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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe I (1866 / 10)

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fällt zunächst auf, dass sich die Technik heutzutage nicht oder höchst selten 
zu Gefässbildungen aufzuscbwingen vermag, sondern sich am liebsten auf 
Spielereien beschränkt. Dann bemerkt man, dass die alten Gläser dieser Art 
sich vor den neueren ganz bestimmt durch eine höchst gefällige Verbin- 
dung opuker und durchsichtiger Glasflüsse auszeichnen. Der Verlauf opaker 
oder in sich wieder opak und durchsichtig zusammengesetzter Elemente 
in durchscheinender oder durchsichtiger Grundmasse bringt anmuthige 
Abstufungen imd Farbenmisehungen hervor. Bei den aus Röhrenkränzen 
zusammengesetzten Blttthen zeigt jedes, einzelne Blatt der letzteren eine 
zarte Schattirung. Ausserdem sind die Farbenzusammenstellungen selten 
crass und scheinend, sondern überwiegend geschmackvoll, nicht aus un- 
bestimmt-kalten und gesucht-zarten, sondern warmen, kräthg leuchtenden 
Tönen componirt; - dies Alles bietet uns zu lernen. 
Die Onyxnachahmungen der jetzigen Fabriken lassen sich nicht 
dem vergleichen, was wir hier erreicht sehen. Wieder die schöne Verbin- 
dung durchscheinenden und ganz zurückgeworfenen Lichtes. Daneben der 
Kunstgriff, die verschiedenen gelblich-braunen bis schwarzen Bänder des 
Onyx durch eingeschaltete schmale blaue Streifen zu trennen und zu heben. 
Wäre durch Umeinandenollen verschieden dicker und gefärbter Glasplat- 
ten, deren Walzen, Quetschen etc. die Nachahmung der Steine gelungen, 
müsste die Masse um die vollkommene Wirkung zu sichern auch durch 
Schleifen als Stein behandelt, zum wenigsten das Geblasene übergeschlilfen 
werden. Auch das bedachten die Alten. 
Die Mosaike endlich würden, nach denselben Grundsätzen der Farben- 
wahl und der Abstufung durch Wechsel opaken und durchscheinenden Gla- 
ses behandelt, keine geringe Rolle in Schmucksachen, Verzierxmgen von 
Chatullen, Buch- und Albumeinbänden und unzähligen ähnlichen Gegen- 
ständen der Luxusindustrie spielen können, zumal ihre Herstellung eine 
gewissermassen fabriksmässige ist. Aus dünnen Glasstäben wird ein Stab 
so zusammengeschweisst, dass er im Durchschnitt ein bestimmtes Muster 
zeigt; ohne dass letzteres verwischt würde, lässt sich der durch Erbitzung 
weichgemachte Stab zu beliebiger Dünne ausziehen. Die feinen Zucken 
eines Blattmndes sind durch Klammerzangen leicht in den weichen Stab 
zu pressen, dieser dann mit der Grundmasse zu umhüllen. Aus verschie- 
denen so erhaltenen Stäben wird nun das beabsichtigte grössere Muster 
zusammengesetzt, wobei darauf zu achten, dass beim Zusammenschweissen 
die einzelnen Theile ohne Verschiebung aneinanderpassen. Dies grössere 
Muster ist wieder durch Ausziehen des erweichten Stabes zu verfeinern, 
dann zu complicirteren Ornamenten oder Darstellungen zu verwenden 
u. s. f. Die Schwierigkeit bei feinerer Arbeit liegt hauptsächlich wohl darin, 
die Elemente der Stäbe so zu wählen, dass sie sich beim wiederholten 
Erhitzen und Abkühlen gleichmässig ohne Zerrung ausdehnen und zusam- 
menziehen. Jeder Abschnitt der endlich erhaltenen Glasstange wird das
	        
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