie in ungehöriger

 Weise mit Renaissance- und Rococo-Elementen, selbst mit orientalischen

 Formen.

Ebenfalls zu praktischem Gebrauche bestimmt, sah man in den letzten

drei Jahren mehrfach Glasgefasse von antikem Anschein auftauchen, die

sich jedenfalls unter den bisherigen Gefassen, wie sie heute bei der

Glasfabrication üblich sind, durch edleres Formgefiihl auszeichneten und

insofern auch den rechten Weg betraten, als sie die antiken Formen mit

einiger Freiheit für den heutigen Gebrauch umzuwandeln trachteten. Dabei

nahmen sie aber als Ornament die griechischen Vasengemälde, die sie möglichst

 genau zu copiren trachteten. Abgesehen davon, dass in der Copie

überhaupt kein Fortschritt liegt, verfehlten sie auch bei dem durchscheinenden

 oder durchsichtigen Material, dem eine unangenehm schwefelgelhe

Farbe verliehen war, den harmonischen Eindruck der alten Thongefasse.

Indem sie nun noch antike Vasenornamente in Schwan und einem grellen

Ziegelroth hinzufügten, wurden sie in ihrer Farhenwirkung hart und unangenehm.



Auf demselben Standpuncte standen englische Porcellangefasse, die wir

in Dublin sahen, die zwar in den Grundfarben von den Originalen abwichen

 und sich lebhaiter, in einer dem Porcellan im Allgemeinen mehr

angemessenen Weise hielten, aber im Üebrigen mit den Formen auch die

ganze iigürliehe Verzierung der Vasengemitlde copirt hatten.

Sie zeigten also, dass ihre Künstler die eigentliche Aufgabe gar nicht

begriifen, noch für das Wesentliche der Originale selbst Verständniss hatten.

Diese speeiiisch griechischen Vasengemälde, zumeist mythologischen Inhalts

oder zum grössten Theil handwerksmässig oder archaistisch unbeholfen
            
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