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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1867 / 20)

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(Geschenke) Vom Bildhauer Herrn Johann Wurnik in Rodmannsdorf mehrere 
Mannorproben aus den Gebirgen lllovca und Beguasca in Krain; vom Architekten der 
neuen grossen Oper in Paris, Herrn Garnier, eine grovsse Serie von Photographien und 
Gypsabgiissen aus dem Opernhause. 
(Besuch des Museums.) Derselbe betrug imMonate April d. J. 7614 Personen. 
(Die Erülfuung des Zeiohelsaales im Museum) ist von Ostern ab fix die 
Sommersaison entfallen. Die Benutzung, die von den Abendstnnden gemacht worden ist, 
hat bewiesen, dass diese Einrichtung eine zweckmäßige war und sie wird daher im nüch- 
sten Winter mit dem Monate October wieder in's Leben treten. 
(Die Ausstellung des lndustrieverelnes in Graz.) Die Erödnnng der dritten 
Ausstellung des steirischen Vereines zur Förderung der Kunstindustris fand am S. April 
d. J. statt. Hatten die früheren Ausstellungen ihren Schwerpunkt in den alten Erzeug- 
nissen der Kunstindustrie, so war diesmal eine glückliche Mitte zwischen vergangenen 
Jahrhunderten und der Gegenwart getroßen, und sie war in letzterer Beziehung um so 
interessanter, weil einige der ersten Wiener Firmen sie mit ihren Erzeugnissen beschichten. 
Die Möbelstolf- und Teppichfabrik von Philipp Hass Bt Söhne hat eine Collection 
höchst interessanter Gegenstände ausgestellt. Besonders waren es die Fussteppiche und 
Decken in Gobelinmanier, die Aufmerksamkeit erregten. 
Die ausgestellten Teppiche, nach türkischer Art (Nr. 2) im chinesischen Dessin 
(Nr. 3) und jener mit Dessin nach dem Mnsaikfussboden des Domes zu Trier waren wahre 
Prschtstiicke. Die Decke (Nr. 5) Gobelin-Inxitation, goldbrochirt, nach indo-persischen 
Motiven ein kleines Meisterwerk in schöner Zeichnung und harmonischer Fnrbengehung. 
Ein gleiches Interesse beanspruchten die Seidenmöbelstode derselben Fabrik im Styls der 
Renaissance und Ludwigs XIV. und XVI. Für Kirchen, Rathhlussr n. dgL waren die 
herrlichen Stoffe Nr. 9 und 10 mit Motiven aus dem 15. und 16. Jahrh. berechnet 
Sieht man in den Möbelstoßen ein allmiiliges Verlassen der bunten, naturalistischen, 
iiir diesen Zweck ganz widersinnigen Blnmenmuster angebahnt, so ist auf einem anderen 
Gebiete eine ähnliche Reform schon fast vollendete Tbatsache. Wir meinen das Zurück- 
greifen zu den mittelalterlichen Ornamenten bei den kirchlichen Stoßen. Auch hier steht 
eine Wiener Firma im Kampfe gegen die Ausgeburten einer geschmacksverworrenen Zeit, 
die wir noch immer beim Schmuck der Kirchenwsndlilichen durch Behangstoße, an den 
Messkleidern etc. verwendet finden, oben an, nämlich Giani. 
Die 15 Ohjecte der Gianfschen Fabrik in Wien (Nr. 37-54), bestehend in Brocat 
Gir kirchliche Gewänder, in Behangstoßen, Cappa's und den sogenannten „Stäben" zu 
Messgewindern, gewährten in dar schönen Zeichnung stylisirter Ornamente des Mittel- 
alters, in wohlabgedimpßen harmonischen Farben einen erhabeuereu, wiirdigeren Eindruck, 
als jene KirchenstoEe mit den plumpen überladenen Gcldschnörkeln und den schreienden 
grellfarbigen Naturblumen, von denen das Auge Desjsnigen fortwährend verletzt wird, der 
einem Hochamta in unseren Kirchen beiwohnt. 
Derselben Reform, welche Giani's gewebte Stoffe durchdringt, begegneten wir in 
Uffenheimefs Stickereien. Die Nummern 30-32, dann die im Nachtrag des Kata- 
loges aufgenommenen beiden Messgewinder und das prachtvolle Pluviale zeigten ebenfalls 
Fortschritt im stylmässigcn Ornament, gepaart mit der sorgßltigsten Technik der Aus- 
führung. Uffenheimer leistet besonders in der Bildstickersi Hervorragendes, wie wir 
an dem Marisnbild der Kirchenfahne sehen konnten. 
Für den Ethnographen interessant waren die mexicanischen Gegenstände, ausgestellt 
von Dr. Miskey, während das Gobelinbild (Nr. 33) Jdarla mit dem Kinds und der heil. 
Anna" zu jenen Prachtbildern zählte, die in der weltberühmten königl. Gobelinmanufsctur 
in Paris zu dem Zwecke gswoben wurden, um als Geschenke an hohe Persönlichkeiten in 
alle Welt herumgeschickt zu werden. 
Aus der Gruppe IV waren die französischen Emails des 16. Jshrh. von kunstge- . 
schichtlicbem Interesse. Die „Tasse aus Bronze mit farbigem Grubenemail" (Nr. 67). ein 
modernes Wiener Fabricat mit eintacher aber schöner Zeichnung und angenehm wirkenden, 
matten Fsrbentönen, zeigte die glückliche Wiederaufnahme der Emailtechnik, andererseits 
aber auch, dass durch diese Wiederaufnahme dem Schmucke der Gcfisse und sonstigen 
Geräthe ein weites Feld geöEuet wird. 
Die Gruppe Malerei war diesmal durch eine Suite von Flächeuminiaturen ver- 
treten, fast durchwegs aus dem Ende des 18. Jahrh., und es war interessant, zu sehen, 
wie das künstlerische Idyll des Rococo (Louis XV.), nämlich die idyllische Welt der 
Hirten und Hin-innen, und Sehliferscenen selbst am Ende des Jahrhunderts, wßnigßliöllß 
noch auf den Fächerbildern, nachklingt. 
Von altem Glase interessirten besonders die grossen Humpen mit eingebrunnten 
Wappen und die ewig schönen venetianischen Gläser. Vom neuen Glase hatten wir zwei Rich- 
tungen vertretsn, nämlich englisches und böhmisches, letzteres durch Lobmeyer inWien.
	        

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