Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1867 / 23)

392

sind. Dieses Genre, worin ehedem die Fabriken von Meissen und Wien gross waren, ist

aber heute ein wenig veraltet und insoferne mit einigem Recht vernachlässigt, als solche

Gegenstände sich nicht dem Gebrauch empfehlen.

In allen diesen Dingen, worin Schweden der Mode folgt, steht es auch hinter der

Mode, und die lsolirtheit seiner Lage wird auch wohl an dieser Stellung nichts ändern

lassen. Es birgt aber genug der eigenthümlichen, althergebrachten Kunsteleinente so wie

der vorzüglichen Materialien in sich, um es mit Benützung seines Alterthums und seiner

nationalen Kunstelemente und mit rechter Verwendung seiner Stoffe (von künstlerischer

Verwendung seines vorzüglichen Eisens haben wir so gut wie gar nichts entdecken können)

zu einer eigsnthümlichen Kunstindustrie, wenigstens zu einer originellen Ausprägung der

herrschenden Richtungen zu bringen. In dieser Weise dürfte es selbst auf Export rechnen

und brauchte den Import nicht zu fürchten.

Eine ganz andere Stellung als Schweden nimmt Dänemark in der Kunstindustrie

ein. Hat Schweden sich noch eine grosse Menge nationaler Elemente bewahrt, so hat

Dänemark sie vollkommen alle abgestreift. Seine Kunstindushie erscheint im Gcgentheil

völlig modern, völlig ein Kind unserer Zeit, ohne aber dabei Nachahmung der französischen

Mode zu sein, oder ihr, wie Andere, bedingungslos zu verfallen. Vor diesem Schicksal

scheint sie der Eintluss der Kopenhagener Kunstakademie, die Nachwirkung Thorwnldsens

und die Bemühungen seiner Schule bewahrt zu haben, was hier um so leichter möglich

war, als sich alle bedeutende Kunstindnstrie auf die eine Stadt, die Residenz, beschränkt.

Der genannte Einduss hat es sicherlich bewirkt - und das ist nur recht und billig -

dass in Allem, was Dänemark auf unserem Gebiete ausgestellt hat, ein Bestreben nach

edler Form und edler Ornainentsüon sich kund gibt, ohne sich dabei an das Griachenthum

zu binden.

Wir beben in dieser Beziehung zunächst die geschnitzten und eingelegten Holzmöbel

hervor, beide in ihrer Weise auf die Renaissance des 1G. Jahrhunderts zurückgehend. Diese

Arbeiten sind vorzüglich in der Construction, im geschnitzten Ornament, das mit wohliiberlegter

 Bescheidenheit zur Verwendung gekommen ist, so wie auch in Zeichnung und

Färbung der Holzmusaiken. Auch schwarze Ebenholzkiisten mit eingelegtem künstlichen

Schildpatt in verschiedenen Farben sind als Cabinetstiicke zu erwähnen.

Mit diesen Möbeln auf gleicher Höhe stehen die Gold- und Silberarbeiten. besonders

Geiässe und Geräthe aus oxydirteni Silber, componirt in edlen und fein prolilirten Contonreu

 mit den zierlicbsten Ornamenten und von vorzüglicher Ausführung. Auf diesem

Gebiete besonders zeugen von der Schule und der Schönheit Thorwaldsens Schilder in

oxydirtem Silber oder Platten mit erhabenen Figürchen, welche als Füllungen in Ebenholzklstchan

 eingelegt sind.

Ebenfalls diesem Eindnss ist es zu danken, wenn die Thonfsbricntion eine edle Richtung

 eingeschlagen hat. Es sind dahin die Nachbildungen antiker Gefiisse zu rechnen, die

gelnngenstsn, die uns noch von den zahlreichen Arbeiten dieser Art vorgekommen sind,

sodann zahlreiche Reliefs, die nach den reizenden Arbeiten Tborwaldsens nnd durch Anregung

 derselben entstanden sind. Die Biscuitiignren nach Tborwaldsen sind uns aus den

Exemplaren im österr. Museum hinlänglich bekannt. Das Bestreben der Fabrik, aus der

sie hervorgegangen sind. die von Bing (ehemals die königliche und noch heute sogenannt),

ist überhaupt zu würdigen. Die Malerei ist durchgängig fein und zierlich ausgeführt,

Ueberladnng und Schwere der Farben, wie sie der Feinheit nnd Eleganz des Materials

widerstreben, sind vermieden, auch die Formen sind durchwegs edel gehalten, ohne das

Griechentbum zu zopiren; der willkürliche Zopf, die Barockvasen sind verschwunden.

Selbst in den silberplattirten Waaren, im Tbw- und Catfesgerith z. B., wo sonst

noch überall viel Plumpheit und Naturalismus zu Hause ist, erblickt man überall das Streben

 nach edlen Contouren und Ornamenten. Dänemark wird gut thun, unter dem Eindnss

seiner Kunstschule auf diesem Wege zu bleiben und sich durch die Schwankungen der

Mode in der Kunstindustrie nicht irre machen zu lassen. (Wiener Ztg.)

Der lluneumsban im Wiener Gemeindemthe.

Anknüpfend BD das im letzten Heße dieser Zeitechriß mitgetheilbe Votum des Gemeinderatheu

 in Angelegenheit des Neuhnues des Museums für Kunst und Industrie bringen

wir im Nachfolgenden den auf diese Frage bezüglichen Auszug aus dem Bitzungn-Protokolle

 vom I4. Juni d. J. mit Hinweglaeeung einiger minder wesentlichen Stellen.

Die Disnnssion hierüber begann mit dem Vortrage des Referenten in der Section

Hir Stadterweiterung, Gemeindernthen Schiffner, und der Verlesung des Antrages den

Gemeindernthee Dr. Schrank.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.