Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe I (1866 / 5)

72

und nur bei Künstlern der älteren Generation, Männern wie Cornelius,

Overbek, Genelli, Führich, Steinle, Kaulbach, Schwind u. A. m.

zu finden, während sich bei der mittleren und jüngeren Generation durchweg

sehr viel Realismus und sehr nüchterner nebenbei vorlindet und von gesundem

 Idealismus in der jüngeren Generation leider blutwenig zu finden

ist. Wenn die deutsche Industrie erst auf den Tag warten sollte, wo die

„ideale deutsche Kunst" unserer Zeit ihr mit „Dessinateursff unter die

Anne greift, da würde sie mehr als einmal von den gallischen Nachbarn

aufgezehrt werden.

Eben so wenig erwarten wir von dem stossweisen Eingreifen einzelner

Meister deutscher Kunst, so liebenswürdig bumoristisch wir es finden, wenn

sich M. v. Schwind einmal entschliesst, Zeichnungen für Tafelaufsätze,

Schlösser, Schlüssel und Teller zu componiren. - Um den Kampf mit

Frankreich und England, vor Allem mit Frankreich aufnehmen zu können,

und der deutschen Kunstindustrie den Markt auf deutschem Gebiete zu erhalten,

 um ihr den Weltverkehr zu sichern, müssen andere Factoren in

Erwägung gezogen werden, insbesondere wenn wir die Thatsache coustatiren,

 dass selbst auf Vaterländischen Boden nur in wenigen Kunstgewerben

 die deutsche Arbeitskraß ausreicht, um den Kampf mit dem

Auslande aufzunehmen. Zu diesen Factoren gehört in erster Linie die

Gründung von Kunstgewerbesohulen wie die Kreling's in Nürnberg.

In dieser Beziehung stimmen wir gerne dem Urtheile bei, das F. Dietz

über diese Lehranstalt ausspricht. "Unter den wenigen Instituten", sagt

F. Dietz, „welche die zu lösende Frage bisher am besten begriüen, die

meisten praktischen Erfolge aufzuweisen, auch unmittelbar um sich her

den fruchtbarsten Boden gefunden haben, steht die Kunstgewerbeschule in

Nürnberg unbestritten obenan; sie baut mit der einen Hand rüstig am idealen

Tempel der Kunst, während sie die andere energisch den Gewerben reicht;

sie erzieht ebensowohl den Historienmaler und Plastiker als den Decorationsmaler,

 den Bildschnitzer, Musterzeichner, Gold- und Silberschmied, Zinngiesser,

 Töpfer, Schreiner u. s. w.; alle sind die Jünger einer Lehre,

alle sind angewiesen bis zu einer gewissen Höhe den gleichen Schulgang

durchzumachen. Nach kaum zehnjäbrigem Bestehen hat die Nürnberger

Schule das Gepräge ihres Geistes fast allen gewerblichen Erzeugnissen des

neuen Nürnbergs aufgedrückt, von den Altären, Kanzeln, Betstühlen der

Kirchen herab, bis zu Geräthen des täglichen Lebens. Der weltberühmte

Kunstiieiss der alten Reichsstadt lebt von neuem auf und gibt sich, an die

Traditionen des 15. und 16. Jahrhunderts glücklich anknüpfend, in charakteristischen

 und zugleich zeitgemässen Formen kund. Die Verwälschung

aller „Fagonenß die auch an der Pegnitz eingerissen war, ist gründlich

vertrieben von einem wahrhaft deutschen Geschmack, der auf den Weltmärkten

 seine nationale Eigenart geltend zu machen wohl im Stande ist.

Kreling, der Münchener Schule augehörig, ist der Schöpfer dieses glücklichen

 Systems; eine reichbegabte Natur, vertritt Kreling in sich selbst
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.