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Am 16. October wurde im Saale Vl eine Ausstellung eröffnet, welche die der- 
malen unter der Direction des Fräuleins Therese Mirani stehende k. k. Facbschule 
für Kunststickerei aus Anlass des vollendeten zwanzigsten Jahres ibres Bestandes veran- 
staltet hat. Die Anordnung ergab sich aus dem Umstande, als es sich um eine strenge 
Schulausstellung handelte, von selbst: es hatte die Organisation der Schule und der Ent- 
wicklungsgang der Schülerinnen vorgeführt zu werden, wie sich diese in dem Charakter 
und der Aufeinanderfolge der einzelnen Classen klar und bestimmt ausprägen. Die Reihe 
eroEnete die erste Classe (Frl. Stisssny) mit den Elementen der Stickerei und den 
gemeingebräuchlicheren Arten von Leinen- und Weißstickerei; hieran schloss sich die 
zweite Classe (Frau Guttmann) mit einfacher Buntstickerei, Frsnsenknßpfung, Durch- 
bruch und bunten Fransen; die dritte Classe (Frau Schinnerer) mit den verschiedenen 
Arten feiner Weißstickerei; endlich die vierte Classe (Frau von StraBgi-Lederer) mit 
Nadelmalerei, Gold- und Applicationsstickerei. Die den Abschluss bildende fünfte Classe 
(Frau von Saint-George) zeigte an erlesenen Beispielen die praktische Anwendung, 
insbesondere der in Classe lV gelehrten Luxustechniken, sowie das Reparaturveriahren 
bei alteren, schadhaft gewordenen Stickereien. Außerdem war der unter der Leitung von 
Frl. Fürst stehende Zeichencurs, verbunden mit dem Unterrichte im Kunstschneiden, 
vertreten. Endlich hat die Hilfslehrerin Frl. Rabl an einer Schularbeit gezeigt, wie sich 
altere Stickereien gelegentlich mit künstlerischem Vortheile in eine modernere Stilisirung 
umsetzen lassen. 
Donnerstag den iB. October zeichnete Se. k. u. k. Hoheit der durchl. Herr Erzherzog 
Rainer die Ausstellung durch seinen Besuch aus und wurde vom Director des Museums, 
Hofrath v. Falke, der Direcrrice der Fachschule, Frl. Mirani, und den Lehrerinnen Frau 
Guttmann und Frau von Saint-George geleitet. Freitag den a6. October wurde die 
Ausstellung mit dem Besuche Sr. Excell. des Herrn Unterrichisministers Dr. v. Madeysky 
beehrt, der in Begleitung des Herrn Prasidial-Secretars Dr. von Hauenschild und des 
Herrn Reichsrathsabgeordneten Weigl erschienen war. Der Minister wurde vom Vice- 
Director des Museums, Regierungsrath Bucher, empfangen, uncl von [dem Genannten 
und Hofrath von Storck durch die Ausstellung geleitet, in welcher der gesammte Lehr-- 
korper der Fachschule sich eingefunden hatte. Der Minister, welcher eine Stunde in der 
Ausstellung verweilte, sprach seine volle Anerkennung über das Gesehene aus. Mittwoch 
den 31. October beehrten lhre Excellenzen die Herren Minister Graf Kalnoky und Graf 
Wurmbrand die Ausstellung mit ihrem Besuche. 
Donnerstag den "I. November wurde die Ausstellung geschlossen. - 
Fur die Zeit von Oetober 1894 bis Ende Februar 1395 war eine zweite graphische 
Ausstellung, uiid zwar als Seitenstuck zu der Ausstellung farbiger Kupferstiche eine solche 
der Schwarz- oder Schabkunst, vorbereitet worden. Diese Kunst, welche seit der 
Mitte des 17. Jahrhunderts in Deutschland, besonders aber in England in außerordent- 
licher Pflege stand, diente in erster Linie dem Porträt. Die Ausstellung wurde am 
I4. October d. J. eröffnet; sie begann mit dem Erstlingswerke der Schabkunst, dem 16m 
in Amsterdam von Ludwig von Siegen ausgeführten Brustbild der Landgrafin Amalie 
Elisabeth von Hessen, und umfasste 59g Blätter, welche im Saulenhofe, im Saal Vll, 
unter den oberen Arkaden, im Saal IX und im Vorlesesaal chronologisch und nach den 
Lindern aufgestellt waren. Eine besondere Abtheilung war der Schabkunst in Wien 
gewidmet. 
Der am Eroßnungstage ausgegebene, von Franz Ritter verfasste Katalog enthält 
als Einleitung eine Uebersicht der geschichtlichen Entwicklung der Schabkunst von 
f. von Falke und sechs von J. Blechinger hergestellte Heliogravuren nach besonders 
schonen oder geschichtlich bedeutsamen Blättern der Ausstellung. Der Katalog, im Ver- 
lage des Oesterr. Museums erschienen, ist um den Preis von 60 kr. kluflich. - 
Sonntag den zt. October d. J. wurde die W eih nachtsausstellun g des Wiener 
Kun sktgewerbe- Ve rein es eröffnet. Die Ausstellung, welche in diesem Jahre nur auf 
die Mitglieder des Vereines beschrankt war, befand sich in den dem Vereine durch das 
Museum standig eingeräumten Sälen und Zimmern und war von den hervorragendsten 
Kunstgewerhetreibenden beschickt. 
Se. Majestät der Kaiser hat am I8. December die Schabkunst-Ausstellung und 
die Weihnachts-Ausstellung des Wiener Kunstgewerbe-Vereines mit Allerhochst Seinem 
Besuche ausgezeichnet. Se. Majestät fuhr um io Uhr Vormittags in Begleitung des 
Flügeladjutanten Freiherrn von Burtlar beim Museum vor und wurde daselbst vom 
ViVce-Director des Museums. Regierungsrath Bruno Bucher, Bibliothekar-Scriptor Franz 
Ritter, Custos-Adjunct Dr. Ed. Leisehing und dem Vice-Präsidenten des Wiener 
Kunstgewerbe-Vereines, kais. Rath Laurenz Gstettner, ehrfurcbtsvellst empfangen und 
in den Saulenhof geleitet. Zuerst besichtigte Se. Majestät die Schabkunatausstellung, 
wobei Bibliothekar-Scriptor Ritter die entsprechenden Erklitrungen gab. Se. Majestat 
bekundete das lebhafteste Interesse für die historische Entwicklung dieser Technik, für
	        

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