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MAK

Full text : Jahresbericht (1895)

als ein Bild der Zeit möglichst allseitig aufgefasst, dürften den Lebenden von heute doch

hochwillkommen sein.

Sehen wir uns gegenständlich um, was den lnhalt der Ausstellung bieten soll,

so stehen wohl die Portraits aller derjenigen Personen, welche mitwirkend oder theilnehmend

 jene grossen Tage miterlebt haben, in erster Linie. Hier finden wir die Namen

der Herrscher und l-"Cirstlichkeiten nebst ihren Angehörigen, welche in Wien während der

Monate des Cungresses mit ihnen anwesend waren, obenan unser üsterreichisches Kaiserhaus,

 Kaiser Franz, Kaiserin Ludovika, die Erzherzoge und Erzherzoginnen, dann der

Kaiser von Rußland, die Konige von Preußen, Dänemark, Bayern, Württemberg u. s. w.

Mit den Herrschern oder für dieselben waren ihre Staatsmänner gekommen, die Friedensverhandlungen

 zu führen, unter dem Vorsitz des Fürsten Metternich, die preußischen

Minister Fürst Hardenberg und Wilhelm von Humboldt, die russischen Graf Stackelberg,

Graf Rssumofsky, Capodistrias und Pozzo di Borgo, die Vertreter Englands Lord

Castleretigh und Sir Sidney Stnith, Fürst Talleyrnnd für Frankreich u. s. w. Nicht minder

wichtig sind uns deren Damen, und andere, die selbstständig gekommen waren, wie die

Herzogin von Kurland mit ihren Töchtern. Leichter wird es sein, die Bilder vom

österreichischen Adel zu bekommen, welche Feste gaben oder an ihnen tlieilnahmcn,

oder der Hofbeamten, welche die Last dieser Tage trugen, an ihrer Spitze der Oberstliofmeister

 Fürst Trauttmansdorif. Dann andere Berühmtheiten, welche am Congresse

mitspielten oder von ihm berichteten, politische wie litterarische und künstlerische Persönlichkeiten,

 wie Varnhagen von Ense, Gentz, Friedrich Schlegel, Castelli, Beethoven,

Sophie Schroder und andere hervorragende Namen der Kunst und der Bühne, nicht zu

vergessen die Herren und Damen jener Salons aus der Welt der Finanzen.

Schon das ergibt eine ausgedehnte Portraitgalerie, da man sich selbstverständlich

nicht auf das Oelgemälde beschränken kann, sondern jede Art der Wiedergabe, Stich,

Radirung, Lithographie, Miniature, Plastik willkommen ist.

Die Zahl vermehrt sich aber noch. Da unsere Absicht sich nicht auf den Wiener

Congress und diejenigen, welche an ihm theilgenommen oder ihn in nächster Nähe miterlebt

 haben, beschrankt, sondern vielmehr ein Bild der Zeit geben will, so werden

auch andere vorragende Persönlichkeiten jener thaten- und ereignissvollen Zeit nicht

ausgeschlossen.

Betrachten wir die Portraits als die e_rste Gruppe der Abbildungen, so bilden eine

zweite diejenigen von Abbildungen der Ereignisse, welche während der Congresszeit in

Wien stattgefunden haben. Hierher gehören alle Feste und Vergnügungen, Theatervnrstellungen,

 Volksscenen, Volksfeste, öffentliche Aufzüge, Paraden u. s. w. Zu ihnen

gesellen sich die Abbildungen aller der Stätten, an welchen heitere wie ernste Ereignisse

des Congresses stattgefunden haben; Wien selbst, mit Ansichten aus damaliger Zeit, die

kaiserliche Burg von aussen wie in ihren Gemächern, die Redoutensäle, die Reitschule;

sodann die Staatskanzlei, Schönbrunn, Laxenliurg, der Prater, die Paläste und Schlosser

des Adels u. s. w.

Ergänzend zur Portraitgslerie gehört eine Sammlung von Autographen der genannten

und betheiligten Personlichkeiten.

Eine weitere Gruppe von Abbildungen bilden die Costüme, sowohl die Moden

dieser Epoche, wobei man sich nicht genau auf die Moden des Jahres von 1814 bis t8t5

beschränken kann, sondern auf einige Jahre vorher zurückgreifen muss, als auch insbesondere

 die speciellen Costüme, welche bei dieser oder jener Festlichkeit getragen worden

sind, z. B. bei Maskeraden, Hoffesten und Holjagden. Ebenfalls gehoren hierher die

Uniformen der Zeit, die militärischen wie die civilen und die Hoftrachten. Sind solche

Costüme und Trachten noch in Wirklichkeit vorhanden, so fallen sie in die zweite Hauptabtbeilung,

 in die der Gegenstände.

Diese zweite Hauptabtheilung soll die wirklichen Gegenstände enthalten, mit und

unter welchen die Menschen der damaligen Zeit gelebt haben, die Gegenstände in natura,

deren sie sich in Wirklichkeit zum Gebrauche bedient haben. Selbstverständlich, da hierin

die Moden von heute auf morgen nicht wechseln, so ist ein grösserer Zeitraum ins Auge

zu fassen, namlich die Epoche des mit dem Namen Empire gewöhnlich bezeichneten

Geschmacks. Hierher gehort das Mobiliar, die gesamrnte Ausstattung der Wohnung, die

Sitzmobel, die Tische, die Kasten und Schränke aller Art, soweit sie damals üblich

waren; das Metallgeräth für Tisch und Beleuchtung und Beheizung; Gegenstände in Glas

und Porzellan, von letzterem insbesondere eine Collection der Wiener Fabrik aus dieser

Epoche von etwa iSoo bis ißtg. Es gehören ferner hierher Uhren und Vasen, Gegenstände

 zur Bekleidung der Wande, textile Stoße und Stickereien, Leinenwasche, Tischtücher,

 die gesammte Herren- und Damentoilette mit allen Utensilien des Gebrauchs

und der Herstellung, mit Kaminen, Bürsten, Fächern, Handschuhen, Schuhen, Nahetuis,

Handspiegeln u. s. w. Endlich Nippes, Zier- und Luxusgeräth und Schmuckgegenstande

aller Art, soweit sie erkennbar den Charakter der Zeit tragen.
            
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