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Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1868 / 29)

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Ins Einheildiche herauszulössn und in einem Grundbilde- zu iixiren. Ihre Aufgaben waren

Formeln, die entweder gestützt auf llittelzahlen berechnet oder nur empirisch testend

gleich als Constructionsschemsn entworfen wurden. Dabei sind Zwecks der Naturforschung

 und Aufgaben der Kunst nicht immer gehörig geschieden worden; - der „mittlere

Mensch" sollte zugleich Urbild der Schönheit, - die Formel zugleich Regel und Canon

fiir den Künstler sein.

Nur einige wenige Forscher geben ihren Untersuchungen die entgegengesetzte Richtung;

 statt das Individuelle durch egalisirende Formeln zu tilgen, richteten sie vielmehr

gleich von vorn herein ihre Aufmerksamkeit auf alle die Verschiedenheiten der Gestalt,

welche Natur und Kunst darbieten.

Diesen letzteren Standpunkt bezeichnet der Vortrgrende als den seiuigen; in dieser

Richtung wolle er vorgehen, um, so weit die ihm zu Gebote stehenden Mittel reichen, das

Tbatslichliche zu ermitteln. Seiner Ansicht nach ist dies auch gegenüber dem künstlerischen

 Bedürfnisse die wichtigste Aufgabe der Naturforschung; sie sei auch berufen, die

organische Bedeutung aller dieser Verschiedenheiten zu erörtern. den ästhetischen und

pbysiognomischen Wcrth derselben aber zu deiiniren, sei Aufgabe der Kunst.

Sollen die Resultate auf gutem Grund beruhen, müsse auch die Methode der Untersuchung

 geregelt sein. Vor allem aber sollte in Betretf der Messnngemethode ein Uebereinkommen

 getroffen werden; denn nur dann sei ein Vergleich der Angaben verschiedener

Forscher und über verschiedene Objeete möglich, wenn die Zahlenwerthe sich auf die

gleichen Leibesabschnitte beziehen lassen. Bis jetzt aber sind für die einzelnen Mnasse zu

verschiedene Ausgangspnncte benützt worden, als dass man die sonst ganz sorgfältig ernirten

 Zahlen gleich und ohne gewagte Reductionen in Verhliltniss zu einander bringen könnte.

Der Vortrag gliederte sich daher in drei Abschnitte. Im ersten wurde eine auf anatomische

 Verhältnisse gegründete Messungsmethode in Vorschlag gebracht; im zweiten

suchte der Vortragende, gestützt auf die Darlegungen anerkannter künstlerischer Autoritäten,

 Zweck und Aufgabe der Proportionslehre zu deänireu; dem dritten Abschnitt endlich

waren die Angaben über Manssverhältnisse vorbehalten. welche an Natur- und Kunstwerken

beobachtet werden sind. Aus demVergleichc dieserVerhältnisse untereinander wurden einige

für die Kunstgeschichte vielleicht nicht uninteressante Folgesiitze abgeleitet.

Da die Abmessung einer Figur otfenbsr in nichts anderem bestehen kann, als in

der Ermittlung der Grösse linearer Abstände, so handelt es sich hierbei vor Allem um den

Entwurf eines Linearscbemas, welches man sich in den Körper eines jeden zu messenden

 Objectes hineingelegt denken muss. Dieses Schema soll alle Eigenschaften eines

architektonischen Schemas haben. Es soll nicht nur eine Uebersicht geben über die

Gestaltung des Leibes und daher alle wesentlichen Dimensionen in sich begreifen, sondern

auch Einsicht gestatten in die organische Gliederung der Figur und in den hiednrch bedingten

 Gestaltenwechsel. Die Abschnitte des Schemas sollen dis natürlichen Segmente des

Leibes. andeuten und sich durch identische Puncte begrenzen. Denn nur dann, wenn

die Mansslinien zu Puncten gehen, welche unabhängig sind von den individuellen Abweiehnngen

 und bei einem und demselben Individuum unabhängig sind von der Attitude, also

untereinander bei allen Stellungen der Glieder in denselben Abständen von einander verbleiben,

 nur dann wird es möglich sein. die Zahlen, welche man an verschiedenen individnen

 oder Bildwerken gefunden hat, auf dieselben Glieder zu beziehen und unmittelbar

mit einander zu vergleichen.

Dass diese Puncts im Skelet gesucht werden müssen, ist ohne vveiters einsichtlich,

weil nur das Skelet jener Bestandtheil des Leibes ist, welcher wesentlich die Gestalt bestimmt,

 zugleich aber auch durch seine gelenkigen Verbindungen den Bewegnngsmechanismus

 herstellt.

Die identischen Pnncte liegen aber nicht schon in den Berührungsflächen der Knochen,

 weil diese heim Wechsel der Attitüde nicht immer in denselben Abständen zu einander

 verbleiben; es sind dies nur die Drehnngspuncte der Kugelgelenks und

die Mittelpuncte der Axen der Charniere. Weil diese Punctc aber nicht zngängs

lich sind und deshalb nicht unmittelbar als Ausgangspuncte der Maasslinien benützt werden

können. so müssen dafür an der Oberiiiiche des Körpers andere Puncte ausgemittelt werden,

 welche ihnen entsprechen oder doch ihre Horizonte richtig anzeigen.

Ein nach diesen Grundsätzen EllhTOYfEYIeS Schema besteht in der Front-Silhouette

 aus folgenden, zwar wenigen, aber charakteristischen Linien. Aus der verticnlen

Medianlinie des Leibes, welche vom Horizont des Scheitels bis zum oberen Bande der

Schaamfuge herabreicht und durch Marken, entsprechend dem inneren Nuenstachel (Niveau

des Hinterhanptgelenkes), dem Kinn, dem Einschnitt der Brnstbeinhandhabe, der Mitte

des Schwertfortsatzes und dem Nabel nnterabgetlleilt ist; dann aus zwei horizontalen, von

welchen die obere den Abstand der Drehuugqznnctc beider Schultergelenke (Schulterbreite), die

untere den Abstand der Drchungspnncw beider iiüftgclcrukedliiitbreite) anzeigt; endlich aus zwei
            
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