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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1866 / 15)

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Die Frage, in welcher Art und Weise am zweckmässigsten die 
höhere Zeichenschule reorgauisirt werden könnte, beantworte ich mir iu 
gleicher Weise, wie der Herr Vorredner. Auch ich habe die Ueberzeu- 
gung, dass seit dem Bestehen des Museums dieses der Ort für die höhere 
Zeichenschule ist, und dass die Direction des Museums eine zweck- 
mässige Direction fir eine Schule ist, die bei dieser Gelegenheit reorga- 
nisirt, nicht allein eine höhere Zeichenschule, sondern eine wirkliche höhere 
Kunstgewerheschule werden kann, in welcher dann beispielsweise neben 
dem Zeichnen auch Modelliren, Ciseliren und Graviren und alle einschlägi- 
gen Künste gelehrt werden könnten. Das Museum bezeichne ich, ich wie- 
derhole es, darum als die geeignetste Anstalt, weil ich die jetzige Leitung 
des Museums als eine intelligente und fachmännische ansehe, durch die 
das Bestehen einer Kunstgewerbeschule im Museum am besten gefördert 
würde, und zwar in einer, schon durch die Reorganisation verlässlicheren 
Weise, als durch das Polytechnicum oder durch die Akademie der bil- 
denden Künste. Ich glaube sogar, dass der Zweck des Museums selbst 
nicht gut erreicht werden wird, in solange den Gehilfen und Lehrlingen 
der Industriellen nicht eine freiere Gelegenheit gegeben ist, sich im Zeich- 
nen zu vervollkommnen, in der Kunst die gegebenen Motive gehörig zu 
verwerthen. 
Es ist eine mehrfach von Industriellen ausgesprochene Ansicht, dass 
auch das bestehende Musterschutzgesetz in Oesterreich von wenig Be- 
deutung ist, wenn die Ausbildung fehlt, welche eben diese Muster er- 
finden lehrt." 
Aus der Rede des Herrn Dr. Hoffer heben wir folgende Stelle 
hervor: 
„Wer je Gelegenheit hatte, sich in künstlerischen Kreisen zu he- 
wegen, und jene Strebungen, welche die österreichische bildende Kunst 
bezüglich ihrer Reorganisation seit Jahren schon lebhaii beschäftigt,'zu 
theilen, der weiss es und es war namentlich jene Denkschrift der Genos- 
senschaft der bildenden Künstler Wiens, welche auf diesen Punkt ein 
bedeutendes Gewicht legte, dass die Pflege jener schönen Vereinigung von 
Kunst und Industrie zu gemeinsamem Wirken, welche eine Aufgabe der 
modernen Industrie ist, von Seiten des Staates, der dazu berufen ist, er- 
folgreich gefördert werde. Und dazu ist dem Landtage, welcher sich 
jederzeit geneigt gezeigt hat, die Interessen der Kunst, und namentlich 
der bildenden Kunst in so anerkennenswerther Weise zu fördern, die beste 
Gelegenheit gegeben, indem er diesem Antrage beistimmt. 
Es ist hiebei nicht davon die Rede, dass bereits eine bestimmte Or- 
ganisation in der Weise acceptirt werde. Im Grossen und Ganzen aber, 
glaube ich, kann der nieder-österreichische Landtag diesem Antrage nur 
unbedingt zustimmen, denn dass der Unterricht in den bildenden Künsten 
bisher an unseren Unterriehtsanstalten ungenügend und zerfahren war,
	        

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