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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1867 / 19)

Die Ausstellungen von Zeichnungen und Hodellir-Arbeiten der gewerblichen

Zeichenschulen.

Wiewohl die Ausstellung von Arbeiten der Zeichenschulen Nieder- Oesterreichs,

welche vom österr. Museum für den Herbst v. J. projectirt und deren Programm (mitgetheilt

. in Nr. Q dieser Zeitschrift) vom k. k. Staatsministerium bereits genehmigt worden war, in

Anbetracht der Ungunst der Zeitverhältnisss vorläufig vertagt werden musste, dürften einige

Bemerkungen über den Zweck und die bisherigen Erfahrungen solcher Ausstellungen an

diesem Orte doch wohl am Platze sein.

Ausstellungen dieser Art verfolgen die Absicht, durch eine möglichst vollständige

Vertretung aller jener Anstalten, welche sich mit dem Unterrichts im Zeichnen und Modsllireu

beschäftigen, eine klare Kenntniss von dem Standpunkte, auf dem die (gewerblichen) Zeichenschulen

 des Landes sich befinden, und von den Erfolgen derselben zu erhalten. Dass

dieser Zweck ein nützlicher sei, dürfte wohl keines Beweises bedürfen. Die Ausbildung im

Zeichnen gestaltet sich immer mehr zu einer der wichtigsten Grundlagen der Concurrenzfahigkeit

 der Gewerbe. Eine allgemeine Ausstellung der in den siimmtlichen öffentlichen

und Privatanstaltcn des Landes angefertigten Zeichnungs- und Modellirarbeiten wird sicherlich

eine Quelle lehrreicber Vergleichnngen für das gebildete Publicurn, ein mächtiger Sporn

für die Schüler und für die Lehrer ein Mittel sein, die relative Stellung der Schüler kennen

zu lernen; sie wird endlich vielfache Anhaltspunkte für die Beurtheilung der Frage darbieten.

 ob und welche allgemeinen Massregeln für den Fortschritt des Zeichnen- und Modellir-Unterrichtes

 geboten sind.

Von diesen Gesichtspunkten ausgehend hat die k. bairische Regierung (und zwar das

k. Staatsrninisterium des Handels und der öffentlichen Arbeiten) odenbar unter dem Eindrucks

 der eben beendeten grossen Weltausstellung in London, welche die ausserordentlicben

Anstrengungen der Engländer auf dem Gebiete des Zeichen-Unterrichtes und die Erfolge

derselben an den Tag gelegt hatte, im December 1862 die Einleitungen für eine allgemeine

Ausstellung gewerblicher und Medellir-Arbeiten im Königreiche Baiern für den Sommer

des Jahres 1863 getroden und den Central-Vertretungs-Ausschuss des polytechnischen Vereines

 für Baiern und des Vereinss zur Ausbildung der Gewerbe in München mit der Leitung

dieses Unternehmens beauftragt. Dem von diesen beiden Vereinen aufgestellten Programm

ertheilte das k. bair. Staatsministerium unterm I4. Jiinner 1863 die Genehmigung, indem es

gleichzeitig an die polytechnischen und Gewerbescbulen die erforderlichen Weisungen wegen

der Bstheiligung an der Ausstellung richtete. Die Regierung verordnete, dass sich an dieser

Ausstellung die polytechnischen Schulen zu München, Augsburg und Nürnberg, die 29 Gewerbeschulen

 des Königreichs und die mit letzteren in Verbindung stehenden Handwerker-Feiertagsschulen

 ohne Ausnahme zu betbeiligen hätten. Ausserdem sollten zu dieser Ausstellung

 zugelassen werden die Baugewerkschulen in München und Würzburg, die Kunstgewerbeschule

 in Nürnberg, die Zeichenachule des Vereines zur Ausbildung der Gewerbe in

München, die Zeichenschule des polytechniscben Vereines zu Würzburg, die Zeichen- und

Modellirschulen von Berchtesgaden, Bischofsheim, Briickenau, Kothen und Oberammergau

und sümmiliche Privatzeichenschulen, welche eine gewerbliche Richtung verfolgen. Endlich

wurden auch die Schullehrer-Seminarien in den Kreis dieser Ausstellung gezogen. Die Zahl

der betheiligtsn Schulen und Anstalten hat im Ganzen die Zahl 90 erreicht.

Die Ausstellung wurde auf solche Zeichnungen, Modellir- und Bossirarbeiten beschränkt,

 welche in den Jahren 1861-63 angefertigt worden waren; als Zeitpunkt derselben

wurde der September 1863, als Localiüit der Glaspalast, welcher Eir die Zwecke der Industrie-Ausstellung

 im Jahrs 1854 gedient hatte, gewählt. Die Kosten der Verpackung der

Arbeiten, sowie die Reisevergütnngen für die Lehrer der graphischen und plastischen Fächer,

welche zur Ertheilnng von Aufschlüssen einberufen werden mussten, wurden auf die Fonds

der befreienden Schulen angewiesen. Der Transport wurde auf den bairiacben Staatsbahnen

unentgeltlich besorgt. Für die Ausstellung selbst erwuebsen den Schülern keinerlei Auslagen;

 die Kosten des Arrangements im Innern des Ausstellungsgebäudes, der Ausschmiickung,

sowie der Bewachung der Ausstellungs-Arbeitsn, wurden von der Regierung aus dem Centralfonds

 für Industrie bestritten.

Die beiden Körperschaften, denen die Leitung der Ausstellung übertragen worden

war, der Centnl-Vorwaltungs-Ausschuas des polyt. Vereins und der Verein zur Ausbildung

der Gewerbe in München, wählten aus ihrer Mitte für die Durchführung der Ausstellung

ein engeres Coinite, welches aus dem k. Obermiinzmeister H aindl, dem k. Oberbaudirsctor

Pauli, dem Rector der polytechnischen Schule inMüncben Dr. Alexander, denProfessoren

an der polytechniscben Schule Dr. Caj. Kaiser, Gottfr. N eureuther und Ludw. Folz, dem

Kunstmaler Hermann D y ck und dem Magistratsrath und Spielwaarenfabrikanten in München

Anton Edel zusammengesetzt wurde und den Oberbaudirector Pauli zum Vorsitzenden

bestimmte.
            
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