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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe I (1866 / 10)

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treten. Dem Bestreben aber, eine; auf. der lIöhe der Wissenschafteii stehende

 Grundlage für eine populäre Literatur zu schaffen, stehen vielfache

Schwierigkeiten entgegen. Es gibt insbesondere auf deutschemBoden wenige

Gelehrte ersten Ranges, welche die Neigung besitzen, sichmit Aufgaben

ähnlicher Art zu beschäftigen; es "gibt unter diesen wieder mu wenige,

welche verstehen, sich klar und verständlich dem Laienpublicum gegenüber

auszudrücken und die zugleich die nöthige Einsicht in die wissenschaftlichen

 Bedürfnisse der Künstler und Kunsthandwerker haben. Es begreift

sich daher, dass Werke ähnlicher Art selten sind, und dass das Erscheinen

solcher Werke der Aufmerksamkeit des betreffenden Fachpublicums ganz

besonders empfohlen werden muss.

Das österreichische Museum ist in erster Linie berufen, dafür zu sorgen,

 dass Theorie und Praxis, Wissenschaft und Kunst in möglichst nahe

Berührung kommen. Auf künstlerischem und ästhetischem Gebiete wird

dem Museum diese Aufgabe vielfach erleichtert. Das Ausstellen von Kunstwerken,

 die entweder an und für sich die Bildung des Geschmackes fördern

 oder Einsicht in die Technik gewähren, verbreitet rasch und schnell

eine Reihe von Kenntnissen und Kunstanschauungen in jenen Kreisen,

denen früher das Betrachten der Kuntwerke schwer zugänglich gewesen

ist. Die Ornamentstzichsammlung, die Bibliothek der Anstalt, die ästhetischen

 und kunsthistorischen Vorlesungen, welche am Museum gehalten

werden, Publicationen artistischer und literarischer Art, die vom Museum

ausgehen, erleichtern diese eine Seite der Wirksamkeit des Museums. Es

kömmt noch der Umstand hinzu, dass im Gebiete der Aesthetik und der

Kunstgeschichte mancherlei populäre Werke bereits erschienen sind, welche

 eine sichere wissenschaftliche Basis haben. Viel schwieriger ist dieses

Ziel auf jenen Gebieten zu erreichen, welche mit den Naturwissenschaften

im Zusammenhang-e stehen. In der naturwissenschaftlich populären Literatur

 gibt es sehr viele Bücher, welche dem gebildeten Publicum mit Recht

empfohlen werden können, aber nur sehr wenige, welche für's Fachpublicum

 der Künstler und Kunsthandwerker berechnet, auch den Anforderungen

der heutigen Wissenschaft vollkommen entsprechen. Für einzelne Gebiete

fehlt es auch noch an jenen Fundamentalwerken, auf die sich eine populäre

Literatur stützen kann. Dies gilt in erster Linie für Alles das, was sich

auf Farbenlehre in physiologischer und physicalischer Weise bezieht.

Es gereicht uns desshalb zum besonderen Vergnügen, unseren Lesern

das Erscheinen eines Werkes mittheilen zu können, das für einen bestimmten

Kreis naturwissenschaftlicher Forschung berufen ist, jene Mission zu erfüllen,

 die wir soeben in kurzen Umrissen gezeichnet haben. Es ist dies:

„Die Physiologie der Farben für die Zwecke der Kunstgewerbe,

 auf Anregung der Direction des k. k. österr. Museums für Kunst

und Industrie bearbeitet von Dr. E rnst Brücke" (Leipzig, bei S. Hirzel,

1866, 298 8".-Seiten, mit 30 in den Text gedruckten Holzschnitten).
            
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