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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1866 / 15)

ZQÖ

milie Giorgi dar und befanden sich von den ältesten Zeiten bis Anfang

dieses Jahrhunderts im Besitz dieser venetianisehen Familie. Sie scheinen

 ursprünglich vergoldet gewesen zu sein. Dem Porträt der jüngeren,

wohlheleibten Dame, in deren F crmenbehandlung und Haaroostüm man

die Zeitgenossin des Paolo Veronese deutlich erkennt, ist in Lapidarschrift

 der Name des Künstlers, ALEX. VICTORIA. F., eingegraben. Den

Besuchern des Museums sind diese drei Büsten der eminent künstlerischen

Behandlung wegen lieh und werth geworden.

Einer späteren Zeit gehören zwei Terracottabüsten an, welche Herr

Baron Anselm Rothschild dem Museum geschenkt hat; eine davon

scheint ein Künstler-Porträt aus der letzten Zeit des 16. Jahrh. zu sein;

die Behandlung ist eine vorwiegend malerische, und Künstler, welche

sich mit Terracotta vielfach beschäftigt haben, behaupten, dass es auch

ein Maler und kein Bildhauer von Profession gewesen ist, der diese Büste

gemacht hat; eine höchst geistvolle Arbeit ist sie jedenfalls. Ganz anderer

Art ist die zweite Büste; sie ist streng in der Durchführung der Formen

und gibt die Erscheinungen der Natur treu und mit plastischem Vßrständniss

 wieder. Der Künstler, der diese Büste gemacht, ist kein Höfiing

gewesen und hat das Schmeieheln nicht verstanden. Es geht ein Zug von

Festigkeit des Charakters, der sich fast bis zum Trotze steigert, durch

das ganze Bildniss; der Mann scheint zu dem Künstler gepasst zu haben,

der ihn dargestellt hat. Eben dieser derb sinnlichen Ehrenhaftigkeit wegen

haben mehrere Lehrer unserer Mittelschulen (was seither auch geschehen)

 gewünscht, dass diese Büste in Gyps abgegossen werde und in

Schulen in Verwendung komme. Sie hat nicht blos den Vorzug, ein

gutes Vorbild zu sein, sondern sie prägt den angebunden Kunstjiingern

die Lehre ein: „Du sollst auch in der Kunst nicht lügen." Wir erinnern

uns noch lebhaft des Eindruckes, den die Büste auf Carl Rahl gemacht,

als er sie zum erstenmale gesehen hat; er meinte, diese Büste würde in

unsere schwächliche Zeit nicht passen, und ein Künstler, der ein so wahrhaftes

 Conterfei liefern würde, käme in Gefahr, dass ihm die Thür gewiesen

 werde.

Eine Büste aus der letzten Zeit der barocken Kunst hat das österreichische

 Museum auf der Kunst-Auction des verstorbenen Directors der

Graveur-Akademie, J. D. Böhm, erworben; es ist dies die Porträtbüste

Casanovas, deren Modellirung, ob mit Recht oder Unrecht wagen

wir nicht zu unterscheiden, dem Franz Casanova zugeschrieben wird,

der im Jahre 1807 in der Brühl bei Wien gestorben ist. Terracottabüsten

aus jener Zeit sind auf deutschem Boden ziemlich selten; in Frankreich

wurde in den letzten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts die Thonplastik

 in ganz eminenter Weise betrieben. Die Büste Casanovsfs athmet

 die ganze Weichheit, um nicht zu sagen Weichlichkeit der barocken

Kunst, aber es zeigt sich in dem Kopfe eine so feine Naturbeobachtung
            
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