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MAK

Full text : Jahresbericht (1893)

so gut wie unbekannten Sammlungen gekommen. Reicher und ergiebiger, als selbst der

Kundige annehmen konnte, erwies sich auch der Privatbesitz. Ausser Herrn Franz Trau,

der seine berühmte Sammlung uneingeschränkt zur Verfügung stellte, haben die Herren

Delhaes, Heckscher. Hollitzer in Deutsch-Altenburg, Dr. Jurie von Lavandal, Graf

Lanckorotiski, v. Lanna in Prag, Fürst Johann von u. zu Liechtenstein, Baron Ludwigstorff

in Deutsch-Altenburg, Miller zu Aichholz, Dr. Much, Baron Ritter-Zähony in Görz, Sslzer,

Fürst Adolf Schwarzenberg, Graf Abenaperg-Traun in Petronell und Prinz zu Windisch-Grätz

 werthvolle Objecte beigesteuert.

Die Ausstellung, welche am Piingstmontage, den 22. Mai, eröffnet wurde, enthielt

Originalwerke der griechischen, römischen und praehistorischen Kunst. Sie hatte vor

Allem - es seien hier die Hauptpunkte des Programms kurz recapitulirt - einen

Ueberblick über das gewährt, was sich namentlich von Erzeugnissen der antiken Kleinkünste

 außerhalb des grossen kunsthistorischen Museums des Allerhöchsten Kaiserhauses,

sei es in öffentlichen Sammlungen, sei es im Privathesitze, vereinigt oder zerstreut vorgefunden

 hat. Das Unternehmen stellte sich aber auch noch eine zweite specielle Aufgabe,

indem es, soweit dies ohne die Heranziehung größerer Monumente erreichbar war, durch

besondere Berücksichtigung der einheimischen Fundorte ein Bild der Cultur, welche die

österreichischen Länder in römischer und praehistorischer Zeit besaßen, zu geben

beabsichtigte.

Diese zweite spezielle Aufgabe gab die bestimmenden Grundzüge für die Anordnung

des Ganzen. Sie veranlasste zunächst, dass eine Scheidung der einheimischen (österreichischungarischen)

 und der auswärtigen Funde vorgenommen wurde. Ein solcher scharfer

Schnitt trennte natürlich hin und wieder Zusammengehoriges. Aber dieser Nachtheil

wurde durch reichlichen Gewinn aufgewogen. Das Material aus praehistorischer und

römischer Zeit, das von den verschiedenen Fundstitten Oesterreich-Ungarns zusammenströmte,

 drängte zur Zusammenstellung localer Gruppen. ln der dadurch gegebenen

Möglichkeit, solche Gruppen miteinander vergleichen zu können lag einer der Vortheile,

um derentwillen man die Gegenstände zusammentragen durfte. In gewissem Sinne

bedeutete also die Ausstellung eine höhere Einheit gegenüber den Provincial-Museen, die

sich auf einzelne Gebiete beschränken müssen.

In weiterer Durchführung des leitenden Gedankens hielten wir es für das Zweckmäßigste,

 drei Hauptabtheilungen einzurichten. Die erste, deren Anordnung Herr Dr.

M. Hoernes zu übernehmen die Güte hatte, umfasste die praehistorischen Funde. Sie zerfiel

in zwei scharf geschiedene Unterahtheilungen. Die einen bildeten locale Gruppen aus verschiedenen

 Fundgebieten OesterreichvUngarns, sowie Bosniens und der Herzegowina,

die andere Serien von Typen charakteristischer praehistorischer Gebrauchsgegenstände

(Werkzeuge, Watfen, Fibeln etc.) in chronologischer Aneinanderreihung. ln diese Unterabtheilung

 wurden auch nichtüsterreichische Funde und als Ergänzung und Fortsetzung

ieder Serie gleichartige Erzeugnisse der griechischen und römischen Kunst mit einbezogen.

ln die zweite Hauptgruppe gehörten die einheimischen Funde aus der Röruerzeit.

Hier bot sich die Möglichkeit, drei locale Gruppen zusammenzustellen, welche in

lehrreicher und übersichtlicher Weise die Cultur dreier wichtiger Römerstädte - Poetovio's

(Pettau), Brigetids (O-Szüny) und Carnuntum's - veranschaulichten. Die gesammte Masse

der übrigen Gegenstände wurde nach dem Materiale, aus welehem sie verfertigt sind,

in Gruppen vereinigt, jedoch so, dass innerhalb derselben immer wieder die locale

Zusammengehörigkeit zu Tage trat.

Die dritte Hauptabtheilung bildeten, nach dem Materiale geordnet, die Antiken

auswärtiger Provenienz, also jene nicht in OesterreichsUngarn gefundenen Obiecte

griechischer und römischer Kunst, welche die Sammellust der Gegenwart in den Besitz

von Museen und Privaten gebracht hat.

Die Ausstellung war in den Sälen Vl, VII und IX untergebracht. Die praehistorische

Abtheilung füllte einen großen Theil des Saales VII; daran schlossen sich die römischen

Funde, die bis in die Mitte des Saales VI reichten; die zweite Hälfte dieses Saales sowie

der ganze Saal IX gehörten der dritten Abtheilung an.

Fast gleichzeitig mit der Eröffnung der Ausstellung, die am 2a. Mai stattfand,

erschien der Katalog. Leider konnte derselbe nicht in allen Partien gleichmißig abgeschlossen

 werderi. Da die Sendungen für die praehistorische Abtheilung ziemlich spät

eintrafen, musste Dr. Hoernes sich entschließen, ein provisorisches Verzeichniss zu

gehen. Die Beschreibung der spätantiken Textilfunde aus Aegypten besorgte Dr. Riegl,

die der Bronzen und cisalpinen Rümerfunde Dr. Eduard Nowotny. Freundliche Unterstützung

 bei den Katalogisirungsarbeiten leistete auch Dr. Rudolf Münsterberg.

Es lag in der Natur der Sache, dass eine archaeologische Ausstellung nicht in

erster Linie den unmittelbaren Zielen und Zwecken eines Kunstgewerbemuaeums dienen

konnte. Wie die Veranlassung, um derenthalben sie veranstaltet wurde, eine wissenschaftliche

 war, ist der Gewinn, der aus ihr erwachsen wird, vor Allem ein wissenschaftlicher.

An ihm participirten, wenn wir schon ein einheitliches Ganzes suftheilen wollen, die
            
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