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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1867 / 20)

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übrig. Bei dem Tiscbehen mit eingelegter Platte (Nr. 213) von Borbely war nur zu be- 
dauern, dass das Blatt schon schwand und dass die Figiirchen in grsvirtem Elfenbein 
nicht nach besseren Zeichnungen angefertigt wurden. Auch der tretfliche Bildsrhnitzer 
Gschiel hat ein Werk, „heil. Josef mit dem Jesuskinde", ausgestellt. Die Gestalt Josefs 
hatte eine edle Haltung und gute Draperie. Dass die nackten Theile nicht feiner ausgeführt 
sind, kommt wahrscheinlich auf Rechnung der grossen Distanz, in welcher die Statue in 
der Kirche zu betrachten sein wird. 
In der XIV. Gruppe, Geräthe und kleinere Plastik in Elfenbein. Perlmutter etc. 
fanden sich viele interessante Dinge: die schönen Elfenbeinschnitzereien, Portrait Michel 
Angela's (Nr. 284) und die Bonbonniere (Nr. 289). 
Von der XVII. Gruppe, Eisenarbeiten, waren die sehr schön gearbeiteten Thor- 
schliissel des Bankgebäudes von Horky in Wien und das getriebene Laubstiick (Nr. 309) 
als hervorragend zu bezeichnen. Letzteres, wahrscheinlich ein sogenanntes „Meisterstiick', 
nämlich von einem seine Befähigung zum Meister nachweisendcn Gesellen verfertigt, aus 
dem vorigen Jahrhundert, zeichnete sich durch eine susserordentliche Reinheit der Bear- 
beitung sus. Nr. 32) die galvanoplastische Copie des Heimes Karls V., der im Original 
aus Stahl durch die Vortreilichkeit der getriebenen Arbeit, besonders der Ciselirung, 
berühmt ist. _ 
in der XVIII. Gruppe fanden wir zwei schöm moderne Boule-Uhren, im Styl Louis XV. 
Was die Ornamentation und den Bronzegnss betritft, mochte man der Wiener von Hol- 
lenbach (Nr. 328) vor der französischen (Nr. 465) den Vorzug geben. Die kleine Stehuhr 
aus vergoldetem Silber mit Email und eingelegten Seinen war eines jener zierlichen Bi- 
joux, welche die Rococozeit gescbatfen und trotz der verworrenen Ornamentik so reizend 
auszustatten wusste. Die niedliche kleine Damsnuhr in Schmetterlingsform (Nr. 330) zeigte 
ein prachtvolles französisches Email aus dem 17. Jahrhundert, 
In der XIX. Gruppe waren diesmal die alten Bronzen, einige Mctallschiisseln ah- 
gerechnct, schwach vertreten, desto stärker aber die modernen. David Hnllenhach in 
tVisn hatte eine vorzügliche Collection seiner Arbeiten eingesendet, vor Allem in die Augen 
springend zwei Kugelluster aus Tombak. Der eine mit dem Adler (Nr. 332) hatte einen 
mehr schweren, ernsten Charakter und würde sich besonders für Rathstuben, Kirchen etc. 
eignen, während der andcre (Nr. 333) leichtere Formen aufwies und als Salonluster seinen 
Zweck erfiillen würde. Wenn der erstere sich mehr stylgerecht aufbaute, so bestach der 
zweite durch seine elegante, schwungvolle Composition (die Zeichnung vom Architekten 
Scanzoni in Wien) und durch graziöses Detail, welche Eigenschaften durch die k la 
Niello behandelten Linienornamentc noch gehoben wurden. Das Gleiche lässt sich von' 
dcn zwei Paar Candelabers aus Tombak (Nr. 349 und 850) sagen, SOWiO überhaupt den 
Tombakwaaren Hollenbaclfs vor den vergoldeten Bronzewaaren der Vorzug zu geben 
sein dürfte. 
Die verschiedenen Thiirbiinder aus Rothbronze (Nr. 385-337), der Thiirklopfer 
Nr. 338 gereichten der modernen österreichischen Knnstindustris zur grösstsn Zierde. Sie 
waren vom Wiener Bankgebäude nach den schwungvollen Zeichnungen Ferstel's. Der 
Hausaltar (Nr. 334), schön in Guss und Vergoldung, schien in den Verhältnissen nicht 
glücklich, während die zwei Caudelaber (Nr. 348) aus vergoldeter Bronze im gothischen 
Styl gute Zeichnung aufwiesen. 
In der XX. Gruppe begegnete man einem sehr, sehr alten, ehrwürdigen Object: 
dem goldenen Halsband einer römischen Dame, antik, eine Ausgrabung von Pompeji. Man 
sah daraus, dass die Goldschmiede des alten Rom kaum hinter unseren zuriickstanden. Das 
Halsband ist aus {einem Golddraht ganz in der Weise der venetianischen Ketten ge- 
flochten, die Fassung der Steine - wie heute, das Ornament einfach, aber besser als bei 
vielen unserer modernen Waaren. Ans dem 16. und 17. Jahrhundert, der Zeit der Bliithe 
der neuen Goldschmiedeknnst, fanden wir sehr hübsche Pocale (Nr. 868 und 369), 3 Haut- 
reliefbilder (Nr. 373-375) in gediegener Ciselirnng, und eine Menge von hübschen Dingen, 
die wir hier nicht näher beschreiben können. Die 6 Essbestecke, Silber und vergoldet, 
neues französisches Fahricat, diirßen gewiss das Hera jeder Hausfrau erfreut haben. Der 
Monstranze von Messing, vergoldet, gothisch, eine verdienstvolle Arbeit unseres tüchtigen 
Gold- und Silberarbeiters Hahn, hätten wir nur eine etwas pricisere Montirnng gewünscht. 
Das gnlvsnoplastische Institut von C. Hass in Wien, das bekanntlich in Graz seine 
Jugendzeit zubrachte, hatte eine Serie sehr schöner Gegenstände ausgestellt. Antik grie- 
chische Gefässe, sehr interessante persischßssssanidische Gegenstände mit ihrem feinen 
zierlichen Fllichenhrnament, ein gothisches Koiferchen, endlich die zwei Hauptstiicke der 
Sammlung, der Renaissance angehörend. Das griitlich Herbersteidsche Taufbecken sammt 
Kanne, das der Verein in seiner ersten Ausstellung verführte, hat seinerzeit Allfßßhßl-"I 
erregt. Der Willkummbecher in Gestalt eines Reiters, Porträt Gustav Adolph's, diirße 
als ein seltenes Meisterstück getriebener Arbeit bezeichnet werden.
	        

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