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MAK

Full text : Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1868 / 29)

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Mnn kann mit einiger Bestimmtheit sagen, das Myrou, Polyklet und Phidias bei

ihren Darstellungen noch immer an den Formen des Mittelwuchses festgehalten haben und

dass erst später die Verhältnisse des Hochwnehses maassgebend geworden sind. Lysippus

steigerte zwar am Apoxyomenos die Ditferenz des Ober- und Unterkörpers gleich bis au

die iillsserste Grenze der Möglichkeit; Praxiteles aber und die Meister der Niobidengruppe

hielten sich darin noch massvoll, und alle diese Meister, auch Lysipp, gingen vom Gleichmaass

 des Ober- und Unterschenkels noch nicht ab. Erst an den Werken der neueren Griechen

 und aus der Römerzeit findet sich ein Usbermaass in der unteren Körperhälfte charakteristisch

 genug, innerhalb dieser mit einem Uebermaass des Unterschenkels.

Da. die grösseru Mehrzahl der erhaltenen Werke aus dieser letzteren Zeit herstammt,

so müssen gerade die Formen mit abweichenden Proportionen, deren es so manche gibt,

ein um so grösseres Interesse erregen. Denn ihre Durchsicht und Prüfung wird vielleicht

manches ergeben, das zusammengehalten mit Bekanntem, weitere Aufklärungen geben kann

in BetreE des künstlerischen Vorgehens. Man wird dabei aber mehreres zu berücksichtigen

 haben.

Es finden sich Fälle, welche in klarster Weise darthnn, dass gerade die Proportionen

 in den Händen des Künstlers ein sehr wirksames Mittel sind zur Erreichung des

beabsichtigten Ausdruckes. S0 reiht sich an die Standbilder von Göttern und Heroen, die

man „heben" wollte und deshalb im Hochwucbs, gesteigert durch Uebermaass der Unterschenkelliinge

 darstellte, der borghesische Fechter, eine Figur, an welcher der beabsichtigte

Eindruck des raschen Emporschnellens gerade durch das Uebermass in der Lange des gestreckten

 Beines nicht unwesentlich gefördert erscheint. Dagegen aber sind zu halten der

sogenannte Gsrmanicus als Pnrträtstatue, noch mehr der mnsicirende Faun, der in allen

seinen Formen herabgedriickt ist.

Einen Fall, wo es das Geüillige erforderte, vom üblichen Maasse abzugeben, ergibt

der Vergleich der beiden Gallier. Während der stehende in der Gruppe mit einem Uehermnnss

 im Unterschenkel ausgestattet ist, hat der sterbende, dessen linkes liegendes Bein

in seiner ganzen Länge dem Beschauer unter das Auge gebracht ist, einen Unterschenkel

von gewöhnlichem Verhältniss. Auch alle eingeknickten, knieenden oder in die Hockerstellung

 gebrachten Figuren haben einen maassvoll gebildeten Unterschenkel. Man denke

sich nur, um den Grund davon einzusehen, z. B. den Apollo vom Belvedere in eine solche

Attitnde gebracht.

Einen Fall. wo es der Mechanismus war, der die natiirlichsten Verhältnisse dictirte,

stellen die beiden Ringer von Florenz dar.

Ganz ausgeschieden aber aus der neuen Reibe müssen alle Figuren werden, welche

etfenbsa Nachahmungen eines älteren Styles sind, s. B. der farnesische Hercules, der obwohl

 lysippisch gestreckt, doch noch das Gleichmaass in den Theilen der unteren Gliedmaassen

 zeigt. Dasselbe findet sich auch an manchen Satyrgestalten, am sogenannten Hermes

 von Florenz n. s. w.

Die Analyse der weiblichen antiken Formen mit allen detaillirenden Maassangabou

und Diagrammen ist dem zum Druck vorbereiteten Heße vorbehalten.

Kleinere Lüttheilungen.

(Correspondent des Museums.) Se. kaiserl. Hoheit der durchlßuchtigste

 Herr Erzherzog Rain er hat in Höchstseiner Eigenschaft als

Protector des k. k. Museums für Kunst und Industrie im Sinne des ä. 22

der Statuten dieser Anstalt den Freiherrn Maximilian v. Kübeck, Reichsrathsabgeordneten,

 zum Correspondenten des Museums ernannt.

(Neu ausgestellte Gegenstände.) Am 15. Jsuner: Das Modell der auf der

Schraubeufregattte „Erzherzog Ferdinand Mux" beündlichen Dampfmaschine, gearbeitet

vom Stebilimento tecnico in Fiume, Eigenthum Sr. k. Hoheit des durchl. Kronprinzen

Rudolf; ein Basrelief, Madonna, von Deuatello, eine Agraife, orientalisch, aus dem

6. Jahrhundert, ein schmiedeeiserner Kamiusl-iinder, gothisch, 15. Jahrhundert und eine

silbertauaehirte Schüssel aus dem Jahre 1550, gearbeitet in Corfu, aämmtlich Eigenthum

des Herrn Baron Switer in Paris; zwei Holzreliefs, Portrüt-Medaillons vom Jahre 1764,

Eigenthum Sr. Exc. des Herrn Baron Hornstein; ein emnillirter Ring, nach Zeichnung

des Architekten Lippert gearbeitet von Anton Naute; ein mittelalterlicher Holzleuchter

aus Kamnitz, Geschenk des Herrn Prof. Klein.
            
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