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Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1867 / 19)

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voll. Erst im 17. Jahrhundert gestaltete sich das Ornament wieder grossartiger,

 aber in jener pompösen, überladenen, zugleich sinnlosen und unschönen

 Weise, welche die Zeit und den Geschmack Ludwigs XIV.

charakterisiren. Damit kam die französische Seidenweherei, deren Mittelpunkt

 Lyon wurde, zur Herrschaft und blieb auch so vorwiegend, indem

sie beide, die niederländische wie die italienische Concurrenz. besiegte,

dass man die fünfte oder moderne Periode seit dem 16. Jahrhundert die

französische nennen muss. Der Wechsel des Geschmacks im 18. Jahrhundert,

 der Uebergnng von der schwülstigen Barocke zum gezierten Rococo

 machte darin keinen Unterschied; die Franzosen wussten sich an

der Spitze zu behaupten und wurden auch von dem Stuss, der sie durch

den antikisirten Geschmack am Ende des 18. und am Anfang des 19. Jahrhunderts

 traf, nicht gestürzt. Mit Glück bemächtigten sie sich wieder der

modernen Blumenomamentation, und erst die Rückkehr, welche die Verzierung

 der Seidengewebe in der jüngsten Zeit auf die stilisirten Muster

des Mittelalters oder auf orientalische Motive nimmt, scheint die ti-anzösische

 Herrschaft wankend zu machen. Indess sind das Dinge, in deren

Process wir uns gerade befinden.

Imitationen von Druckwerken des XVI. Jahrhunderts.

Man ist heute geflissentlich in verschiedener Weise darauf bedacht,

die Buchausstattung zu verschönern. Man war dahin gekommen, dem

Papier die möglichste Weisse und Glätte zu geben, aber als man das erreicht

 hatte, sah man ein, dass in der blendenden, das Auge verletzenden

Weisse keineswegs die Schönheit liege, nnd man hat daher, namentlich

in England, versucht, dem Druckpapier wieder einen gewissen farbigen

Ton zu geben. Man hat anstatt des grauen Tons des alten geschöpften

Handpapiers dafür ein mildes, gebrochenes Gelb gewählt, welches auch

ohne Frage dem Auge einen angenehmeren Eindruck macht als das grelle

Weiss, und die Deutlichkeit der Buchstaben eher erhöht als verringert,

weil es die Blendung verhindert.

Ebenso hat man an der Form der Lettern herumgekünstelt und insbesondere

 die lateinischen Typen zierlicher und gerundeter gemacht, ihre

Linien verfeinert und sie in ihrem Schwunge und im Uebergange von den

breiteren zu den zarteren Stellen etwa wie die Linien eines Kupferstiehs

behandelt. Dadurch sind die Züge aber meist zu mager geworden, um

schön zu sein, und haben gleichzeitig an Deutlichkeit eingebüsst. Die

Schwärze der Striche verlor das richtige Verhältniss zu dem weissen

Raume, der sich zwischen ihnen befand.

Man ist deshalb, wie bei so mancher Kunstthätigkeit der Gegenwart

wiederholt auf das sechszehnte Jahrhundert und seine lateinischen Lettern
            
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