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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1867 / 20)

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Die Glasgeriithe aus der Fabrik von Minwn Webb (Nr. 102-107) zeigten die

Eigenthürnlichkeit des modernen englischen Glases. Dort besteht die ganze Ornamentik

in der prismatischen oder sogenannten dianrantirten Schlsifung der Oberfläche. Die facettirten

 Köpfe der Stöpsel strahlten, gegen das Licht angesehen, ein Brillantfarbenfeuer

aus, wie echte Diamanten.

In neuester Zeit suchten auch die böhmischen Fabriken durch gute Formen wieder

gut zu machen, was sie lange Zeit versäumt hatten und davon gab Lobmeyefs Ausstellung

 ein beredtes Zeugniss. Hier ist es besonders die Form nach den antiken Geflissen,

 und der matte Schliff der Ornamente, worauf alle Sorgfalt verwendet wird.

Die Blumenscbale Nr. 110 und besonders die beiden Blnrnenvasen Nr. 114 und 115

zeugten von Eleganz. Besondere schön, tadellos in Zeichnung und Ausführung, erschienen

uns: das "Zuckerwasser-Arrangement" Nr. 116, der "Wassersatz" Nr. 118, die Nummern

126-125 und die Flacons Nr. 142. So wie bei den griechischen Vasen jene des edlen

Siyles mit lichten Figuren auf schwarzem Grunde denen rnit schwarzen Figuren auf lichtem

 Grunde mit Recht vorgezogen werden, so sprachen auch hier die Geiiisse am meisten

an, bei welchen das Ornament glashell (licht) auf rnattgeschlidenem (dunklem) Grunde

erschien.

Alle diese Gläser zeichneten sich noch überdies durch ansssrordeutliche Homogenität

und eine bewunderungswürdige Diinnheitfler Glaemasse aus.

Die XII. Gruppe, Arbeiten aus gebrannter Erde, Thon, im Vorjahre so überaus

reich ausgestattet, machte auch heuer wieder einen sehr günstigen Eindruck. Traten diesmal

 die Steinkriige mehr in den Hintergrund, so fanden wir dafür sehr interessante Majnliken,

 z. B. die Schüssel Nr. 177 und die Vase Nr. 178. Die Gruppe der holländischen

 Fayencen (blaue Ornamente auf weissem Grunde) machte in ihrer hübschen Aufstellung

 einen bestechenden Eifect. Originell war die grosse Schüssel von deutscher

Fayence, worauf vsterlündische Thiere mit kräftigem Pinsel in derbem, handwerksmässigem

Naturalismus skizsirt waren. Jedem, der sich für diesen Industriezweig erwärmen kann,

dürften die zwei persischen Schüsseln (Nr. 191 und 192) aufgefallen sein, mit den für den

Orient so charakteristischen Schneckenlinien als Ornament, den stylisirten Nelken und

- der groben Ausführung.

Vorzüglich vertreten war diesmal das japanesische Porcellan. Die Nummern

201, 203, 215, 220, 458 waren durchwegs Prachtstücke. Das moderne chinesische

Poreellan war unter Anderem durch ein ganzes Service mit eigenthümlich geformten

Schüsseln, wo auf dem Grund der Teller und Schüsseln ganze Genrebilder dargestellt waren,

dann durch eine 24" hohe Prachtvase (Nr. 212) rapräsentirt. An den beiden nebeneinanderstehenden

 grossen Gefiissen, der bauchigen japanesischen Vase Nr. 215 und der chinesischen

 Nr. 212, konnte man sehr gut die charakteristischen Unterschiede des japanesischen

 und chinesischen modernen Porcellans studiren. Hier die Vielfärbigkeit in hellen

Tönen; das Ultramarin in allen Nuancen, Carminroth und ein dem Schweinfurther ühnliches

 helles Grün vorwiegend. Dort wenige Farben, aber tief und glühend im Tone; ein

dunkles, sattes Blau, das Roth ein Carrninzinnober, das Griin, wo es angebracht war, ein

tiefes Meergriin, die Blattrippen und Contouren häufig von Gold eingeüasst. Ein besonders

 kostbares Stück war die Schüssel Nr. 219 aus sehr altem chinesischen Porcellan.

Von europäischem Porcellan fanden wir Meissen durch eine vortreffliche fignrale Gruppe

(Nr. 228), eine hübsche weisse Vase (Nr. 232) und kleine Figiirchen vertreten. Auch von

altem Wiener Fabricat waren hübsche ügurale Gruppen (Nr. 243 und 244), dann Teller

mit Miniaturen ausgestellt.

In der Gruppe XIIL, Arbeiten aus Holz, begegneten wir zunächst einer Reihe

hübscher alter Kästchen in Marqnetterie-Arbeit (mit eingelegtem Elfenbein, Perlmutter und

verschiedenen Holzarten), von denen Nr. 4,59 durch eine reich geschnitzte Architektur die

Aufmerksamkeit erregte. Ein Prachtstück der Beule-Arbeit war der Schreibkasten von

amerikanischem Holze mit Figuren und Ornamenten reich in Zinn eingelegt (Nr. 282),

eine. Veaeüaner Arbeit aus dem 17. Jahrh. Der grösseren Schnitzerei angehörig waren

Holztafeln (Nr. 267 bis 270), Seitenwände von Brauttruhen, die ersteren zwei aus dem 16.,

die letzteren aus dem 17. Jahrh. Sie gehörten zu jenen herrlichen Füllungsschnitzwerken,

an denen die Laguncnstadt noch heutigen Tages so reich ist.

Diese Gruppe war auch durch moderne Grauer Arbeiten bevölkert. Vor allem war

der Schreibkasten Nr. 26!) vom Tischlermeister Trieb zu nennen, eine gediegen durchge-Gihrte

 Arbeit, die, was technische Ausführung betrift, jedem Tischler der Residenz Ehre

machen würde. Die reichen Schnitzereien daran, glücklich und msssvoll vertheilt, ornaazentirten

 das architektonische Gerüste in harmonischer Weise. Es war nur in Bezug auf

die Verhältnisse auszustellen, dass der Theil, welcher als Schreibtisch fuugirt, zu schmal

gehalten war. Auch der Tisch im Rensissancestyl (Nr. 262), nach guter Zeichnung vom

Tischlermeister Zugh verferügt, liess an Tüchtigkeit der Ausführung nichts zu wünschen
            
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