Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1866 / 13)

196

scheu Museum ausgestellt waren, ergänzten die dort vorhandenen Emailarbeiten

 so glänzend und glücklich, dass es möglich ist; an diesen den

Gang der Geschichte des Emails zu verfolgen und alle seine Hauptarten

aus dem Studium der Werke selbst gründlich kennen zu lernen. Wir

wollen im Folgenden die Anleit1mg dazu geben und unterziehen uns

diesem Versuche um so lieber, als einerseits das Email zur schönsten,

reizendsten und edelsten Zierde der Kleinkunst und der Goldschmiedekunst

 insbesondere gehört, und als andererseits nach langer Vernachlässigung

 ihm auch von praktischer Seite heute wieder mehr Aufmerksamkeit

 geschenkt wird. Diese moderne Wiedererweckung ist freilich, so sehr

sie als ein Gewinn zu betrachten wäre, nur noch ein schwacher Beginn.

Email ist ein mit Metalloxyden gefärbter Glasiiuss, der zur Verzierung

 entweder auf Metall oder auf Thonwaaren angebracht wird; wir

haben es hier nur mit dem ersteren zu thun. Wer die Erfinder dieses

Metallschmelzes waren, welches Volk diese Kunst zuerst geübt hat, das

wissen wir nicht. Wieweit das Email überhaupt im Alterthum bekannt

war, auch das ist schwer zu sagen, da wir keine schrihlichen Nachrichten

davon haben und uns nur Vermuthungen aus keineswegs zutreffenden Beschreibungen

 herauslesen müssen. Was sich erhalten hat, wie einige Gegenstände

 ägyptischen Ursprungs, ist entweder spät, d. h. aus christlicher

Zeitrechnung, oder zumeist fraglich in Bezug auf Herkunü und Technik.

Die erste sichere Nachricht, welche wir über Email von den Alten

erhalten, stammt von einem Kunstkenner aus der Mitte des dritten Jahrhunderts

 nach Christi Geburt, und diese Nachricht spricht von einer Kunst

der "Barbaren im Okeanos", farbiges Glas auf Metall zu giessen, und zwar

in einer Weise, dass wir daraus ersehen, diese Kunst war den Römern

und Griechen unbekannt. Vollkommen der Beschreibung entsprechende

Gegenstände, die unzweifehaR Email sind, finden sich auch in England

und im nördlichen Frankreich. Es sind Schmuekgegenstände, Brechen,

Fibeln und Pferdeschmuck barbarischen Ursprungs und von einigermassen

primitiver Technik, die sich aber klar erkennen lässt und dein späteren

Email ehamplevä am nächsten kommt. Aller Wahrscheinlichkeit nach

dürften desselben Ursprungs auch die ganz ähnlichen Emailgegenstände

sein, welche man auf den Stätten römischer Lager und römischer Ansiedlungen

 gefunden hat und die man gemeiniglich für römisch ausgibt. Ein

paar kleine Gegenstände dieser Art, die, wenn wir nicht irren, in Ungarn

gefunden wurden, sind im Museum ausgestellt. Die meisten barbarischen

Völker hatten zur Zeit der Völkerwanderung und später noch zur farbigen

Verzierung ihrer Schmuckgegenstände anstatt des Emails eingesetzte

Glasstücke.

Die eigentliche Geschichte des Emails beginnt erst mit den byzantinischen

 Sehmelzarbeiten. Woher diese stammen und wie früh sie

ihren Anfang nehmen, auch das ist dunkel. Vereinzelte Nachrichten, die
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.