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MAK

Full text : Jahresbericht (1896)


Sonach dürfen wir hohen, ein patriotiscbcs, geschichtlich und culturgeaehichtlieh

 anziehende: Unternehmen nicht unwürdig durchgeführt zu haben, und wagen

die allerunterthanigste Bitte: Eure Majestst wollen geruhen, die Erbtfnung der Wiener

Congressausstellung allergnadigst zu gestattenn

Se. Majestät der Kaiser geruhte hierauf zu erwidern:

aEs gereicht Mir zu ganz besonderer Befriedigung, diese Ausstellung Persönlich

 eröffnen zu können, welche. dazu bestimmt ist, die Erinnerung an eine sehr

wichtige historische Zeitperiodc unseres Vaterlandes zu erneuern und wach zu erhalten.

 ich- spreche bei dieser Gelegenheit Allen, welche mitgewirkt haben, dieses

patriotische Unternehmen zu Stande. zu bringen, Meine vollsta Anerkennung und

Meinen Dank lilSnt

Se. Excellenz Herr Oberstjägermeister Graf Ahensperg-Traun stellte sodann

das Cornite dem Kaiser vor. H-ieraufr gerithte Se. Majeszat viele der geladenen Persönlichkeiten

 mit einer Ansprache auszuzeichnen und trat dann unter Führung des Custos

Dr. Leiaching den Rundgang an.

Im Arcadenhofe besichtigte der Kaiser die Bilder und Möbel mit groQem Interesse

und erkundigte sich nach dem nCongressbild- von isabey, das Königin Victoria zur Verfügung

 gestellt hatte; außerdem nach den Bildern aus der russischen Kaiserfamilie. Als

der Monarch erfuhr. dass der Kaiser von Russland selbst die Gemälde für die Ausstellung

 senden ließ, trat der Monarch auf den russischen Botschafter Grafen Kapniat

zu und dankte ihm. im Saale Vll besichtigte de: Kaiser die Erinnerungen an das Kaiserhaus

 und die europäischen Fürstenhäuser; besonderes Interesse erweckte die Uniform

des FML. Koller, in der Napoleon I. die Fahrt nach Elba angetreten. Dem Monarchen

fiel auch die prachtvolle Cassette der Herzogin von Berry, früher Eigentltum des Königs

von Neapel, jetzt ihrer k. u. k. Hoheiten des durchl. Herrn Erzherzogs Rainer und der

durchl. Frau Erzherzogin Marie, auf; ferner ein Service aus Meißener Porzellan mit

Bildern sächsischer Schlösser, der Papierkorb Napoleon's (aus dem Besitze Sr. k. u. k.

Hoheit des durchl. Herrn Erzlierzogs Carl Ludwig); ein Dreifuß mit einem Becken

aus Gold und Silber, das Geschenk Mailand-s an Napoleon aus Anlass der Geburt des

Königs von Rom, Eigenthum Sr. k. u. k. Hoheit des durchl. Herrn Erzherzogs Leopold;

das Schautiaehchen, da: Napoleon der Kaiserin Maria Louise geschenkt, das als Plattenbild

ein farbenprachtigea Aquarell von Isabey, die aTIllfC des Königs von llomu, aufweist

(Eigenthum des Fürsten Montenuovo); Napoleonk Bureau (Eigenthum des Grafen

Palffy) und die acht goldenen Marschallatabe Wellington's. Hierauf besichtigte der

Kaiser das Arbeitszimmer Kaiser Franz i., das von Prof. Beyer mit größter Genauigkeit

zusammengestellt worden ist, und sprach sich dann über das sorgfältige Arrangement

lobend aus. im Saal: Vi, wo die Hofwagen aufgestellt waren, machte der Oberststallmeister

Prinz Rudolf Liechtenstein den VMonarchen auf den napoleonischen Kronungswagen

aufmerksam.

im ersten Stock übernahm Custos Ritter die Führung. Se. Majestät besichtigte

hier ZllnäChSi die im ersten Cabinete des Saales iX ausgestellten Zeichnungen und Kupferstiche,

 Hoffeste, feierliche Einzüge und Schlachten darsteilend. Sodann begab sich der

Kaiser zu den drei biographischen interieurs. im ersten, dem Feldmarschall Fürsten

Karl v. Schwarzenberg gewidmeten, wo Fürst Adolf Josef zu Schwarzenberg anwesend

war, interessirte den Monarchen besonders das lebensgroße Bildniss des Feldmarschalls

von Gerard aus dem Jahre l8t4, Uniform, Degen und Marschallsstab des Fürsten aus

der Schlacht bei Leipzig, des Feldmarschalls Orden und die Allerhöchsten Handbillets,

die weiland Kaiser Franz an ihn nach der Schlacht bei Leipzig gerichtet. im anstoßenden

Mettcrnich-interiettr, wo Fürst Paul v. Metternich zugegen war, erregten die besondere

Aufmerksamkeit Sr. Majestat das Porträt des Staatskanzlers von Lawrence (aus Schloss

Königswart), das Bildnias des Herzogs von Wellington von Lucas, der Schreibtisch des

Fürsten Cl. Metternich sowie der große Tafelaufsatz, letzterer ein Geschenk Napoleons

an den Fürsten. im Liechtenatein-interieur haben vornehmlich die kleinere Wiederholung

 dea großen Gemäldes der Schlacht bei Aspern von Peter Kraft, und das schöne

Brustbild des Feldmarschalls Fürsten Johann Liechtenatein von Lampi den lebhaften

Beifall des Monarchen gefunden. Unter den Gemälden der nächsten Ahtheilung widmete

Se. Majestät namentlich dem lebensgroßen PortrAte der Fürstin Pauline zu Schwarzenberg

von Lampi sympathisches Interesse. im Voriesesaal lobt: der Kaiser besonders das lebenv

große Portrat de: Fürsten Talleyrand von oema und das des Grafen Fries mit seiner

Familie. Besondere Aufmerksamkeit fanden auch das große Gemälde vKonig Friedrich

von Württemberg auf dem Jagdfest bei Bebenhausen am 9. November K811i, die Congreasacte

 aus dem k. u. k. Hauv, Hof- und Staatsarchiv und das Marmorwerk Canovifs,

Allegorie des Strebens nach Ruhm und Ehre. Unter den Arcaden war die Besichtigung

der daselbst aufgestellten Kupferatiche und Lithographien wegen des auf dem Glasdache

ruhenden Schnees erschwert, was Se. Majestät mehrmals bedauerte.

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