Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1867 / 23)

396

Jedenfalls bitte ich, wenn der Platz nicht zu haben ist, seinerzeit auf den anderen

Platz iiberzugehen.

GR. Dr. Koffer, Die Nothwendigkeit des Museums beweisen zu wollen, wäre

überflüssig, darüber ist in den Räumen dieses Saales kein Zweifel, wie nothwendig solche

Anstalten sind, die unsere Kunstgewerbe heben, und zu dem machen, was sie werden sollen.

Mein Versprecher, Fachmann in eminenter Weise und kräftiger Vertreter der Industrie,

hat es warm betont, wie auch ein Sprecher von der anderen Seite.

Aber ich frage, oh es wahr sei, dass wir der Sache, für die wir so warm eintreten,

einen Dienst thun, wenn wir mit diesem vorläufigen Verzögerungsantrag, der sich zu einem

Vertagungsautrag in infiuitum gestaltet, hervortreten?

Wir sagen zur Verwaltung: Ihr wollt einen Platz? Ihr findet, er genügt euch, -

aber wir wollen einen besseren Platz. Gut! Hütten wir den Platz, ich würde beistimmeu.

Mir wäre es angenehm, wenn unser Stadtpark sich plötzlich auch über jene öde Wüste

ausdehnen könnte, die sich derzeit vor den Kasernen ausbreitet und auf der wir mittlerweile

 nur trommeln und blasen hören. Wir wissen leider aus Erfahrung, dass, wo es sich

um die mindeste Einschränkung jcner Plätze handelt, auf denen exerciert wird, wir Hindernissen

 begegnen, die zu den schwersten gehören, und besorgen, dass der Wunsch, jenen

Platz links vor dem Btubcnthor fiir das Museum zu erlangen, unter den jetzigen Umständen

ein frommer Wunsch bleiben wird.

Was den anderen Platz bei dem Schottcnthor betriB, so hat er die Aussicht auf

das Parlament, was aber kein Grund ist, ihn fiir ein Museum zu verwenden; von anderen

Plätzen habe ich nichts gehört.

Wir werden einen Platz für das Museum brauchen, auf dem sich dasselbe entfalten

kann, und ich habe den Plan gesehen und ihn entsprechend für geraume Zeit gefunden.

So lauge wir also dem Museum nicht einen Platz bieten können, der ihm taugt,

so lange können wir diesen Platz ihm nicht wegnehmen, den es braucht.

Wer bürgt uns dafür, ob und in welcher Zeit das Museum aus seinen derzeitigen

beschränkten Räumen um Bullplatze herauskommen wird, wenn diese zwei Plätze, die wir

als Alternative behandeln, für selbes verloren gehen?

Ich frage, wie sieht da unser Wohlwollen aus? Fassen wir die andere Seite der

Frage buchstäblich in's Auge, ob unser Stadtpark wirklich ernstlich an Schönheit lciden

würde? Ich habe mich auf die Terrasse des Kursalons gestellt und meine Phantasie sugestrengt,

 welches Bild sich zeigen wird, wenn das Museum dort hinkommt, vorausgesetzt,

dass es nicht wie das Opernhaus aussehen würde und habe mich gefragt, was verlien wir?

Die Aussicht auf das Hauptzollasntsgebüude. Ob dieses schön ist, darüber sind die Meinungen

 getheilt, ferner die Aussicht auf die Hüuscrfroute in der Leopoldstadt und vielleicht

auf einen Theil der Franz Josefs-Kaserne. Leidet aber der Park dadurch, wenn z. B. das

Hansenäche Palais in denselben hineinblickt? Leidet er durch ein anderes schönes Gebäude?

 Eine wahrhaft schöne Architektur ist ein schöner Hintergrund für cinc Gartenanlage.

Ich glaube kaum, dass in dieser Richtung ernste ästhetische Bedenken obwalteu;

aus diesem Grunde, weil ich glaube, dass durch den von uns heute zu fassenden Beschluss,

wenn er nach dem Antrags des Referenten ginge, ein unberechenbarer Schade zugefügt

würde, erlaube ich mir den Antrag, dass vorläufig nicht beschlossen werde, das Museum

habe nicht au jene Stelle zu kommen, sondern, dass sich dahin ausgesprochen werde, dass

nur dann, wenn dem Museum ein anderer, vollkommenerer, geeigneterer, seinen Wünschen

entsprechender Platz eingeräumt werden könnte, wäre es wiiuschenswerth, dass dieser Platz

den Parkanlagen vorbehalten bleibe. Wenn das aber nicht möglich sei, sollten wir unsere

Zustimmung allerdings ertheilen.

Referent. Ich erlaube mir, um die Herren, welche noch zu sprechen gesonnen

sind, auf den eigentlichen Gegenstand zurückzuführen, um den es sich handelt, zu bemerken,

dass wir nicht aufgefordert wurden, einen Platz für das Museum zu bezeichnen oder anzuweisen.

 Es handelt sich um nichts Anderes, als um den von Herrn Dr. Schrank gestellten

 Lutrag, den ich vorgelesen habe, und der den Wunsch enthält, dass das Museum

näher an die industriereichen Bezirke verlegt werde. Ich habe nur, um den Standpunkt

klar zu machen, erwähnt, dass comuiissionelle Verhandlungen beim Ministerium geptlogen

wurden, ohne dass es noch irgendwie zu einem Beschlusse gekommen wäre. Nachdem, wie

ich früher die Ehre hatte zu erwähnen, dieser Platz von Sr. Majestät der Gemeinde zu

Gartenanlagen übergeben wurde, so wird, wenn das Ministerium dennoch entscheiden würde,

dass das Museum auf diesen Platz kommen soll, die Frage an den Gemeinderath kommen,

was derselbe in dieser Suche zu beschlicssen gedenke?

Darüber haben wir heute keine Vorlagen; heute handelt es sich blos um den Antrag

 Schranlfs, das Museum in die Nähe der industriereichsten Vorstiidte zu verlegen.

Was ich weiter sagte, habe ich nur zur Aufklärung bemerkt, aber nicht, nru einen Be,

schluss darüber hervorzurufen, ob das Museum da oder dorthin gebaut werden soll.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.