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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1866 / 15)

A-Qu

trotz manches Einzelnen, was in dieser Richtung Schätzenswerthes geleistet

 worden ist, das wird auch in anderen Kreisen, namentlich in denjenigen,

 welche sich mit den Mittelschulen beschäftigen, schon hinreichend

anerkannt. Gerade da hört man wiederholt die Klage, dass namentlich

in Realschulen zum Theil zu viel und zu künstlerisch, zum Theil aber

auch in einer Weise gezeichnet werde, die nicht dem allgemeinen Bilduugszwecke,

 welchem die Realschnle in ihrer höchsten Auffassung dienen

soll, entspricht. Aufder anderen Seite war die Akademie, das wurde allgemein

 anerkannt, lange Zeit hinter der Höhe ihrer Aufgabe zurückgeblieben

und freudig wurde der Reorganisationsentwurf begriisst, der bestimmt

war, ihr neues Leben einzuhauchen.

Aber auch hier war, wie der Herr Versprecher sehr richtig erwähnt

hat, dem Kunstgewerbe nicht jene Stellung eingeräumt, die ihm gebührt.

Unsere technische Hochschule, das Polytechnicum, das ebenfalls in neuester

 Zeit einen Reorganisationsprocess durchgemacht hat, bot ebenfalls

keinen Platz dafür, denn gerade hier konnte nicht in jenes Detail der

kunstgewerblichen Entwicklung eingegangen werden, welche so nothwendig

 ist.

Darum kann ich im Grossen und Ganzen, und mit seinen Hauptzügen

 dem gestellten Antrage nur beistimmen."

Herr Ritter v. Dück erklärte:

,Auch ich begrüsse den Antrag des Freiherrn v. Pratobevera

sehr freudig, und kann aus meiner Erfahrung bestätigen, dass sich das

Bedürfniss einer höheren Kunstschule zur Ausbildung von besonders

strebsamen Jünglingen, die überdies mit Talent begabt waren, schon in

den ersten Stadien des Bestandes der Gewerbeschule als nothwendig und

höchst wünschenswerth gezeigt hat.

Die Zahl der Schüler braucht nicht gross zu sein, aber die Leistungen

 werden bedeutend sein, sie werden der Industrie dasjenige liefern,

an dem es dem lnlande noch immer mangelt, werden die theueren Talente

 des Auslandes überflüssig machen; wir werden das gleich in Wien,

im Inlande bekommen, originelle Zeichnungen, wie die Industrie sie bedarf,

und wobei die ausländische Industrie so sehr prosperirt."

Bei der hierauf über den Antrag Sr. Excell. des Freih. v. Pratobevera

 erfolgten Abstimmung zeigte sich der ganze Landtag damit einverstanden

 und es ist nun in Folge der Unterstützung der Landesvertretung

die Hoffnung gestattet, dass die von der Handelskammer angeregte Angelegenheit

 der Errichtung einer Kunstgewerbeschule in Wien einem heschleunigten

 und gedeihlichen Abschlusse entgegengefiihrt werden dürfte.
            
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