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Se. Majestät der Kaiser hat Sonntag den 4. September die im k. k. Oesterr. 
Museum ausgestellten, von Sr. Majestät als Geschenk für die Kirche des deutschen 
Friedhofs in Rom bestimmten zwei Glssgemälde besichtigt. Der Kaiser, begleitet vom 
Flügeladjutanten Major v. T engler, erschien um 2 Uhr Nachmittags im Oesterr. Museum 
und wurde im Vestibule vom Director Hofrath v. Falke empfangen, welcher den an- 
wesenden Director der Tiroler Glasmalerei-Anstalt ltaiserl. Rath Dr. Jele vorstellte; 
Geleitet von den beiden Herren, verfügte sich der Kaiser in den Saal VI und äußerte 
hier bei Besichtigung der Fenster seine vollste Befriedigung über die geschmackvolle 
Anlage und außerordentlich feine harmonische Stimmung des Ganzen. Der Kaiser 
erkundigte sich bei dieser Gelegenheit eingehendst um die Verhältnisse der genannten 
Glasmalerei-Anstalt, die Absatzverhältnisse und Arbeiten für Amerika, sowie um deren 
Betheiligung an der Ausstellung in Chicago und erfuhr mit Befriedigung, dass das 
bezeichnete Institut auch in New-York eine Filiale hat. I-lofrath v. Falke ersuchte den 
Kaiser zum Schlüsse. den gleichfalls im Museum ausgestellten und für den Dorn in 
Fünfkirehen bestimmten (lsterkerzenleuchter in Augenschein zu nehmen. Derselbe ist 
circa z Meter hoch und nach einer Zeichnung des Architekten Kirstein (Schülers des 
verstorbenen Oberbaurathes Baron Schmidt) in der Bronzewaarenfsbrik von Hanusch 
(Ermer) in Wien angefertigt. Der Kaiser sprach sich auch über dieses im romanischen 
Stil gehaltene Kunstwerk sehr lobend aus. - 
Da in diesem Jahre die Weihnachts-Ausstellung hinwegliel, so benützte die Di- 
rection des Museums die zur Verfügung stehenden Räume für eine Ausstellung, welche 
unter der Bezeichnung vMittelalterlicher Hausrathc nach Möglichkeit alle solche 
Gegenstände vereinen sollte. welche während des Mittelalters die Wohnung ausstatteten 
und schmückten. Der Zeitraum für die Gegenstände schloss daher mit dem Jahre tgoo 
und umfasste die Epochen des romanischen, des gothischen Stils und der italienischen 
Frührenaissance. Sachlich oder gegenständlich stand in erster Linie das gesammte Mo- 
biliar in Wohn- und Schlafzimmer, sodann Alles, was zum Gebrauche auf Tisch und 
Tafel sowie in der Küche diente, als: Tischgeschirr und -Geräth in glasirtem Thon, in 
Silber, Zinn und Messing; Geräthe und lnstrumente in Eisen, Beleuchtungsgeräth; ferner 
die textile Ausstattung des Hauses in Tisch- und Bettwäsche, in Stickereien, in gobelin- 
artigen Wandbekleidungen und Rücklsken, in Bildern und sonstigem Schmuck der 
Wände, endlich in kleinem Ziergeräth, in Kästchen und Schachteln, in Gegenständen 
der Toilette, in Waschgeräth, wie Kannen und Schüsseln, Becken u. s. w. ' 
Die Ausstellung wurde am t7. December erölfnet. Sieumfasste die Säle Vl, Vll, 
IX und die Hälfte des Arcadenhofes. Der Katalog ist mit einer historischen Einleitung 
von l-lofrath J. v. Falke versehen. Der Preis desselben betrug 30 Kreuzer. Die Dauer 
dieser Ausstellung wurde bis zum 2.3. Februar festgestellt. 
Die Ausstellung wurde am Samstag d. 3x. December durch den Allerhöchsten 
Besuch Sr. Majestät des Kaisers ausgezeichnet. Se. Majestät wurden vom Di- 
rector Hofrath v. Falke, vom Vicedirector Regierungsrath Bucher und den Custos- 
adjuncten Dr. Leisching und Dr. Masner empfangen und geruhte Sich während des 
einstündigen Rundganges wiederholt sehr befriedigt über die Ausstellung auszusprechen. 
Am Donnerstag den a9. December beehrte Se. k. und k. Hoheit der durebl. Herd 
Erzherzog Ludwig Victor die Ausstellung mit einem Besuche. - 
Am 15. November wurde die Winterausstellung des Wiener Kuns ewerbevereiues 
im Oesterr. Museum eröffnet, welche dieses Jahr anstatt der sonstigen gro ea Weihnacht!- 
ausstellung nur auf die Säle X-XIV des Museums und auf die Vereinsmitgliedor 
beschränkt war. Die Ausstellung, von 63 Mitgliedern beschickt, konnte so Ziemlich 
nach jeder Richtung kunstgewerblichen Schaffens hin als vorzüglich und höchst sehens- 
werth bezeichnet werden. Diesmal war nicht nur der Saal X, sondern auch Saal Xl den 
kleineren Objscten, Glas, Keramik, Bronze, Zinn, Eisen, Email, Schmuck, Kleinplastik; 
Leder, Holzgalanterie u. s. w. eingeräumt, während die übrigen Zimmer wie sonst der 
Kunsttischlerei zur Verfügung standen. Besonderes Interesse haben die beiden seiner- 
zeit vom Verein preisgekrönten Gruppen rAmor und Psyche: und sThierstücka 
erregt, welche, erstere von Richter (Hollenbachs Neffen), letzere von Ermer (Hanusch) 
in Bronze ausgeführt sind; ferner die Glasarbeiten des neuen Mitgliedes Karl R. 
v. Kralik (Adolf in Böhmen), welcher die im Besitze der böhmischen Aristokraten 
befindlichen alten Krystallge äße in ganz hervorragender Art nachgebildet hat. vDie 
Ausstellung verband in glücklicher Weise ihre idealen, künstlerischen mit den-prak- 
tischen Zwecken, indem vor Allem bei der Auswahl der Objecte ganz besonders auch 
auf das Weihnachtsgeschäft Rücksicht genommen wurde. .' 
Am Samstag den 31. December geruhten Se. Majestät der Kaiser diese A 
stellung durch Allerhöchst Seinen Besuch auszuzeichnen. Se. Majestät-wurden beiin 

	        

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