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Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe I (1866 / 9)

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Bilder aus dem menschlichen Leben. Stylgetiihl prägt sich in allen, auch den unbedeutendsten

 Werken aus, zum ersten Male entstand eine wahrhahe Verbindung zwischen Kunst

und Industrie.

Sechste Vorlesung. Die Alexandrinische Zeit, welche die nationalen Grenzen

sprengt, einen weiteren Verkehr schatft, neue Städte in der Peripherie des bisherigen

Mittelpuuktes emporkominen lässt - Alexandrien, Antiochien, Selencia, Pergamon, Rhodus -,

ein Welthewusstsein ausbildet, bringt auch die Entartung der Kunst mit sich, welche der

barbarischen Richtung auf das Kolossale und Glänzende. dem EGect verfüllt. In der Architektur

 hen-scht der korinthische Styl und neben ihm der jonische, in beiden tritt das Weichliche

 und Spielende in den Vordergrund. Die Privathänser werden mit offenen Bäulenslilen,

nach Parkanlagen hinausschauend, ausgestattet, und selbst Localitäten, welche nur vorübergehenden

 Zwecken dienen, wie den Praehtzelten und Nilbarken der ptolomiiischen Fürsten,

wird eine reiche in Gold und Farben strahlende Decoration eliehen. In der Plastik sind es

namentlich die Schulen von Rhodos und Pergamon, welc e dem Streben nach dem Erschiitternden

 und durch blendende Virtuosität Ueberrascbenden Ausdruck geben. Ein

malerisches Element, der Gesichtspunkt des eigentlich Eeizenden, dringt in die Plastik ein

und im Gefolge dieser Wendung entwickeln namentlich die verschiedenen Zweige der Kleinplastik

 sich zu glänzendewLeistnngen des Luxus und der Mode, sinken auch wohl zur

reinen Spielerei herab, wie das Viergespann aus Elfenbein, das von einer Fliege bedeckt

werden konnte, u. dgl. Dann beginnt der Luxus mit geschnittenen Steinen, Onyxen und

' Sardonyxen. Die Malerei wird zur wesentlich decorativen Kunst, die Vasemnalerei stirbt -

in Athen wenigstens - allniälig aus, die wirklich etruskischen, d. h. in Etrurien verfertigten,

nicht blos dort aufgefundenen Vasen sind gegen die griechischen unkiinstlerisch, roh.

Dagegen entwickelt sich zum höchsten Glenze das Mosaik, ferner die Glnstecbnik

und Goldschmiedeknnsf. Dieselbe Richtung von dem Grossen und Allgemeinen ab auf die

kleinlicheren Verhältnisse und Bedürfnisse des Hauses tritt uns auf's lebendigste in der

späthellenisehen Zeit oder in der römischen Renaissance entgegen, deren Welt uns durch

die Ausgrabungen in Unter-Italien erschlossen worden ist. Durch eine charakterisirende

Schilderung dieser pompejanischen Welt zeigte der Redner, wie jene Zeit völlig ü-ei und

genial mit den ihr überkommenen Motiven Griechenlands schaltete. Und darin - schloss

er - liege auch die Aufgabe für die moderne Zeit, die, gleich der Renaissance, nicht

sclsvisch nachahmen, sondern mit Zugrundlegung der von dem Hellenenthum gefundenen

Gesetze frei und schöpferisch vorgehen soll, um den ganz anderen Bedürfnissen, geistigen

Aufgaben und Beziehungen unserer Welt zu entsprechen, wie die Pompejaner es fiir ihre

Zeit thaten und die Renaissance für die ihrige.

Kleinere Mittheilungen.

(Correspondenz aus Graz: Ueber die Jnhresansstellung des sleierlnlirk.

Kunstinduslrievn-relnes und die beantragte Vereinigung des Gewerbe-, des

Knnstindustrie- und des KulnstvereIm-s.) hn März d. J. hielt der Knnstindustrieverein

 zu Graz seine zweite Ausstellung ab, u. z. diesnul in dem neuen Vereinsloenle,

welches sich bei dieser Gelegenheit in Beziehung auf Grösse, Eintheilurg und Einrichtung als

vollkommen entsprechend erwies. Die Ausstellung dauerte bis zum Schlusse des Monats,

und den Statuten gemäss war der Eintritt für die Vereinsengehörigen stets unentgeltlich,

für das übrige Pnblicum nur an Sonntagen und Donnerstsgen frei, an den andern Tagen

der Woche wurde ein Eintrittsgeld von H) Kreuzern erhoben. Trotz des geringen Eintritte

preises und der vielen interessanten und sehenswerthen Gegenstände, welche die Ausstellung

enthielt, war der Besuch leider ein äusserst spärlicher, woran wohl zum Theil die ungünstige

Witterung Schuld war, hauptsächlich jedoch das geringe Interesse in gewissen Schichten

des Publicnms, besonders bei den Gewerbetreibenden, die in einer solchen Ausstellung

noch immer nichts Anderes als eine Schanstelluug von Alterthümern erblicken und über

den Nutzen, den sie daraus schöpfen könnten, noch nicht hinreichend aufgeklärt sind.

Dsss nur wenige moderne Gegenstände, und selbst unter diesen Wenigen meist üemdländische

 ausgestellt waren, findet ebenfalls seinen Grund in der Theilnahinlosigkeit der

Gewerbetreibenden, die voraussichtlich erst dann zahlreich dem Vereine beitreten und sich

sn dessen Ausstellungen hetheiligen werden, wenn ihnen durch das längere Bestehen und

Wirken desselben materielle Vortheile erwachsen werden, was natürlich erst dann zu

erwarten ist, wenn dessen Einfluss auf das übrige Publicuxn sieh dadurch zu äussern heginnt,

 dass hiuügere Bestellungen mit strengen Anforderungen in Beziehung auf Geschmack

und deissige Ausführung gemacht werden.
            
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