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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1868 / 28)

Die Natur des Porcellans und die chinesischen Muster stimmten aufs beste mit dem

Geschmack der Rococozeit zusammen. Die Gemälde, mit welchen man es schmückte, waren

 entweder in der Art leichter Aquarelle gehalten oder glichen Emailmalereien, so dass

dem Steife das wesentliche Element der Transparenz gewahrt blieb. Mit dem Rococo kann

aber auch diese im Princip richtige künstlerische Verwerthung des Porzellans ab. Die

Porcellanmulerei erreichte einen viel höheren Grad technischer Vollendung, musste aber

eben so weit hinter der Oelmalerei zurückbleiben, mit welcher sie wetteifern wollte, wie

die Porzellanplastik sich fruchtlos anstrengte, den Anforderungen der hohen Kunst zu genügen.

 Einen Gewinn brachten diese Bestrebungen gleichwohl: das antike Ornament. in

welchem das Beste zu Anfang unseres Jahrhunderts von der kaiserlichen Fabrik in Wien

geleistet wurde. Ueber der Tendenz, mit der Decoration des Porcellans über dessen Grenzen

 hinausgehen, wurden aber Feinheit, Vollendung und Solidität des Materials, Schönheit

und Eleganz der Form vergessen, die Masse wurde kalkweiss, und als die ausgezeichneten

 Porzellanmaler ausgestorben waren, verwilderte unter der Herrschaft des Naturalismus

auch die Decoration vollends.

Dem gegenüber behaupten die Porcellane aus China und Japan, obgleich auch dort

die Fabrication seit Jahrhunderten von der einstigen Höhe herabgestiegen ist, immer noch

einen g-rossen Vorzug; sie sind, was sie sein sollen, rein decorativ, harmonisch in der

Farbe und darum von guter Gcsamrntwirkung. Diese Wahrnehmung liess sich auch in

Paris machen, und doch hatten nicht die chinesischen und japanesischen Fabriken ihr

Bestes ausgestellt, wie jene von Eevres, Berlin, Meissen etc., sondern Pariser Händler

hatten diesen Theil der Ausstellung versorgt. '

Haben die lndustrieansstellungsn nun auch auf den unbefriedigenden Zustand dieses

Kunstiudustriezweiges die Aufmerksamkeit gelenkt, so ist doch dessen Befreiung aus den

Fesseln des Modegeschmackes noch keineswegs gelungen. Abgesehen von einzelnen Specialitiiten

 gleicht sich alles europäische Porcellnn so sehr, dass es ohne die verschiedenen

Fnhrikslnarken sich kaum snndem liesse, und vielleicht nur drei Fabriken nehmen eine

selbstständige Stellung ein: Wedgwood, Meissen und Herend.

Die von Thomas Josiah Wedgwood in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts

gegründete Fabrik "Etruria" in Stalfordshire verdankt ihren Ruhm bekanntlich nicht

dem eigentlichen Porcellan, sondern jenem zwischen Porccllan und Fayence in der Mitte

stehenden Steingut, welches nach dem Erfinder genannt wird. vorzüglich aber jener Varietät,

welche Jasperware oder Jaapinporcellan heisst und zweifach gefärbt ist, so dass die obere

Schichte, welche die Zeichnung bildet, sich von einem dunkleren Grunde abhebt. Der damals

 wiedererwachte Sinn für die Antike kam den Arbeiten Wedgwoods, üir den a. B.

Flaxman ruodellirte, zu statten; und die Treue, mit welcher die Fabrik an ihrer ursprünglichen

 Weise dem Modewechsel zum Trotze festhielt, belohnt sich gegenwärtig.

Im Gegensatz zu dieser ist die Porcellnnfabrik in Meissen, die älteste in Europa,

recht eigentlich mit dem Rococo verwachsen. Aber anstatt diesen dem Material im Allgemeinen

 so angemessenen Styl von seinen Auswüchsen zu befreien und in Form und

Ornament mehr Reinheit und wirkliche Schönheit einzuführen, hält man sich in Meisseu

einerseits streng an die überlieferten Muster und huldigt andererseits dem neuen Geschmacks.

 welcher das Hauptgewicht auf ölbildartige Gemälde legt.

Mnriz Fischers Fabrik in Herend (bei Veszprim) endlich hat in der Technik eine

l-löhc erreicht, die es ihr gestattet, scheinbar unüberwindliche Schwierigkeiten fdnnlich

aufzusuchen und zu besiegen und alle Porcellane der Welt nachzumachen, während sie

in der Bemalung den Bedingungen des Stoffes treu bleibt.

Diesen dreien reihte Redner noch die Fabrik Ginori zu Doccis bei Florenz an,

welche zu ihrem einstigen, von den italienischen Majoliken ausgegangenen Kunstcharaktcr

wieder zurückgekehrt ist. auch Terracotten mit Reliefvenisrnngcu u. dgl. imitirt.

Gegenüber diesen fand der Modegeschmack seine gliuzendste Vertretung in der

Ausstellung von Sevres, welche Fabrik weniger Führer in der Mode - wie zur Zeit des

Bococo und unter der Restauration -- als von derselben beherrscht zu sein scheint. Mit

ihren außerordentlichen materiellen und künstlerischen Mitteln bemichtigt sie sich jeder

anderswo betriebenen Fabrimtionsweise und jeder Specialität bis auf die Nachahmungen

der Fayence. Dadurch hat sie aber den eigenen Charakter eingebüsst und über der Dscoration

 die eigentliche Arbeit des Porcellanfabrieauten vernachlässigt. Formen und Farbengcbung

 machen im Allgemeinen den Eindruck der Schwere; die Bronzemontirung, wahrscheinlich

 erfunden, um Mängel zu verdecken oder das zu verbinden, was nicht aus einem

Stücke geschaffen werden konnte, hat viel zu grosse Dimensionen angenommen. In der

Malerei leistet sie allerdings vorzügliches. Viel Gewicht war in der Ausstellung auf eine

ibrlnlzung auf der Beilage.
            
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