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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe I (1866 / 12)

Geschäftes, Buchführung mit zwei Büchern, Abschluss der Bücher, Vermögensaufnahme und

Ermittlung des Gewinns, Calculation, kurze Belehrung über Wechsel und Anweisungen,

Geschäftsbriefe n. dgl. auf zahlreichen Besuch rechnen können. In Württemberg hat ein

einziger Wanderlehrer in diesen Fächern binnen 15 Jahren an mehr als 5000 Schüler und

Schülerinnen Unterricht ertheilt. In diesem Staate hat man von Seite des Handelsministeriums

 dahin gewirkt, dass namentlich auch Schullehrer solche Curse besuchen; diese

verbreiten das Erlernte weiter und weiter, und erhalten selbst eine praktischere Anschauung.

Das Handelsministerium hat ihnen daher Tagegelder für solche Besuche bewilligt.

Was schliesslich die höhere technische Ausbildung hetrim, so ist auch hier festzuhalten,

 dass eine dem kiinßigen Beruf entsprechende Beschäftigung in der Lehrwerkstütte

als vorzügliches Vorbereitungsmittel erscheint. An diese praktische Kenntniss der hauptsächlichen

 Geschiißsoperaüonen schliesst sich dann, den Gesichtskreis zugleich vertiefend

und erweiternd, die Ausbildung in den technischen Instituten an, die in Oesterreich, wenn

ihre Personalbesetzung, wie wir nicht zweifeln, der Güte ihrer neusn Statute entspricht, den

Erfordernissen der Gegenwart genügen werden.

Wenn einmal dieser Organismus des gewerblichen Unterrichts, dessen Umrisse bereits

 von der Praxis, Hand in Hand mit einer geläuterten Theorie, klar erkennbar bei uns

gezogen sind, in seinen wichtigsten Theilen ausgeführt dastehen wird, dann finden auch

in Oesterreich Arbeiter, Handwerker, Landwirthe, Werkfiihrer, Directoren, Techniker, Industrielle

 und Grossgrundbesitzer auf kurzen, zeitsparenden Linien die Wege zu rationeller

und darum lohnender, dem Mitbürger nützlicher und den Staat bereichernder Arbeitsleistung.

Fragen wir nun aber nach den Mitteln zur Errichtung solcher Anstalten, so wird

sich die Staatsgewalt, so sehr sie auch zur Schonung ihrer Finanzen genöthigt sein ,

dennoch der Mitwirkung nicht entziehen können. Sie darf es nicht, um nicht den Vorwurf

zu erhalten, dass sie, die jährlich über 500 Millionen Gulden aus dem Vermögen der Bürger

entnimmt, gerade diejenigen mit Lasten verbundenen ödentlichen Zwecke, für welche in

anderen Llindern überhaupt in erster Linie Steuern gezahlt werden, wieder unter dem Titel

der „Selbstverwaltung" den Bürgern zur Erfüllung zuscbiebt: sie kann es aber auch aus

dem Grunde nicht, weil die Selbstverwaltung, auf die man uns mit Recht hiniihreu will,

sich nicht mit einem Zauberschlage unter einer Bevölkerung herstellen lässt, welcher durch

lange Zeit die politische Thstlosigkeit als Pflicht gelten musste. Die Finanzen Oesterreichs

können nicht warten. Wenn daher der Standpunkt des laisaer faire im amerikanischen

Buschwald gelten mag, für uns ist er noch nicht anwendbar. So erninente Fortschritte

auch die Bevölkerungen des Kaiserstaates im Laufe schwerer Jahrzehnte gemacht haben,

so können sie doch der anregenden, scbirrnenden und stützenden Tbütigkeit der Regierungsgewalt

 in Vielem noch nicht entbehren." Das aber ist gewiss, dass die Belastung der Staatsfiuanzen

 dabei eine möglichst geringe sein muss.

Das Erste nun, was wir vorn Staate verlangen, das ist, dass er wenigstens den ohne

sein Zuthun errichteten Anstalten die volle Freiheit der Bewegung gewähre. Sodann aber

glauben wir, dass, wenn die Regierung in der materiellen Restauration des Staates ihre

nächste Aufgabe erblickt und erblicken muss, sie sich auch der moralischen und iinanciellen

Mitwirkung zu einer besseren Organisation des Schulwesens, wo sie gewünscht wird, nicht

wird entziehen können. Leistung und Gegenleistung würden dabei gesetzlich festzustellen

sein, wie es in Belgien in Bezug auf die Lehrwerkstätten durch ein Gesetz vom Jahre 1861

geschehen ist.

Was die Mittel betriEt, so würden sich diese, bei ernstlichem Nachforschen, wie wir

glauben, wohl finden lassen. Wir vennuthen, dass sie sich durch eine Revision der früheren

Bildungsmittel und ihrer Fonds beschallen liessen. Es gibt in Oesterreich nicht ganz wenige

Anstalten, welche Hunderttausende, wenn nicht Millionen an ruhendem Capital repräseutiren,

und deren Leistung liir das ödentliche Wohl, dem sie urspünglich gewidmet waren, dessen

wechselnden Bedürfnissen sie aber nicht gefolgt sind, eine unverbältnissmässig geringe ist,

W es sei in dieser Beziehung nur an den botanischen Garten inWien erinnert! Die Lage

ist. eine so ernste geworden, dass wir das wahrhaft Nothwendige scharf von dem blos

Nützlichen und Angenehmen trennen müssen. Einem Ertrinkenden spielt man nicht auf

der Flöte vor, und ein Verhungernder verzichtet auf akademische Meisterstiicke und seltene

Pdanzenl Die träge Vergangenheit hat es zu verantworten, wenn wir Zeiten voraussehen,

Worin ,Alles, was besteht" durch seine Leistung seine Existenz wird rechtfertigen müssen.

Irren wir nicht, so ist das sogar die letzte Consequenz des uns von gewisser Seite

so warm empfohlenen Freihandels, welchem, wenn in dieser Ausdehnung gefasst, Mancher

zustimmen würde, der ihn jetzt noch, so lange die Erhaltung und allmälige Reform des

Bestehenden möglich erscheint, zu bekämpfen für Pflicht hält.

_ Doch, kehren wir zu unserem Ausgangstherna zurück! Belgien hat in König Leopold

unlängst seinen weisen Führer verloren, Aber sein Werk blieb uuerschüttert. Die Sicherheit
            
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