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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe I (1866 / 9)

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nere der so gebildeten flachen Zelle mit grünem und gelbem Glase, der

umgebende Grund mit blauem überschmolzen - Anfänge des Zellenschmelzes

oder des Email cloisonne.

Bruchstücke, die mehr oder weniger auf die einstige Form des

Gefasses zu schliessen erlauben, sind alsdann zusammengeordnet (Kasten

10). Oben im Kasten becherartige Schalen in Nachahmung des Onyx

und Agates und allerlei buntem Glasßuss. Links unten zwei interessante

Bruchstücke flach-tellerartiger Schalen aus Millefioriglas. Daneben ein Henkel,

 bedeutend durch eine aufgepresste Inschriß: Artas Sidon in lateinischer

 und griechischer Sprache - ein Name, der, wenn auch aus späterer

Zeit, auf das glasbereitende Phöniziervolk weist. Derselbe Stempel kommt

an dem im März-Heike der "Mittheilnngen" erwähnten Purpnrglase mit

weissen Henkeln des Herrn Slade in England, zweimal an blauen Henkelfragmenten

 des k. k. Münz- und Antiken-Cabinets in Wien und zehnmal

an ähnlichen Stücken der Münchener Vereinigten Sammlungen vor.

Die Wirkung der Verwitterung sehen wir an einer Reihe in den brillantesten

 Farben schillernder Stücke klaren und farbigen Glases (Kasten ll).

Die Thatsache, dass die feine, irisirende Haut auch alte Bruchdächen

überziehblspricht auch dem Laien Gir deren Erzeugung durch natürliche,

oberliächliche Zersetzung des Glases. Mikroskopische Untersuchungen hestätigen

 dies. Darum brauchen jedoch unsere Glasfsbrikanten die Hoffnung

nicht aufzugeben, noch einmal so köstlich schimmerndes Glas dsuerhaß

zu erzeugen. Zwei Scherben darunter mit deutlich mittelst des Rades

eingeschliüenen Ornamenten.

Endlich noch eine grosse Anzahl mannigfaltiger Glasperlen, worunter

besonders zwei, der Millelioritechnik angehörige bemerkbar sind. Sie

wurden im März-Hefte als mit wahrscheinlich altphönizischen übereinstimmend

 erwähnt (Kasten 12).

(Fortsetzung in der nächsten Nummer.)

Ems Sibmeohers Btiok- und Spitzen-Iusterbuch.

Haull dzr Ausgabe v. .1. um in fsulmilirun Cnplen herausgegeben vuns k. k. öuerr. Innen.

In keinem Zweige der Industrie herrscht vielleicht heutzutage eine grössere Willkür

und Verwildernng des Geschmackes als in jenem weiten Gebiete, dem die Spitzeufabrication,

die Weissstickerei, die Wirkerei durchhrochaner Vorhänge, Ueberziige, Decken u. s. w. angehören.

 Es waltet die Geschmecklosigkeit in gleicher Weise in der Fabrik wie in der

privaten Handarbeit, die bekanntlich so weit reicht, als weibliche Hände die Nadel üihren.

Kaum erwacht und zur Verbreitung gekommen, verfiel das ganze Genre mit seiner Oma.-mentstion

 dem barocken Geschmack. Im 17. Jahrhundert von der überladenen und regellosen

 Verzierungsweise derPerrlickenzeit, im 18. von den willkürlichen lannenhnften Schnörkeln

des Rncoeo, die auf dem zarten und nnchgiebigen Stoß noch weniger Halt und Schranke

fanden, iiberwuchert, und im 19. Jahrhundert erst der Phantasielosigkeit und dem Mangel

an aller Erfindung, sodann einem ziemlich wilden Naturalismus anheimgefallen, der immer

noch hesser war als seine Vorgänger, haben die Spitzen nnd ihres Gleichen, ihre früheste

Periode ausgenommen, in ornamenxaler Beziehung fest nur Muster des Ungeschmacks geliefert.

 Man kann sagen, je feiner, je mühevoller und kunstreicher im Laufe des 17. und

18. Jahrhunderts die Spitze wurde, je widerwärtiger nnd wiister ihre Musterung.
            
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